Zöchmann: Ein Präsident, der zuhören will. Nach 27 Jahren bekommt Niederösterreich mit Reinhard Zöchmann neuen Weinbaupräsidenten.

Von Sandra Frank. Erstellt am 30. Dezember 2020 (04:39)
Reinhard Zöchmann ist der neue Weinbaupräsident von Niederösterreich.
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Der Weinbauverband Niederösterreich hat einen neuen Präsidenten: Reinhard Zöchmann aus Roseldorf (Bezirk Hollabrunn) wurde mit 100 Prozent der Delegiertenstimmen in der Vorwoche zu Franz Backknechts Nachfolger gewählt. Dieser beendet damit seine 27 Jahre dauernde Ära und wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Backknecht war eine geordnete Hofübergabe wichtig, Zöchmann war sein Wunsch-Nachfolger. Deshalb erledigten die beiden im vergangenen Jahr viele Aufgaben gemeinsam.

Der Landeskammerrat freut sich über das Vertrauen seiner Winzer. Die kennen ihn gut, immerhin war der zweifache Vater fünf Jahre als Vizepräsident an Backknechts Seite im Einsatz. „Es ist eine sehr ehrenvolle, ehrenamtliche Tätigkeit, in der man sehr viel bewegen und bewirken kann“, so Zöchmanns erste Reaktion nach der Online-Wahl.

„Seit dem Weinskandal haben wir ein sehr strenges Weingesetz. Das ist gut, das schützt uns vor Vermischungen mit dem Ausland.“ Reinhard Zöchmann, Weinbaupräsident NÖ

Ein großes Thema, das den frischgebackenen Weinbaupräsidenten schon jetzt beschäftigt, ist eine gemeinsame Bewerbung des heimischen Weins: Derzeit gibt es nämlich neun Regionale Weinkomitees in Niederösterreich. „Jedes macht Werbung für sich“, weiß Zöchmann. Dazu komme noch das NÖ Weinmarketing.

Der Weinbaupräsident will hier Synergien gemeinsamer Bewerbung nutzen. Erste Weichen wurden bereits gestellt: Ulrike Hager, die bisher Geschäftsführerin des Regionalen Weinkomitees Weinviertel war, wird ab Juni diese Aufgabe übernehmen. Der Roseldorfer Bio-Winzer ist froh, Hager für dieses Projekt gewinnen zu können. „Sie hat viel Erfahrung, die sie dafür gut einsetzen kann.“

Ein weiteres Thema, das Backknecht bereits auf den Weg gebracht hat, wird sein, das Herkunftsmarketing auf eine gesetzliche Grundlage zu stellen. Denn was genau auf der Weinetikette stehen darf, entscheidet letztendlich der Ministerrat.

Der Weinbauverband strebt eine Lagenklassifizierung für alle Winzer an. Hier müsse etwa definiert werden: Was ist eine besondere Lage? Noch im Jänner 2021 soll das nationale Komitee die Vorschläge des Bundesweinbauverbands erhalten. Danach geht es weiter zur Begutachtung ins Ministerium und schließlich in den Ministerrat.

Warum hier so ein strenger Weg eingehalten werden muss? „Seit dem Weinskandal haben wir ein sehr strenges Weingesetz“, weiß Zöchmann. Er betont aber: „Das ist gut, das schützt uns vor Vermischungen mit dem Ausland.“

Für ihn ist außerdem wichtig, dass künftig Entscheidungen auf einer breiten Basis besprochen werden. So will Zöchmann etwa 20 Beiräte ernennen. „Die Winzer müssen das Gefühl haben, gehört zu werden. Sie müssen wissen, dass jeder Einzelne wichtig für unser Getriebe ist.“