Diskussion mit LR Danninger: „Müssen Potenzial nutzen“

Unternehmer des Zentralraums diskutierten mit Landesrat Danninger über aktuelle Probleme ihrer Branchen. Dazu zählen Lehrlinge, die S 34 und Corona.

Martin Gruber-Dorninger
Martin Gruber-Dorninger Aktualisiert am 21. September 2021 | 18:35

Die NÖN lud zum Wirtschaftsstammtisch im Zentralraum mit Wirtschafts-Landesrat Jochen Danninger. Erstmals nicht digital in der Videokonferenz, sondern am Lokaltisch. Im Schau.Spiel in St. Pölten diskutierte er mit Wirtschaftstreibenden aus der Region über Work-Life-Balance bei Mitarbeitern, die Bedeutung der S 34 für die lokale Wirtschaft und die Corona-Impfung.

„Es ist gleich etwas ganz anderes, wenn wir uns hier gegenübersitzen“, leitete Danninger in die Gesprächsrunde ein und bekräftigte den spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung in Niederösterreich. „Wir sind in einer kräftigen Aufschwung-Phase. Die Wirtschaftsprognosen stimmen mich sehr zuversichtlich und ich sehe keinen Grund, dran zu denken, was passiert, wenn es wieder bergab gehen würde“, zeigt sich Danninger optimistisch.

Lehrlinge und Ausbildung. Sorgen macht sich Georg Loichtl von der St. Pöltner Flieger Gastro wegen künftiger Mitarbeiter und Lehrlinge. Die Branche habe derzeit keinen guten Ruf. Lehrlinge seien bei Praktika in Tourismusgebieten wie Kärnten oder Tirol voll gefordert. Das habe mit der Ganzjahres-Gastro in Niederösterreich wenig zu tun. „Die Lehrlinge arbeiten in den Top-Tourismusgebieten, wo Ferraris und Porsches vor dem Hotel stehen. Und selbst schlafen sie in einem Kammerl, wo es womöglich noch reinregnet. Wie sollen sich die für die Gastronomie langfristig begeistern können?“, fragt Loichtl.

Danninger bestätigt eine hohe Drop-out-Quote in der Gastronomie. Die Branche sei aber sehr interessant, meint der Landesrat. Sie dürfte nur sich und den Job in der Gastronomie nicht schlecht reden.

Mitarbeiterwerbung

BMW-Göndle-Geschäftsführer Michael Hickelsberger berichtet über seine Erfahrungen, junge Mitarbeiter für die Firma zu begeistern. Es werde zunehmend schwerer, Lehrlinge zu finden. „Die Zusammenarbeit mit den Schulen ist oft schlecht. Wir gehen offensiv in die Schulen und machen Werbung für den Lehrberuf als Mechaniker.“ Die Attraktivität der Lehre sei am Abnehmen. Er schlägt ebenso wie Danninger vor, die Eltern mehr in die Lehrlingswerbung einzubinden. Denn schließlich träfen die oftmals die Entscheidung für ihre Kinder.

Work-Life-Balance

Thema ist beim Stammtisch auch eine mögliche Vier-Tage-Woche. Dominik Mesner, Obmann der Plattform St. Pölten, ist überzeugt, dass sie kommen wird. Für Danninger ist das nicht fix. Erste Versuche habe es im Öffentlichen Dienst in Island gegeben. „Dort wurde sie teilweise schon wieder zurückgenommen. Wichtiger ist die Flexibilität in den Arbeitszeiten.“ Hickelsberger stellt zur Diskussion, wie sehr man Wünschen und Bedürfnissen von Mitarbeitern künftig entgegengekommen werden müsse. „Gibt es zu wenige Arbeitskräfte, können potenzielle Mitarbeiter mehr Forderungen stellen“, analysiert Danninger die Entwicklung. Der Traismaurer Unternehmer Wolfgang Übl sieht einen Schlüssel in der Motivation der Mitarbeiter. Die könne durch Wohlfühl-Konzepte und Wellness am Arbeitsplatz steigen. „Jede Firma bekommt die Mitarbeiter, die sie verdient“, sagt Übl.

S 34

Dominik Mesner fuhr mit dem Verkehr fort. Während in anderen Landeshauptstädten die Verkehrskonzepte bereits für Jahrzehnte vorbereitet seien, fange St. Pölten mit der Umsetzung erst an. Nächster Schritt sei die S 34. Für Mesner ist das Straßenprojekt dermaßen wichtig für die Landeshauptstadt, dass er vorschlägt, wirklich viel Geld bei den Grundablösen auf den Tisch zu legen. Auch aus Sicht von Danninger ist die S 34 für den gesamten Zentralraum notwendig. „Wir müssen das große Potenzial in St. Pölten nützen. Für Wirtschaftswachstum und Betriebsansiedelungen brauchen wir die S 34.“

Corona-Impfung

Cayenne-Geschäftsführer Wolfgang Übl bringt das Thema Impfpflicht in der Eventbranche in die Diskussion ein. „Das wird wohl nicht anders funktionieren, sonst besteht das Problem auch noch in fünf Jahren“, so Übl. Danninger zeigt sich beim Thema „Impfmoral“ optimistisch. „Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich mehr Leute impfen lassen. Schließlich sind 90 Prozent der Menschen auf den Intensivstationen nicht geimpft.“ Er selbst habe keine Sekunde gezögert, sich und seine Kinder impfen zu lassen.