Experte Haber: „Zinsen steigen wieder“. Wirtschaftsexperte Gottfried Haber von der Donau-Uni Krems über das Gefahrenpotenzial steigender Kreditzinsen und den nie angebotenen Finanzminister-Job.

Von Heinz Bidner. Erstellt am 29. September 2014 (00:04)
»Ich habe kein konkretes Angebot bekommen. Es gab nur ein Gespräch mit dem Vizekanzler, Herrn Mitterlehner«, erzählt der Volks- und Betriebswirt Gottfried Haber, Professor an der Donau-Universität Krems.
NOEN, Erich Marschik

NÖN: Nach der Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank von 0,15 auf 0,05 Prozent: Wie lange dauert die Niedrigzinsphase noch?
Gottfried Haber: Das ist das gleiche Problem wie mit der Wettervorhersage. Wenn es einige Zeit lang regnet, dann wissen Sie, dass irgendwann die Sonne scheinen wird. Wir wissen auch, dass dieses Zinsniveau langfristig so nicht bleiben, sondern steigen wird. Das Problem ist: Das wissen wir seit Jahren und wir glauben immer, dass es jetzt bald der Fall sein muss – passiert ist es bislang aber doch nicht.

 „Als Häuslbauer vom jetzigen Zinsniveau nicht ins Bockshorn jagen lassen“

Was schätzen Sie?
Was man sagen kann ist, dass das Zinsniveau dann steigen wird, wenn die Konjunktur wieder anspringt. Die EZB wird dann, wenn die Inflation in Europa im Schnitt in Richtung zwei Prozent oder höher geht, mit den Zinssätzen raufgehen.

Da müssen Häuslbauer aufpassen.
Ja, als Häuslbauer darf man sich vom jetzigen Zinsniveau nicht ins Bockshorn jagen lassen. Es ist eine Milchmädchenrechnung, aber ganz wichtig: Wenn ich einen Kredit um drei Prozent bekomme und das Zinsniveau steigt um drei Prozentpunkte, dann verdoppelt sich meine Zinsbelastung. Das kann dramatisch sein.

Ihr Ratschlag?
Man sollte sich jedenfalls von den derzeit niedrigen Zinssätzen nicht verblenden lassen. Man sollte sich Zinsen und Rückzahlungen auch leisten können, wenn das Zinsniveau um drei bis vier Prozentpunkte höher ist. Wir haben in den USA vor der Wirtschaftskrise gesehen, dass die Notenbank die Inflation relativ abrupt bekämpfen musste und alle paar Monate das Zinsniveau um einen viertel oder halben Punkt raufgegangen ist. So etwas kann uns in Europa in gewisser Weise auch drohen, denn es ist so viel Liquidität und Geld im Markt wie schon lange nicht mehr.

„Beunruhigend, dass Staaten ihre Budgets nur mit Ach und Krach im Griff haben“

Angenommen, die Zinsen verdoppeln sich und die Häuslbauer haben zuletzt fast nur zu variablen statt fixen Zinsen abgeschlossen: Droht die Gefahr, dass viele ihre Kredite nicht mehr tilgen können?
Die Banken waren in den letzten Jahren sehr vorsichtig, was die gesamte Bonität des Kunden betrifft und dass es sich auch ausgeht, wenn das Zinsniveau steigt. Aber ja, da steckt ein gewisses Gefahrenpotenzial drinnen. Was mich genau so beunruhigt ist, dass die Staaten im Moment ihre Budgets nur mit Ach und Krach im Griff haben und manche nicht einmal die Stabilitätspfade einhalten. Österreich kämpft auch mit seinem Budgetziel. Diese Staaten profitieren auch vom niedrigen Zinsniveau. Wenn das ansteigt, ist das für die Staatsverschuldung und für den Zinsendienst auch des öffentlichen Sektors nicht angenehm.

Bevor die Wahl zum neuen Finanzminister auf Hans Jörg Schelling fiel, waren Sie ja ebenfalls im Gespräch.
Ich habe aus den Medien erfahren, dass mein Name genannt wurde. Ich habe mich sehr gefreut, dass mir viele Menschen zugetraut haben, diese Aufgabe gut machen zu können. Es hätte mich aber sehr überrascht, dass ein parteiloser, unabhängiger Experte als Finanzminister fungieren soll.

Wurden Sie gefragt?
Ich habe kein konkretes Angebot bekommen. Es gab nur ein Gespräch mit dem Vizekanzler, Herrn Mitterlehner. Einen Tag, nachdem ich das erste Mal genannt wurde.

Worum ging es?
Es ging um die Herausforderungen für Österreich und das Budget. Natürlich nehme ich an, dass diese Themen für den Kontext des Finanzressorts thematisch interessant waren. Wir haben aber nicht über irgendwelche Posten gesprochen.