Unternehmer diskutierten über Arbeitermangel & Öffnung. Mostviertler Unternehmer diskutierten mit Landesrat Jochen Danninger über fehlende Arbeitskräfte trotz Arbeitslosigkeit, Öffnungsprognosen und Hilfen.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 12. Mai 2021 (08:16)
Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger und NÖN-Chefredakteur Walter Fahrnberger sprachen mit Werner Roher von der Messe Wieselburg (l. oben), Thomas Wagner von FALKEmedia in Waidhofen/Ybbs (l. unten), Karin Gruber-Rosenberger von der Donau Lodge in Ybbs, Anton Haubenberger von Haubis in Petzenkirchen, Hermann Wurzenberger vom Show Express in Purgstall und Josef Braunshofer von Berglandmilch in Aschbach-Markt (r. von oben).
NÖN, NÖN

Die Idee zum Stammtisch von Wirtschaft und Politik, vor eineinhalb Jahren geboren, geht bislang Corona-bedingt digital-hybrid über die Bühne. Unternehmer aus dem Mostviertel diskutierten zum zweiten Mal in dem NÖN-Dialogformat mit Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger (ÖVP) über ihre Anliegen und Herausforderungen.

Mangel an Arbeitskräften

Kein Corona-Verlierer ist die Lebensmittelbranche. Dazu zählt auch Berglandmilch in Aschbach-Markt. Was aber Geschäftsführer Josef Braunshofer Sorgen und Mühe bereitet, ist die Suche nach guten Technikern – und nach Arbeitskräften generell. „Ich höre immer über die Medien, dass wir so viele Arbeitslose haben. Wenn Mitarbeiter nach drei Wochen aber nicht mehr erscheinen und unauffindbar sind, dann verstehe ich das in Zeiten von hoher Arbeitslosigkeit gar nicht.“

„Wenn für Unternehmen die Mitarbeitersuche wieder Thema Nummer eins ist, sei das ein Zeichen, dass viele die Krise überstanden haben“, sagt Landesrat Jochen Danninger. „Die Diskrepanz zwischen hoher Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel ist aber auffallend“, bestätigt Danninger. Land und AMS setzen viele Mittel ein, um Menschen in den Arbeitsmarkt zu bringen.

Braunshofer ergänzt, dass es nicht nur um den Facharbeitermangel gehe, sondern auch um Kräfte für Arbeiten, die nur eine mäßige Qualifikation benötigen und jedem Arbeitslosen zumutbar seien. „Es tut ein bisschen weh, wenn man merkt, dass sich Herrschaften vom Staat unterstützen lassen. Das ist ein Missverhältnis“, sagt Braunshofer. . „Unternehmer brauchen Mitarbeiter, die sich für den Job begeistern und sich mit den Unternehmenszielen identifizieren“, sagt Danninger. Arbeit sei mehr als nur das reine Geldverdienen.

Weitere Öffnungsprognose Juli

Auf das Aufsperren freuen sich nicht nur Gastro- und Hotellerie-Unternehmen wie Karin Gruber-Rosenbergers Donau Lodge in Ybbs, sondern auch mitunter Zulieferer wie Anton Haubenberger von der Bäckerei Haubis in Petzenkirchen: „Wir freuen uns, dass es wieder losgehen kann. Auch unsere Kunden“, sagt Haubenberger. „Wir unterstützen die sanfte Öffnung, weil uns wichtig ist, dass die Leute sich sicher fühlen“, sagt Rosenberger. Einige Brautpaare haben bereits drei Mal ihre Hochzeit verschieben müssen und viele Familienfeste wurden abgesagt.

„Wann kommen die nächsten Öffnungsschritte? Wird es Erleichterungen bei Tests geben?“ Betriebe brauchen jetzt Planungssicherheit, das sei Danninger bewusst. Er könne da nichts versprechen. „Je mehr Menschen sich impfen lassen und je weniger Clusterbildungen oder Infektionen auf die Gastronomie und Hotellerie zurückzuführen sind, desto besser. Wenn alles planmäßig läuft, hat der Bund für Juli die nächsten Öffnungsschritte in Aussicht gestellt“, sagt er. Die Gästeregistrierung wird es wieder geben. Zusätzlich müssen Wirte und Hoteliers den negativen Test-, Impf- oder Genesungsnachweis eines Gastes, ob digital oder ausgedruckt, kontrollieren. „Gäste wollen sich sicher fühlen, das steht ganz oben. Ich bin überzeugt, jeder Wirt wird die Sicherheit seiner Kunden an die oberste Stelle stellen“, sagt Danninger. Man arbeite derzeit auch an einem System, damit Wohnzimmertests künftig als Eintrittstest anerkannt werden.

Veranstalter schlechter gestellt

„Wir haben überlebt, weil wir Kurzarbeit und Fixkostenzuschüsse bekommen haben“, betont Werner Roher, Geschäftsführer der Messe Wieselburg. Die angekündigte Lockerungsverordnung würde aber bedeuten, dass es heuer keine Messe mehr geben wird. „Wir sind nicht gelockert, sondern eher verschärft“, kritisiert Roher mit Blick auf die 20-Quadratmeter-Regel, die für Veranstalter weiterhin und für den Handel nicht mehr gilt. „Bei fünf anderen Punkten sind wir weit schlechter gestellt“, sagt Roher.

Eine Gleichbehandlung mit dem Handel sei „schwierig“. Das habe ihm Tourismus-Ministerin Köstinger geantwortet, sagt der Landesrat. Das Anliegen sei auch beim neuen Gesundheitsminister deponiert worden, „der bis dato noch nicht so zugänglich war“. Der Bund müsse die Unterstützung für Messeveranstalter aufrecht erhalten, sollte es im Herbst nicht losgehen können, fordert Danninger.

COFAG-Hilfen kommen nicht an

Beim Event-Unternehmen Show Express von Hermann Wurzenberger aus Purgstall sind alle Feierlichkeiten bis Ende Juni abgesagt. „Die Firmenszene liegt komplett am Bauch“, sagt er und bemängelt, dass die Corona-Hilfsgelder über dieCOFAG „extrem langsam“ ankommen. Bei Betrieben mit zwei Steuernummern habe es Probleme gegeben. „Wir haben mittlerweile einen guten Draht zur COFAG und nehmen uns gerne um Probleme an“, sagt Danninger. Er biete Unternehmern, die auf ihre COFAG-Hilfen warten, seine Hilfe an.