Zweite Röhre des Gleinalmtunnels offiziell eröffnet. Nach knapp vier Jahren Bauzeit ist am Freitag die zweite Röhre des Gleinalmtunnels im Verlauf der Pyhrnautobahn (A9) offiziell eröffnet worden.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 21. Juli 2017 (13:10)
APA (SCHERIAU)
Freigabe der zweiten Röhre des Gleinalmtunnels

Die Gleinalm war davor fast 40 Jahre lang nur durch die 8,3 Kilometer lange Bestandsröhre mit Gegenverkehr zu durchfahren. Bis Mitte September sind nun beide Röhren in Betrieb. Danach wird die alte bis Ende 2019 generalsaniert.

Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) zeigte sich froh, dass dieses "Nadelöhr" nun beseitigt wurde, denn "das Schlimmste sind frontale Zusammenstöße in Tunneln". Diese Gefahr sei nun Vergangenheit. Der Obersteirer sprach vom vielleicht modernsten Tunnel Europas und von seiner Vision: keine Verkehrstoten mehr.

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) erklärte den Freitag zu einem "verkehrspolitisch historischen Tag": "Wir haben lange auf diesen Tunnel gewartet." Er dankte auch seinem LH-Vorgänger Franz Voves (SPÖ), in dessen Ära der Tunnelanschlag stattgefunden hatte. Tunnelpatin ist übrigens seine Ehefrau Ingrid Voves.

Schützenhöfer betonte neben Voves auch die Vorleistungen des damaligen Bautenministers Josef Moser (SPÖ) sowie des früheren steirischen Landeshauptmanns Josef Krainer jun. Ohne diesen beiden hätte es keine erste Röhre gegeben. Der ÖVP-Chef erinnerte auch an die bisherigen Reisezeiten im Sommer: "Man fragte sich immer, wann klescht es wieder? Man hatte im Tunnel immer ein mulmiges Gefühl." Verkehrslandesrat Anton Lang (SPÖ) - der Leobener bezeichnete sich als "Stammkunde" des Tunnels - sprach von einem "Freudentag für die Steiermark".

Mehr als 23.000 Fahrzeuge täglich fuhren zuletzt durch den mautpflichtigen Gleinalmtunnel. An den Wochenenden im Sommer sind es bis zu 30.000 Pkw und Lkw, denn die Strecke ist eine der beliebtesten für Urlauber, die in den Süden und wieder zurück in die Heimat wollen. In Summe investiert die Asfinag 260 Mio. Euro in den Vollausbau des Gleinalmtunnels, davon entfallen etwa 180 Mio. Euro für den Neubau. Der Tunnel verfügt nun über 34 Fluchtwege in Form von Querschlägen, wobei acht davon für Einsatzfahrzeuge zu befahren sind. Hinzu kommen acht je 40 Meter lange Pannenbuchten, die über Notruf und Löschwassereinrichtungen verfügen. Alle 125 Meter wurden Notrufnischen eingerichtet, die mit Telefon, Notruf- und Brandmeldetaste ausgestattet sind.

Die sogenannte Gleinalmstrecke mit einer Länge von 32,6 Kilometern verbindet den Knoten St. Michael in Steiermark mit dem Knoten Peggau Deutschfeistritz nördlich von Graz. 1971 wurde mit der Planung begonnen, 1973 erfolgte der Tunnelschlag. 1978 wurde der vorerst einröhrige Gleinalmtunnel eröffnet. Der Verkehr nahm im Laufe der Jahrzehnte zu, weshalb die Röhre an ihre Kapazitätsgrenzen gelangte. 2011 wurde mit der Planung der zweiten Röhre begonnen, bis Sommer 2013 alle Verfahren abgewickelt. In den vergangenen vier Jahren waren laut Asfinag täglich 60 bis 140 Arbeiter auf der Baustelle in und um den Tunnel beschäftigt.

Die neue Röhre besitzt moderne Technik, einen hellen Anstrich, viel Licht und das Warnsystem "Akut" mit Mikrofonen als "Ohren". Bis 2019 sollen noch weitere Tunnel aufgerüstet werden. Die Pyhrnachse mit der Tunnelkette Klaus, Bosruck und Gleinalm ist dann durchgehend mit zwei Röhren ausgestattet. Die Gesamtinvestition für die sechs Tunnel im Verlauf dieser Achse beträgt rund 720 Mio. Euro, erklärte Asfinag-Vorstand Alois Schedl. Derzeit werden auch der Selzthaltunnel und der Walder Tunnel um rund 63 Mio. Euro saniert. Der zehn Kilometer lange Plabutschtunnel, der als Hauptumfahrung für das Grazer Stadtgebiet gilt, wird ab Herbst 2017 um knapp 64 Mio. Euro modernisiert.