Förderungen kommen im Industrieviertel an

Unternehmer aus dem Industrieviertel diskutierten mit Landesrat Jochen Danninger über Tests und Impfungen, über Regionalität und Investitionen.

Erstellt am 31. März 2021 | 10:26

Weil der Austausch zwischen Unternehmen und Politik in Zeiten einer Pandemie nur bedingt möglich ist, bietet der virtuelle NÖN-Wirtschafts-Stammtisch eine Plattform. Unternehmer aus dem Industrieviertel diskutierten mit Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger (ÖVP) über brisante Themen und Herausforderungen.

Testungen: Ein mangelndes Testangebot in Schwechat ortet Albert Schaller, Geschäftsführer vom Radhaus am Rathaus und Betreiber der Wirtschaftsplattform Schwechat: „Es ist unmöglich, für unsere Mitarbeiter Tests zu bekommen.“ Danninger kann diese Kritik nicht nachvollziehen: „Wir haben in NÖ wirklich ein flächendeckendes Netz von Testmöglichkeiten, das laufend ausgebaut wird.“

Lukas Schirnhofer, Geschäftsführer der Polytechnik GmbH in Weissenbach an der Triesting, fordert Änderungen hinsichtlich Testmöglichkeiten innerhalb eines Betriebes: „Wir hätten die Testkapazitäten immens in die Höhe schrauben können, wenn wir mit eigenem, ausgebildetem Personal testen hätten können.“ Diese Forderung ist für Danninger mehr als berechtigt. „Hier setzen wir uns vehement bei Gesundheitsminister Anschober ein, dass nicht nur medizinisches Personal die Tests abnehmen darf, sondern auch zum Beispiel ein Brandschutzwart eines Betriebes und auch Selbsttest müssen rasch anerkannt werden.“ Ob es in Schwechat ein spezielles Problem gibt, etwa mit „Test-Touristen“ aus Wien, will der Landesrat prüfen.

Impfung : Auch das Thema Impfen sorgte für reichlich Diskussionsstoff. Christian Prokopp, Leiter der Prokopp GmbH, wünscht sich, dass man den „Gamsbartföderalismus“ hintanstellt. Er meint damit, dass die neun Bundesländer nach neun verschiedenen Listen impfen. Danninger sieht sich „weit davon entfernt, alles zu verteidigen“, bittet jedoch zu berücksichtigen, dass es unterschiedliche Voraussetzungen gebe. So werden in NÖ viele ältere Menschen zuhause gepflegt, in Wien der überwiegende Teil in Heimen. Die Impfreihenfolge treibt auch zunehmend einen Keil zwischen Unternehmen und Politik. Manfred Reisner, Geschäftsführer der Knorr-Bremse GmbH mit 700 Mitarbeitern in Mödling: „Wir wurden im Dezember aufgerufen, uns als systemrelevanter Betrieb registrieren zu lassen. Bis dato ist aber nichts passiert. Wir fühlen uns schon ein wenig veräppelt.“

Investitionen: Positives Feedback kommt von den Unternehmern hinsichtlich der Wirtschaftshilfen. Besonders die Covid-19-Investitionsprämie in der Höhe von bis zu 14 Prozent für Projekte im Bereich Ökologisierung, Digitalisierung und Gesundheit sei sehr sinnvoll gewesen. Schirnhofer fordert eine Verlängerung der Prämie, vor allem bei Kleinprojekten und eine bessere Anpassung an diese. Denn die Liquiditätsprobleme hätten nicht große Betriebe mit hohem Investitionsvolumen, sondern die Kleinen.

Öffentliche Ausschreibungen: Ärger über öffentliche Ausschreibungen verspürt Lukas Schirnhofer. „In den meisten steht drin, dass mindestens 85 Prozent des Entscheidungskriteriums der Preis ist. Somit ist das Bestbieter-Prinzip schon wieder ad absurdum geführt.“

Offene Grenzen: Einen Appell an Landesrat Danninger hatte Manfred Reisner zum Thema Grenzen. Die Grenzschließungen zu Beginn der Pandemie haben katastrophale Auswirkungen mit sich gebracht. „Bitte machen Sie das nie wieder!“, so die Forderung. Er habe dadurch einige Kunden verloren. Danninger versteht die Sorgen, versichert aber: „Wir haben daraus gelernt, gerade für ein exportorientiertes Bundesland wie Niederösterreich sind offene Grenzen wesentlich.“

Stärkung der Region : Mehr Unterstützung für die Region in Sachen Tourismus und Werbung wünscht sicht Michaela Gansterer-Zaminer vom Hotelrestaurant und Gasthof „Zum goldenen Anker“ in Hainburg. Auch Peter Prandstätter mit seinem Dekostadl in Pernitz sieht sich oftmals nicht unterstützt von der Lokalpolitik. „Gerade in der Gemeinde sollte Parteipolitik keine Rolle spielen.“ Dass der Tourismus stark unter den Maßnahmen leidet, bestätigt auch Gert Zaunbauer von der Putz & Stingl Event GmbH in Mödling.

Mehr Beachtung heimischer Produkte erhofft sich Manfred Reisner: „Die Regierung hat viel geworben. Aber die Werbung ‚Leute kauft’s in Österreich‘ ist ein wenig zu kurz gekommen.“