Forschung sorgt für 950 Millionen Euro Gesamtwertschöpfung in NÖ

Mit rund 7.000 Beschäftigten und 22.000 Studierenden sind die NÖ-Hochschulen und Forschungseinrichtungen nicht nur Wissensgeneratoren sondern auch ein relevanter Wirtschaftsfaktor. Was sie zur NÖ-Wirtschaft und zum Wohlstand im Land regional beitragen, hat das WIFO-Institut in einer Studie modelliert, berechnet und geschätzt.

Erstellt am 14. Dezember 2021 | 15:35
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117 Millionen Euro investiert das Land NÖ alljährlich in seine Hochschulen und Forschungseinrichtungen: vom WasserCluster in Lunz (Bezirk Scheibbs), Zentrum für Migrationsforschung bis hin zur Donau-Universität-Krems und Bertha von Suttner Privatuniversität in St. Pölten. 

Als "zentraler Wirtschafts- und Arbeitsplatzmotor" bezeichnet Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) die Wissenschaft und Forschung und appelliert gerade jetzt in der Pandemie mit Blick auf die Impfskepsis die Wissenschaft "als Partner, Freund und Helfer" anzusehen. "Das sind nur Wissensfabriken, sondern sie tragen auch als Wirtschaftsfaktor zur regionalen Wertschöpfung in Niederösterreich bei." Wissenschaft sei noch nie so wertvoll und wichtig gewesen, wie in den letzten zwei Jahren.

700 Millionen Euro an Steuern und Abgaben 

Ob als Dienstleister, Auftraggeber, Konsument oder Steuer- und Abgabenzahler: Die rund 40 Hochschulen und Forschungsinstitutionen im Land samt Menschen dahinter, 23.000 Studierende und rund 7.000 Beschäftigte, lösen in Summe 950 Millionen Euro Gesamtwertschöpfung in Niederösterreich aus, berechnete das WIFO, und zahlen Steuern und Abgaben im Ausmaß von 700 Millionen Euro. "Davon fließen 40 Millionen Euro über den Finanzausgleich an das Land NÖ und die Gemeinden zurück", sagt Mikl-Leitner. Das sei ein Drittel der Landesinvestitionen.

Jeder 40. Arbeitsplatz in Niederösterreich ist mit der Forschung auf das Engste verbunden. Laut Statistik Austria sind 8.200 Vollzeitäquivalente direkt in der Forschung und Entwicklung beschäftigt. "Das entspricht einer Steigerung von 72 Prozent allein in letzten zehn Jahren", so Mikl-Leitner. Allein in Krems-Stadt arbeiten 13 Prozent aller Beschäftigten direkt (Forscher, Tutor), indirekt (Caterer) oder induziert (Büromöbelhändler) in den Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Kein "Elfenbeinturm", sondern Wohlstandsgenerator

"Der Wissenschaftskomplex ist nicht ein Elfenbeinturm, sondern hat auch in der Fläche große Effekte", sagt WIFO-Direktor Gabriel Felbermair und ergänzt, dass es darum gehe, eine Wissenschaftsgesellschaft zu verwirklichen und möglichst viel Wissen in möglichst vielen Köpfen auszubauen. Das generiere Wertschöpfung und Wohlstand. Allein durch die Präsenz der Forschungseinrichtungen werden 700 Euro pro Kopf generiert. Das sei eine halbe Milliarde Euro zusätzliche Wertschöpfung, "das ist also ein Extra-BIP."

"In unserer Studie mit Modellabgrenzungen und Schätzungen anhand von den Gewinn- und Verlustrechnungen aus den Forschungseinrichtungen weisen wir eher konservative Effekte aus, weil wir manches nicht wissen können. Faktum ist aber auch, dass gut ausgebildete Menschen eine Lebenserwartung und auch glücklicher sind", so Felbermair.

IST, AIT und IIASA als Botschafterinnen für NÖ

Niederösterreich habe sich als Hochschulstandort vor allem mit etlichen praxisorientierten und pädagogischen Hochschulen etabliert.

Die Donau-Uni-Krems sei der wichtigste Spieler, aber auch das International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) in Laxenburg, das Institut of Technology Austria in Klosterneuburg oder auch das  Austrian Institute of Technology (AIT) in Tulln seien große Institutionen mit internationaler Bedeutung.

"Die wirken als gute Botschafterinnen für das Land Niederösterreich und verkörpern Exzellenz und Innovation", sagt Felbermair. Einige Regionen würden besonders von der Nähe und Anzahl zu den Forschungseinrichtungen profitieren: etwa Krems, Tulln, Mödling, Wiener Neustadt und auch Scheibbs, "das zwar eine geringe Dichte an Unternehmen hat, aber einen überproportionalen Anteil an Hochschulen und Forschungsinstitutionen."

Auslandsstudierende als regionaler "BIP-Bonus"

Bei den Studierenden wirke besonders der 15-prozentige Auslands-Studentinnen und Studenten-Anteil als "Addon" für das BIP. Auch das Phänomen der "Spillovers" trage dazu bei: Wenn Diplomierte in Organisationen und Unternehmen arbeiten. "Nicht nur Diplome werden in NÖ produziert, sondern auch Wissen und Innovationseffekte in Unternehmen und anderen Organisationen, die durch das Wissen Wertschöpfung dort generieren."

Die Zahl der angemeldeten Patente als Träger eines direkten, produzierten Werts, der über die Hochschule oder Institution hinausgehe, ist Niederösterreich mit 17 (davon 14 am IST) von bundesweit 379 eher gering. Die vorhandenen Patenten seien jedoch sehr gut werterhaltend und hätte eine hohe Wirtschaftskraft, so Felbermair.

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