Mülltrennung & Kaufverhalten: Jeder in der Pflicht. Kaufverhalten und Mülltrennung wichtig für Recycling. Firma Brantner testet Müll-Schadstoffscanner.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 16. Juli 2019 (02:49)
Brantner/Andreas Bruckner
Die Kunststoff-Sortieranlage der Firma Brantner in Wölbling (Bezirk St. Pölten).

Was passiert eigentlich mit unseren weggeworfenen Kunststoffen? Und wie können diese wiederverwertet werden? Diese Fragen stellen sich nicht nur Umweltaktivisten, sondern auch die Entsorgungswirtschaft – unter anderen die Brantner Gruppe mit Sitz in Krems.

Im Rahmen des sogenannten Kreislaufwirtschaftspakets sollen laut EU Kunststoffe bis 2025 zu 50 Prozent recycelt werden, bis 2030 zu 55 Prozent. Österreich stehe aktuell bei unter 30 Prozent, so Stefan Tollinger, Geschäftsführer der Brantner Österreich GmbH. Das richtige Mülltrennen ist daher auch für das erreichen der EU-Vorgaben ein Muss.

„Wir wissen, dass das Recycling von Kunststoff, der getrennt gesammelt ist, deutlich einfacher und kostengünstiger erfolgt, als wenn man den Kunststoff aus einem großen Mengenstrom sortieren und reinigen muss und ihn dann einer Verwertung zuführt“, sagt Tollinger. Somit sind also auch die Konsumenten gefordert – denn nur was an Kunststoffabfällen in der gelben Tonne oder im gelben Sack landet, kann einfach wieder recycelt werden.

„Gartenbänke und Gartenzwerge sind fast erschöpfend produziert.“ Stefan Tollinger über neue Wege, Kunststoff zu recyclen

Hier kann auch die Digitalisierung helfen: Ende des Jahres wird Brantner einen Schadstoff- und Wertstoffscanner testen. Dieses Gerät wird in Abholfahrzeugen von Brantner installiert. Der Scanner analysiert via Bilderkennungssoftware, welcher Müll falsch im Sammelsystem gelandet ist. Es gehe darum, Ortsteile dazu zu animieren, den Müll besser zu trennen. Außerdem will man in Ortsteilen, in denen die Mülltrennung nicht so gut funktioniert, mit entsprechendem Infomaterial aufklären. Hier geht es vor allem um die Kunststoffabfälle, die nach wie vor häufig im Restmüll landen – oder gar auf Wiesen und Wäldern, erklärt Tollinger.

Michael Parak
Stefan Tollinger, Geschäftsführer bei Brantner.Parak

Aber was passiert denn nun mit dem Kunststoff, der gesammelt wurde und recycelt werden soll? Europa stehe noch am Anfang, was die Kunststoffverwertung angeht, sagt der Brantner-Geschäftsführer. „Gartenbänke und Gartenzwerge sind fast erschöpfend produziert. Damit wird man das Auslangen nicht finden.“ Es brauche neue, intelligente Produkte. Ein Anfang sind Mineralwasserflaschen, die aus gesammelten Pet-Flaschen bestehen. Auch hier ist wieder der Konsument gefragt, diesmal beim Kaufverhalten – denn die neuen Produkte müssen auch einen Abnehmer finden.

Der Kunststoffbereich ist übrigens nicht der einzige, wo Brantner neue Wege gehen will – und auch neue Geschäftsmodelle für sich sieht. Es gibt etwa aktuell den Versuch, Schlacken aus der Müllverbrennung der Bauindustrie als Baumaterial zur Verfügung zu stellen. Brantner hat mit der Montanuni Leoben das eigene Feinschlacke-Aufbereitungsverfahren BWS (Brantner Wet Slag-Verfahren) entwickelt, mit dem das Unternehmen auch den zweiten Platz beim NÖ Abfallwirtschaftspreis in der Kategorie Betriebe holte. Und auch aus biogenen Abfällen wird Neues hergestellt, nämlich Qualitätserde – etwa am Standort Langenlois. Das Credo für die Zukunft bei Brantner ist also Recycling – und die Vertiefung der Wertschöpfungskette.

Apropos Zukunft: Händeringend sucht Brantner aktuell, wie so viele Unternehmen, nach qualifizierten Fachkräften. Diese will Brantner mit verschiedenen Maßnahmen finden und an sich binden, etwa mit Benefits wie einem Gesundheitsprogramm und gratis Mineralwasser. Außerdem läuft aktuell ein Projekt an, das Mitarbeiter animieren soll, neue Fahrer anzuwerben. Den Anwerbenden winkt ein Bonus. Längerfristig werde man aber auch am Grundlohn schrauben müssen, räumt Stefan Tollinger ein.

Von der Beteiligung an fernen Märkten wie etwa der Türkei oder Nordafrika hat man sich in der Zwischenzeit bei Brantner verabschiedet. Man wolle sich vor allem auf den Heimmarkt Österreich konzentrieren, so Tollinger.