Diskussion mit Unternehmern: Aufbruch nach der Krise?. Landesrat Jochen Danninger diskutierte mit Unternehmern über die erste Bilanz nach den Öffnungen, eklatanten Mitarbeitermangel und die Perspektiven.

Von David Brandl. Erstellt am 01. Juni 2021 (15:35)
Beim digitalen Wirtschaftsstammtisch plauderten und diskutierten (im Uhrzeigersinn von links oben) Eckhard Horstmeier, Christian Dam, Erich Schindlecker, Wolfgang Hager, Wolfgang Hummel und Nina Stift sowie in der Mitte Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger (links) und NÖN-Chefredakteur Daniel Lohninger. 
Michael Katzengruber

Die NÖN lud Gewerbetreibende aus dem Zentralraum zum digitalen Wirtschaftsstammtisch mit Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger (ÖVP). Sechs Unternehmer verschiedener Branchen nützten die Gelegenheit, um ihre Anliegen und Herausforderungen der Politik näherzubringen. Die wichtigsten Themenblöcke:

Sorgen trotz guten Starts

„Der Mai war im Modehandel wirklich gut“, meint die Tullner Modehaus-Betreiberin und Vizepräsidentin der NÖ-Wirtschaftskammer Nina Stift. Obwohl man auf dem Niveau von 2019 sei, zeigt sie sich vorsichtig. Denn das gute Geschäft sei auf Nachholeffekte zurückzuführen. Stift erwartet, dass sich die Lage mit den kommenden Lockerungen schrittweise entspannen wird. Dennoch fordert sie die Verdoppelung des Ausfallsbonus von 50.000 auf 100.000 Euro für die Bekleidungsbranche, weil sie durch die insgesamt 116 Schließtage auf ihrer bezahlten Saisonware sitzen blieb. Zudem will Stift bewusstseinsbildende Maßnahmen und eine Werbekampagne für heimische Modegeschäfte im Kampf gegen die Online-Riesen. Auch Landesrat Jochen Danninger bricht eine Lanze für den regionalen Handel: „Hier können wir alle einen Beitrag leisten, damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze in den Regionen erhalten bleiben.“ Gleichzeitig appelliert er an alle Betriebe, konsequent auf das Thema Digitalisierung zu setzen – „gerade im Handel“.

Gut verkauft hat auch die Kfz-Branche in den vergangenen Wochen – aber auch hier seien es Vorziehgeschäfte gewesen, betont Kfz-Innungsmeister und Autohausinhaber Wolfgang Hummel. Teilweise sei der Automarkt schlicht „leergekauft“. Der Grund für die Vorziehkäufe ist hier aber ein anderer: die Erhöhung der Normverbrauchsabgabe (NoVA) für Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen ab Juli. „Eine eklatante Mehrbelastung in einer schwierigen Zeit“, ärgert sich Hummel. Auch Danninger hat kein Verständnis für die von der türkis-grünen Bundesregierung beschlossene NoVA-Erhöhung.

Mitarbeiter-Mangel

Trotz hoher Arbeitslosigkeit fehlt es den Betrieben an Arbeitskräften. Dieses Bild zeigte sich bei allen NÖN-Wirtschaftsgesprächen, so auch diesmal. 20 Mitarbeiter könnte der St. Pöltner Bäckermeister Wolfgang Hager sofort einstellen. Zu finden seien sie trotz großer Bemühungen nicht. Zwischenzeitlich habe er sogar Filialen schließen müssen, weil Arbeitskräfte fehlten. Hager: „Hier läuft etwas falsch.“ Er fordert eine engere Kooperation von Betrieben und Arbeitsmarktservice bereits bei den Schulungen.

Ähnlich wie Hager geht es Wolfgang Hummel. Der Mitarbeiter-Mangel sei längst nicht mehr auf Fachkräfte beschränkt, auch ungelernte Mitarbeiter seien kaum zu finden – ebenso wie Lehrlinge. Wirtschaftslandesrat Danninger dazu: „Wir brauchen eine gemeinsame Kraftanstrengung von allen Beteiligten – Eltern, Schule und Betrieben –, damit wir mehr junge Menschen für die Lehre begeistern. Denn die Lehre ist und bleibt ein Erfolgsmodell.“

Fitnesscenter benachteiligt

Die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie wichtig Gesundheit ist, betont Christian Dam, Chef des Fitnesscenters Injoy in Tulln. 30 Prozent der Mitglieder seien verlorengegangen, viele hätten in dieser Zeit körperlich enorm abgebaut: „Fitnesscenter sind mehr als Muckibuden, viele sind ein wesentlicher Teil der Gesundheitsvorsorge.“ Dam fordert deshalb die Einführung des „Fitnesscenters auf Krankenschein“ wie in Deutschland. Die Förderungen in der Corona-Zeit seien zwar gut und wichtig gewesen, es werde aber zumindest bis 2023 dauern, bis die Branche auf Vorkrisen-Niveau sei. Diese Sorgen teilt Danninger nur bedingt: „Ich bin zuversichtlich, dass der Fitness-Boom eins zu eins wieder zurückkehren wird.“

Sicherheit für Gastro und Kultur

Kulturbereich und Gastronomie zählen zu den am stärksten betroffenen Branchen in der Pandemie. Erich Schindlecker von E&A Public Relations fordert Planungssicherheit und Zuversicht für Kulturschaffende und Besucher. Dabei sei es wichtig, Regeln zeitgerecht zu kommunizieren. Zudem fordert Schindlecker die Verlängerung der Kurzarbeit im Kulturbereich, um Mitarbeiter auch bei begrenzter Auslastung halten zu können.

„Den Gästen ist das Thema Sicherheit ein großes Anliegen. Aus einigen Rückmeldungen wissen wir auch, dass die Gastgeber in Niederösterreich die Regeln sehr ernst nehmen“, streicht Danninger im Gespräch mit dem Klosterneuburger Gastronomen Eckhard Horstmeier hervor. Die Kontrolle der Eintrittstests sei auch für das Sicherheitsgefühl der Besucher wesentlich. Horstmeier zeigt ebenso die Herausforderungen bei der Ausbezahlung von Hilfsgeldern für neue Lokalbesitzer auf, die auf keine Vorjahresdaten zurückgreifen können.