Dreiphasenplan für Lebensader Franz-Josefs-Bahn. Studie sieht Investition von 660 Millionen Euro vor. Vorhaben zur Attraktivierung und zum Ausbau der Linie für die nächsten 30 Jahre vorgestellt.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 07. September 2016 (14:26)
Martin Kalchhauser
Landesrat Karl Wilfing (Zweiter von links) und ÖBB-Infrastrukturvorstand Franz Bauer (Zweiter von rechts) präsentierten in Sigmundsherberg die Ergebnisse der Franz-Josefs-Bahn-Studie. Landesrat Maurice Androsch (links) und Landtagsabgeordneter Jürgen Maier wollen als Sprecher der Region Waldviertel einen „regionalen Schulterschluss“ für die Ausbaupläne sicherstellen. Foto: Martin Kalchhauser

Ein umfangreiches Maßnahmenpaket soll die längste Pendlerstrecke in Niederösterreich, die Franz-Josefs-Bahn (FJB), zukunftstauglich machen. Der Vorhabenkatalog, der auf einer umfangreichen Studie basiert, wurde am Mittwoch (7.9.) in Sigmundsherberg durch Verkehrslandesrat Karl Wilfing und ÖBB-Infrastrukturvorstand Franz Bauer vorgestellt. Die Zahl der täglichen Bahnkunden in diesem Bereich könnte so von derzeit 2.400 auf über 3.400 steigen.

Drei Phasen für Ausbau im Waldviertel

Eine Qualitätsverbesserung im Bereich des Wagenmaterials, für welches das Land NÖ 35 Millionen Euro in die Hand nimmt, sei mit den neuen Cityjet-Zügen bereits im Gange.

Ende des Jahres 2016 werden die ersten topmodernen Cityjets auf der FJB verkehren, betonte ÖVP-Landesrat Wilfing. Sie garantieren Klimatisierung und WLAN-Verbindung. „Wir haben durch die Maßnahmen, die bereits gesetzt wurden, schon eine erste Fahrzeitverkürzung erreichen können.“

Dabei wurden Trassenabschnitte modernisiert und sechs kleine Haltestellen aufgelassen. Die Strecke Gmünd-Wien ist nun in 1:57 Stunden bewältigbar, Sigmundsherberg-Wien in 1:01 Stunden.

Horn bekommt eine Direktanbindung

Die nun vorliegende Studie sieht kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen vor. 87 Millionen Euro wird die Phase 1 kosten. Schon in zehn Jahren könnte durch die Anhebung der Geschwindigkeit auf einzelnen Streckenabschnitten zwischen Gmünd und Absdorf-Hippersdorf auf 160 km/h eine Fahrzeit von Wien nach Gmünd in 1:45 Stunden machbar sein. Dafür ist eine Anpassung der Gleisanlagen und ein Umbau einiger Bögen nötig.

Phase 2 – mit 93 Millionen veranschlagt und in bis zu 15 Jahren realisierbar – sieht die massive Aufwertung Horns vor. „Horn wäre dann von Wien aus umsteigefrei zu erreichen“, so Wilfing. Ein Ast der FJB soll zwischen Eggenburg und Sigmundsherberg abzweigen und (elektrifiziert) direkt nach Horn führen. Dort müsste dafür ein neuer Bahnhof bzw. ein Bus- und Bahn-Terminal errichtet werden.

Wilfing: „Ein sehr ambitioniertes Ziel!“

Phase 3, die eine Erreichbarkeit Gmünds von Wien aus in nur eineinhalb Stunden ermöglichen soll, würde 480 Millionen Euro kosten. Darin enthalten sind die Begradigungen zwischen Göpfritz und Vitis sowie bei Schwarzenau. Wilfing: „Ein zugegeben sehr ambitioniertes Ziel! Da müssen wir erst Verkehrsminister Jörg Leichtfried und Finanzminister Hans Jörg Schelling überzeugen.“

Derzeit, so Wilfing, sei die Realisierung wegen der hohen Kosten, die kaum mehr weitere Zeitgewinne bringt, fraglich. Dass die öffentliche Hand Beiträge leisten müsse, steht für Wilfing außer Frage. „Eine Bahnlinie ist, von einigen Ausnahmen abgesehen, nicht gewinnbringend zu betreiben. Aber man muss auch schwächeren Regionen eine Chance geben.“

Bauer: „Einiges ist noch Zukunftsmusik!“

Über eine „wissenschaftlich fundierte Basis“ durch die Studie freut sich ÖBB-Vorstand Bauer. „Wir investieren schon derzeit pro Jahr 25 bis 30 Millionen Euro in die Franz-Josefs-Bahn.“ Die Phasen 2 und 3 der präsentierten Pläne seien sehr aufwändig. „Das ist noch Zukunftsmusik. Der Fahrgastgewinn wäre im Verhältnis zu den Kosten eher gering.“

Die ÖBB arbeite derzeit bereits am kommenden „Rahmenplan“ für 2017 bis 2022, und man werde sich bemühen, den Bund als Geldgeber von der Wichtigkeit der Pläne zu überzeugen. Seitens der ÖBB sei man jedenfalls „interessiert bereit“ zu weiteren Maßnahmen: „Das Waldviertel hat sich das sicher verdient.“

Regionaler Schulterschluss ist nötig

Dass die Region hinter den Plänen steht, brachten SPÖ-Landesrat Maurice Androsch und Landtagsabgeordneter Jürgen Maier (ÖVP), die beiden Obmänner des Regionalverbands Waldviertel, zum Ausdruck. „Eine gute Regionalentwicklung kann nur funktionieren, wenn die entsprechenden Infrastrukturmaßnahmen getroffen werden“, unterstrich Androsch.

Dieses langfristige Projekt, das „ein tolles Angebot an die Region“ sei, brauche ein entsprechend großes Commitment (Bekenntnis, Anm.) der Menschen in der Region. „Rückenwind aus dem Regionalbeirat“ wünscht sich Maier. Auf Abgeordnetenebene habe man sich schon geeinigt. „Jetzt müssen alle Betroffenen an einem Strang ziehen, damit die Pläne, die ein Meilenstein für das Waldviertel wären, keine Utopie bleiben.“

Gute Chancen für Direktverbindung nach Budweis

Dass sich die Region zur Bahn und deren Ausbau bekennt, wurde auch durch die Anwesenheit einiger Bürgermeister unterstrichen. Interessierte Zuhörer der Präsentation der FJB-Ausbaupläne waren weiters Niederösterreichs Verkehrsplaner Werner Pracherstorfer und der Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Ostregion, Wolfgang Schroll.

Erfreuliche Signale gibt es abseits der rot-weiß-roten Vorhaben übrigens laut Wilfing von tschechischer Seite für eine Direktverbindung nach Budweis. Dies würde der FJB die vor Jahren verloren gegangene internationale Anbindung zurückbringen.

Maßnahmen stehen „außer Streit“

Auch wenn viele Vorhaben utopisch anmuten und die Kosten von 660 Millionen eine beachtliche Summe sind, will sich Wilfing seinen Optimismus nicht nehmen lassen: „Die Zahlen der Studie sowie die Maßnahmen stehen außer Streit.“

Jetzt wird es Termine bei den beiden Ministern und ÖBB-Chef Andreas Matthä geben. „Die Franz-Josefs-Bahn ist seit 150 Jahren ein wichtiger und erfolgreicher Bestandteil der Region Waldviertel. Sie soll es auch die nächsten 150 Jahre bleiben.“