Kein Waffenboom, aber ein Plus in Niederösterreich. Hinter dem Anstieg bei Waffen und Waffenbesitzern in NÖ ortet das Meinungsforschungsinstitut Branchenradar primär "weidmännische Gründe". Aber auch Lockerungen im Waffengesetz, Nachmeldungen und Krisenängste stecken wohl dahinter.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 13. Januar 2021 (04:57)
Insgesamt gingen 2020 damit 52.300 Gebrauchtwaffen über die Verkaufstische, berichtet Branchenradar.com. Auch der Absatz von Lang- und Faustfeuerwaffen im Neuwaffenhandel erhöhte sich um rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt knapp 19.000 Stück. Das Wachstum bei Flinten, Büchsen und kombinierten Gewehren als größerbei Pistolen und Revolvern.
Unsplash/Sebastian Pociecha

In Niederösterreich stieg die Zahl der Waffen um knapp sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nach dem Rekordwaffen-Jahr 2016, mitverursacht durch die damalige Fluchtbewegung und etliche Terroranschläge in Europa, malten Medien kürzlich einen neuen Waffenboom an die Wand. Den bestätigen Händler, Jägerschaft und Polizei so jedenfalls nicht. 

Quelle: LPD NÖ, Zentrales Waffenregister; Foto: Christopher Burns/unsplash; NÖN-Grafik: Hammerl
Christopher Burns/unsplash; NÖN-Grafik: Hammerl

Ausschlaggebend für das Medienecho auf das Waffenplus war ein Bericht des Meinungsforschungsinstituts Branchenradar, das bundesweit ein Nachfrage-Plus von 10 Prozent bei Waffen berichtete. Im Vergleich zu 2019 stieg der Absatz von gebrauchten Gewehren um fast 16 Prozent und gebrauchten Handfeuerwaffen um sieben Prozent.

Auch der Neuwaffenhandel verzeichnete ein Plus von fünf Prozent bei Lang- und Faustfeuerwaffen. Branchenradar resümiert: „Der Lockdown wurde offenbar auch dafür genutzt, sich im Freien weidmännisch zu ertüchtigen. Und da das österreichische Waffengesetz seit 2019 auch das Führen von Faustfeuerwaffen bei der Ausübung der Jagd ermöglicht, steigt seither auch die entsprechende Nachfrage rasant.“ 

Nachmeldungen und Lockerungen 

Wie viele der 36.000 NÖ-Jägerinnen und Jäger mit gültiger Jagdkarte sich eine Waffenbesitzkarte und damit eine Pistole (Kategorie B) in den letzten zwei Jahren zugelegt haben, wisse man beim NÖ-Jagdverband nicht. Die nachträglichen Registrierungen der vormals freien Schrotflinten (früher Kategorie D, jetzt Kategorie C) sollen für das Waffenplus mitverantwortlich sein. „Die Nachmeldungen der Flinten machen sicherlich viel aus. Das ist ein Altbestand, der jetzt neu aufscheint“, sagt NÖ-Jagdverband Generalsekretärin Sylvia Scherhaufer. 

Der NÖ-Waffenhandel habe ein „relativ normales“ Umsatzjahr hinter sich, sagt Rudolf Dutter, WKNÖ-Fachsprecher für den Waffenhandel. Am Beginn der Pandemie haben sich zwar einige Menschen wegen Unsicherheit und dem Gefühl „Jetzt werden wir alle eingesperrt“ mit kurzen Schrottflinten und Pistolen eingedeckt, aber der Trend sei schnell wieder abgeflaut. 

"Temporäre Anstiege", aber kein "ausufernder Trend"

In Krisenzeitenlässt sich immer wieder ein leichter Anstieg bei Waffenkäufen feststellen, sagt Innenministerium-Sprecher Harald Sörös. Einen „erhöhten Informations- und Sicherheitsbedarf der Bevölkerung“ sieht auch Johann Baumschlager von der LPD NÖ. Es gebe in Krisen „geringfügige und erfahrungsgemäß temporäre Anstiege“ bei Waffenbesitz, aber keinen „ausufernden Trend“, sagt Baumschlager. 

In Relation zur jährlichen Bevölkerungsveränderung (Anmerkung: plus 7.081 NÖ-Bürgerinnen und Bürger im Jahr 2020) sei der Anstieg nicht „signifikant in diesen Kategorien“, sagt Innenministeriums-Sprecher Sörös. Und der Zuwachs der „verbotenen Waffen“ (Kategorie A) sei nur temporär aufgrund eines Magazin-Verbots und „kein Grund zur Besorgnis“, so Sörös. 

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