Erstellt am 04. April 2018, 02:48

von Anita Kiefer

Zukunft Druckereien: "Positiv, nicht optimistisch“. Zahl hat sich seit 2010 in NÖ um 29,4 Prozent auf 250 reduziert. Zukunft liegt in Nischen.

180 Druckereibetriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern gibt es bundesweit. Sie beschäftigen rund 8.000 Mitarbeiter„Ich sehe einen zarten Aufschwung“, sagt Katja Erhart-Viertelmayr, Obfrau der WK-Fachgruppe Druck NÖ.  |  alterfalter/Shutterstock.com

Die Jahre, die hinter der Druckereibranche in Österreich liegen, sind keine rosigen. Ein Blick auf die Zahlen: Gab es 2010 noch gut 1.840 aktive Mitglieder der Fachgruppe Druck in der Wirtschaftskammer (WK), sind es jetzt nur mehr knapp 1.420 – ein Minus von 23,3 Prozent. In NÖ hat sich die Zahl von 350 auf 247 reduziert.

Bundesweit gibt es gut 180 Druckereibetriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern. Sie beschäftigen gut 8.000 Personen und haben im Jahr 2016 1,66 Milliarden Euro umgesetzt – ein Plus von 0,8 Prozent gegenüber 2015. 2008 lag der Umsatz noch bei knapp zwei Milliarden Euro. Rund 20 Prozent des Umsatzes der Druckereien werden in Niederösterreich erwirtschaftet.

Der größte Teil des Kahlschlags in der Branche sei jedoch vorbei, so die Prognose von Alexandra Zotter, Geschäftsführer des Verbands Druck & Medientechnik. „Die Talfahrt ist gebremst“, ist sie sicher. Vom Wirtschaftsaufschwung könne auch die Druckerbranche profitieren. Zuversichtlich stimmt sie etwa, dass das Werbebarometer des Focus ein Plus von 6,5 Prozent für die Werbeausgaben ausweist. „Und nachdem Printwerbung mit 46,3 Prozent den höchsten Marktanteil hat, wird das vor allem den Druckern zugutekommen“, erklärt Zotter.

„Der Konsument ist flügge geworden“

Sie nennt dennoch eine Reihe von Herausforderungen, mit denen die Branche auch künftig konfrontiert ist: Zotter sieht eine weitere Konsolidierung und Automatisierung der Branche. „Außerdem schließt Print immer mehr Endprodukte ein – etwa Glas oder Holz. “ Es gebe daher den Trend, sich beispielsweise des alten Handwerks zu bedienen, auf Nischen zu setzen und individuellere Lösungen anzubieten. „Der Konsument ist flügge geworden und hat mehr Möglichkeiten“, erklärt Zotter.

Katja Erhart-Viertlmayr, Obfrau der Wirtschaftskammer-Fachgruppe Druck NÖ, sieht der Zukunft positiv, aber nicht optimistisch entgegen. „Ich sehe einen zarten Aufschwung“, sagt sie. „Ich hoffe, die Konsolidierung ist so weit, dass die Betriebe, die noch da sind, ihre Nische gefunden haben.“ Für wenig förderlich und zielführend hält sie aktuell die Streikdrohung der Gewerkschaft. Diese hat für diese Woche Kampfmaßnahmen im Zuge der Kollektivvertragsverhandlungen angekündigt.

Peter Stattmann, Geschäftsführer der Gewerkschaft GPA-djp NÖ, ist da naturgemäß anderer Meinung. „Wir versuchen seit zwei Jahren, hier etwas zusammenzubringen, und werden ständig nur hingehalten. Die Leute haben seit zwei Jahren keine Gehaltserhöhung bekommen“, zählt er auf. Deshalb habe man sich zu Kampfmaßnahmen entschlossen. Das Ziel: „Wir wollen einen Kollektivvertrag“, so Stattmann – diesen gibt es aktuell nicht.