Erstellt am 28. Dezember 2016, 01:13

von Nina Wieneritsch

Pendler bringen Geld heim . Viele Gutverdiener arbeiten in Wien, leben im Umland und katapultieren NÖ beim Pro-Kopf-Einkommen auf Platz zwei. Aber: Bruttoregionalprodukt unterdurchschnittlich.

Die „Speckgürtel“-Bewohner, die in Wien arbeiten, heben NÖ beim Pro-Kopf-Einkommen auf Platz zwei.  |  NOEN

Etwa 190.000 Bewohner des NÖ-„Speckgürtels“ pendeln täglich nach Wien, wo sie das Geld verdienen, das sie am Ende des Tages mit nach Hause nehmen. Ein Faktum, das NÖ beim Pro-Kopf-Einkommen in die Hände spielt, so Statistik-Austria-Generaldirektor Konrad Pesendorfer.

Die Gehälter der Arbeitnehmer werden nämlich deren Wohnort zugerechnet und katapultierten NÖ im Jahr 2015 beim Pro-Kopf-Einkommen österreichweit auf den zweiten Platz: 23.100 Euro stehen hier pro Kopf zur Verfügung, nur geschlagen von Vorarlberg mit 23.500 Euro. Ganz anders sieht es hingegen aus, betrachtet man das BRG (Bruttoregionalprodukt, die regionale Entsprechung des BIP). Mit 32.500 Euro pro Einwohner liegt NÖ hier unter dem Österreich-Schnitt (39.400 Euro). Das „Dienstleistungs-Bundesland“ Wien hat mit 47.700 Euro die Nase weit vorne, das BRP wird nämlich am Arbeitsort gemessen.

Weinviertel beim BRP Österreichs Schlusslicht

Eine kleinräumigere Betrachtung zeigt, dass das BRG innerhalb NÖs stark differiert, auffällig sind die Gefälle zwischen Ballungszentren und Grenzregionen. Während die nominelle Wirtschaftsleistung pro Kopf im südlichen Wiener Umland und im Raum St. Pölten überdurchschnittlich ist, hinken die übrigen Regionen hinterher – das Weinviertel liegt mit 20.200 Euro pro Einwohner österreichweit gar auf dem letzten Platz. Mögliche Gründe seien etwa die Vormachtstellung des Dienstleistungsbereichs bei gleichzeitig schwach ausgeprägter Spezialisierung in diesen Gebieten, so Kerstin Gruber (Direktion Volkswirtschaft).

Tatsächlich verzeichnet NÖ mit 13,5 % einen überdurchschnittlichen Wertschöpfungsanteil im Handel. Den höchsten hat aber dennoch die Warenherstellung (19,6 %), die sich vor allem im Low-technology- bzw. Medium-low-technology-Niveau bewegt (siehe Infobox).

Dennoch ist in der Weinviertler Grenzregion eine Wachstumsrate zu verzeichnen: Betrachtet man die Zahl der Arbeitnehmer, nahm diese hier und im Wiener Umland überdurchschnittlich zu. Die übrigen NÖ-Regionen weisen ein Plus auf, das dem Österreich-Schnitt von 0,9 % entspricht.