Kritik an Sanktionen. NÖ-Industriebetriebe orten Verschlechterung des Investitionsklimas. Interessenvertreter schlagen Alarm.

Von Heinz Bidner. Erstellt am 08. September 2014 (10:16)
NOEN, Erwin Wodicka - wodicka@aon.at (Erwin Wodicka)
Die internationale wirtschaftliche Stimmung, verschärft durch die Ukraine-Russland-Krise, sowie hausgemachte Probleme drücken auf die Stimmung der NÖ-Industriebetriebe. Das zeigt eine Umfrage der Wirtschaftskammer (WK) und der Industriellenvereinigung (IV) recht deutlich.

NÖ Industrie: Nur ein Drittel will mehr investieren

40 Prozent der befragten 94 Unternehmen sehen eine Verschlechterung des Investitionsklimas gegenüber den Vorjahren. Nur jeder Dritte will seine Investitionen in den nächsten zwölf Monaten steigern. Ein Drittel möchte reduzieren.

Als Haupthemmnisse für Investitionen in NÖ orten die Betriebe vor allem hohe Personalkosten und Abgaben sowie das Finden qualifizierter Mitarbeiter und unflexible Arbeitszeiten.

Wermutstropfen der Umfrage: Sie wurde zwischen 7. Juli und 14. August durchgeführt. Mit 1. August hat aber die EU ihre Sanktionen gegen Russland verschärft und seit 7. August gibt es auch von Russland Sanktionen gegen die EU. IVNÖ-Präsident Johann Marihart vermutet, dass die geänderte Situation die Stimmung unter den Betrieben verschlechtert haben könnte.

Kritik an Sanktionen gegen Russland

Kritisch hinterfrägt er zudem die Sanktionen gegen Russland. Zwar wären sie aus Sicht des Westens gerechtfertigt: „Irgendwann muss ja jemand Stopp sagen.“ Die Effizienz bezweifelt er aber: „Wenn man glaubt, Putin damit in die Knie zu zwingen, ist das die falsche Vorstellung.“

Er warnt vor den Konsequenzen einer Verschärfung der EU-Sanktionen. Russland würde zudem reagieren. Das würde den Betrieben schaden. WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl fordert bei den Sanktionen generell „ein maßvolles Vorgehen“.

Marihart, selbst Chef des Agrarkonzerns Agrana, hofft auf einen Save-Haven-Effekt. Heimische Betriebe könnten auf den sicheren Hafen Österreich setzen und hier statt in Osteuropa investieren und von hier aus exportieren.