Interview mit Weinbaupräsident Schmuckenschlager. Österreichs Weinbauverbandspräsident Johannes Schmuckenschlager sprach mit der NÖN über den Weinjahrgang 2017, die Exportzahlen und Wetterextreme.

Erstellt am 01. Oktober 2017 (04:51)
LKNÖ
Johannes Schmuckenschlager, Präsident Österreichischer Weinbauverband.

NÖN: Wie wird der Weinjahrgang 2017? Wie schaut es heuer mit Menge und Qualität aus?

Johannes Schmuckenschlager: Wir schätzen die Qualität aufgrund der vielen Sonnenstunden sehr hoch ein. Die Menge wird im Durchschnitt liegen.

Hatte die lang anhaltende Dürre auch Auswirkungen auf den Wein?

Schmuckenschlager: Das ist regional sehr unterschiedlich. Im nördlichen und südöstlichen Weinviertel wird die Ernte stark beeinträchtigt sein. In anderen Gebieten haben wir das Glück, dass die Rebe ein Tiefwurzler ist. Bei den Junganlagen, also bei Weinreben bis fünf Jahre, spüren wir die Auswirkung stärker. Grundsätzlich ist es heuer schwierig, eine Einschätzung zu geben, weil das Wetter regional so unterschiedlich war.

Mit welchen Maßnahmen sollen den Wetterextremen Dürre, Frost, Hagel entgegengewirkt werden?

Schmuckenschlager: Bei Hagel gibt es die Hagelversicherung, wo der Schadenswert versichert werden kann. Das zweite ist das Anbringen von Hagelnetzen. Bei Frost gibt es die Möglichkeit des Räucherns, wo aber wissenschaftlich umstritten ist, ob es etwas bringt. Dann gibt es die sogenannten Frostkerzen, deren Anbringen aber mit hohem finanziellen und personellen Aufwand verbunden ist. Und es gibt neben solchen Passivmaßnahmen auch aus weinbaulicher Sicht Aktivmaßnahmen. Etwa einen Pflanzenschutz auf Basis von Rapsöl, den man anbringt, bevor die Reben austreiben. Dieser verklebt die Rebaugen – und die Reben treiben erst nach der kritischen Zeit aus. Bei unsachgemäßer Anwendung kann es aber zu Wuchsschäden kommen. Dann gibt es die Möglichkeit, den Rebschnitt zu ändern. Anstelle von 10 bis 15 Triebaugen kann man viele lassen, man geht mit Mengenwachstum dem Schadbild entgegen.

Wie ist es um den österreichischen Wein im Ausland bestellt? Was sagen die Exportzahlen?

Schmuckenschlager: Wo wir verloren haben, ist der deutsche Markt. Hier fahren wir in einer sehr günstigen Schiene, und da waren die vergangenen Jahren nicht sehr ertragreich. In mittel- und hochpreisigen Segmenten haben wir nach wie vor Steigerungen. Grundsätzlich macht sich die Diversifizierung im Export bezahlt. Wichtig für uns sind die Schweiz, Russland und die Be-Ne-Lux-Staaten. Im Rotweinbereich auch der asiatische Raum. Wir sehen, dass wir auch in den USA zulegen können.

 

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