Wachau

Erstellt am 12. Februar 2019, 03:00

von Anita Kiefer

Touristenströme: Besucherlimit als Option. Wachaugemeinden erarbeiten Konzept. Begrenzung und Welterbeabgabe möglich.

Gerade im Sommer strömen die Touristen per Rad, Schiff oder Auto nach Dürnstein, um dort die Innenstadt zu besichtigen. Und das, wo im Ortskern von Dürnstein nur knapp über 90 Personen leben.  |  Anita Kiefer

Die italienische Hafenstadt Venedig verlangt künftig von ihren Besuchern Eintrittsgeld. Auch in der Wachau wird aktuell über einen Umgang mit den Touristenströmen nachgedacht, die einige Gemeinden überschwemmen. Bis Ende März wird ein entsprechendes Konzept von den Welterbegemeinden Wachau erarbeitet. Die beiden Stoßrichtungen: der Umgang mit der Masse an Touristen und die Finanzierung der Mehrkosten für die Gemeinden. Dies könnte über ein Besucherlimit und eine Welterbeabgabe passieren.

Der Hintergrund: Im Vorsommer forderte Melks Ex-Bürgermeister Thomas Widrich eine Touristenabgabe. Eine solche für einzelne Orte wird es, nicht zuletzt aufgrund des „Neins“ von VP-Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav, nicht geben. Auch Andreas Nunzer, Vorsitzender der „BürgermeisterInnenrunde“ der Welterbegemeinden Wachau und Bürgermeister in Spitz/Donau, ist dagegen. „Wir werden nicht wie die Kuenringer eine Kette spannen und Zoll verlangen. Der Hauptpunkt ist die Entzerrung der Touristenströme. Das ist auch unsere Aufgabe, die wir vom Land bekommen haben.“ Ob ein Entgelt in anderer Form kommt, ließ er offen.

„Wir werden nicht wie die Kuenringer eine Kette spannen und Zoll verlangen.“ Andreas Nunzer über eine Touristenabgabe

Etwas deutlicher wurde Dürnsteins Neo-Bürgermeister Johann Riesenhuber. Er hält eine Welterbeabgabe für alle Wachaugemeinden für „sinnvoll“. Seine Gemeinde ist eine der vom Tourismus hauptbetroffenen. Bei nur knapp 90 Menschen, die im Ortskern leben, kommt jährlich fast eine Million Touristen. „Der Fremdenverkehr ist mit Kosten verbunden. Wenn man die auf den Fremdenverkehr abwälzen kann, wäre das für die Bevölkerung eine Entlastung“, so Riesenhuber.

In seiner Gemeinde wurde im Vorjahr eine Touristenzählung durchgeführt. Zu den Stoßzeiten soll es eine Entflechtung zur Entlastung des Ortes geben – etwa durch veränderte Steuerung der Touristenschiffe. Auch ein Besucherlimit ist für Nunzer und Riesenhuber ein Thema – beide bevorzugen aber eine Entflechtung der Touristenströme. „Ein Limit wäre auch ein Verwaltungsaufwand für die Gemeinde“, so Riesenhuber.

Patrick Strobl, Bürgermeister in der ebenfalls touristisch hochfrequentierten Stadt Melk, plädiert für „eine einheitliche Lösung entlang der Wachau“. Die hätte auch Riesenhuber gern – einen Alleingang Dürnsteins schließt er aber nicht aus, falls es in der Region zu keiner Lösung kommt.

Die nächste Sitzung der „BürgermeisterInnenrunde“ erfolgt Mitte Februar.