WESTbahn droht der Ausschluss. STREIT UM PENDLER-TICKETS / Aufnahme der WESTbahn in Verkehrsverbünde auf Kippe. Halte in Salzburg & München?

Erstellt am 19. September 2011 (00:00)
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VON HEINZ BIDNER

Dazu zählen angestrebte Kooperationen mit Verkehrsverbünden. Sie regeln, dass man in ihrem regionalen Geltungsbereich über einheitliche Tarife mit einem Fahrschein jedes öffentliche Verkehrsmittel auf seinem Weg nutzen kann – wichtig vor allem für Pendler mit Zeitkarten. Im Gegenzug bekommen die Öffi-Betreiber von den Verbünden Ausgleichszahlungen.

WESTbahn mit Salzburgern  & Ostösterreichern im Clinch

Während man laut WESTbahn mit dem Verkehrsverbund in OÖ längst einen Vertrag hat, sträuben sich weiterhin die Salzburger und Ostösterreicher. Für Bahnpendler zwischen Wien und St. Pölten würde das etwa bedeuten, dass sie mit ihren Zeitkarten nur bei den ÖBB einsteigen könnten oder ein eigenes WESTbahn-Ticket kaufen müssten.

Wie berichtet, stößt man sich im zuständigen Verkehrsverbund Ost-Region (VOR), der den Ländern NÖ, Wien und Burgenland gehört, am Preissystem der WESTbahn. Sie will bei Einzeltickets von Haus aus die günstigen ÖBB-Vorteilscard-Tarife anbieten. Es müssten aber grundsätzlich die Verbundtarife zur Anwendung kommen, so der VOR.

WESTbahn-Chef und Ex-ÖBB-Vorstand Stefan Wehinger vermutet hinter der ablehnenden Haltung vielmehr das Konkurrenzdenken der ÖBB, die neben den Wiener Linien der wichtigste VOR-Partnerbetrieb sind.

„Wir wollen nicht schlechter behandelt werden als die ÖBB“, meint Wehinger. Sollte sich in der Causa nichts tun, werde er in den nächsten Wochen in breiter medialer Öffentlichkeit Antworten einfordern. Es könne nicht im Interesse der Öffentlichkeit sein, dass man ein Unternehmen ausschließe.

„Die ÖBB stehen diesen Verhandlungen neutral gegenüber und haben keinerlei Vorbehalte hinsichtlich eines Beitrittes eines Mitbewerbers in den Verkehrsverbund“, heißt es dazu von Seiten der ÖBB. Nachsatz: „ Klar ist aber auch, dass für alle die gleichen Spielregeln gelten müssen.“

Wie im Falle einer Nichtaufnahme im VOR ein „Plan B“ aussieht, will Wehinger nicht erörtern. Aus informierten Kreisen ist aber von einem billigeren eigenen Zeitkartensystem zu hören.

München 2012 im Visier,  WESTbus für St. Pölten

Auch in der Stadt Salzburg läuft für Wehinger nicht alles nach Plan. So kann er dort seine Züge wegen des Hauptbahnhof-Umbaus nicht über Nacht abstellen. Eine der möglichen Alternativen, wie er der NÖN bestätigt, ist nun das Übernachten im bayrischen Grenzort Freilassing.

Damit könnten die Züge noch ab heuer auch die drei Stationen zwischen der Grenze und dem Hauptbahnhof mitbedienen. „Das ist eine Option“, hält sich Wehinger angesichts laufender Verhandlungen bedeckt.

Mit der jedenfalls angestrebten deutschen Zulassung hat der Bahnmanager jedoch viel Größeres im Sinn: „München war immer ein Thema.“ Ein Halt wäre dort frühestens 2012 spruchreif.

Was Wehinger ebenfalls weiter ausbauen möchte, ist das neue Buszubringersystem WESTbus – ein Gemeinschaftsprojekt mit Blagus. Mit fünf Fernbuslinien sollen Fahrgäste zu den Bahnknoten Wien, Linz und Salzburg gebracht werden. Weitere Linien sind im Gespräch. Anschlussverbindungen für St. Pölten wären „absolut ein Thema“, so Wehinger – vielleicht noch heuer.