Zahl der Unternehmensinsolvenzen halbiert. Aktuell werden um die Hälfte weniger Unternehmens-Insolvenzanträge gestellt als normalerweise. Grund ist der Verzicht auf Anträge von Gesundheitskasse und Finanz.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 27. März 2020 (20:13)
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Es ist auf den ersten Blick ein ungewöhnlicher Aspekt der aktuellen Coronakrise: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Österreich ist um rund die Hälfte gesunken. Während sozusagen vor Corona rund 100 Insolvenzen pro Woche in Österreich – in Niederösterreich rund 16 – verzeichnet wurden, gab es in der Woche nach Corona rund 50 (Niederösterreich: sieben).

Warum es zu diesem Rückgang kommt ist leicht beantwortet: „Gesundheitskasse und Finanz haben angekündigt, keine Anträge auf Insolvenzen zu machen“, erklärt Alexander Klikovits, Leiter des Bereichs Insolvenzen für Niederösterreich und das Burgenland beim Gläubigerschutzverband KSV1870, gegenüber der NÖN. „Die Anträge, die jetzt eingebracht werden, stammen von den Unternehmen selbst.“ Obwohl die Gerichte aktuell einen Notbetrieb fahren, würden diese natürlich auch bearbeitet, so Klikovits.

Dass rund die Hälfte der Insolvenzanträge von Gläubigern, und hier eben in erster Linie Gesundheitskasse und Finanz, eingebracht werden, sei übrigens in der Zeit vor Corona auch tatsächlich der Fall gewesen, weiß Klikovits.

Wie sich die Insolvenzzahlen in einigen Monaten entwickeln werden, das ließe sich schwer prognostizieren. „Die Zahl wird auf jeden Fall steigen. Die aktuelle Situation werden nicht alle überleben können. Wer vorher schon angeschlagen war, für den kann die Situation jetzt insolvenzauslösend sein.“ Je nach Branche würden die Nachwirkungen wohl unterschiedlich lang spürbar sein, vermutet Klikovits. Im Zuge der Finanzkrise 2009 stiegen die Unternehmensinsolvenzen um zehn Prozent an.