Unternehmer fordern weniger Bürokratie

Waldviertler Unternehmer diskutierten mit Landesrat Danninger über Öffis, Digitales, Arbeitskräfte und ein Zuviel an Bürokratie.

Erstellt am 22. Dezember 2021 | 08:00
Lesezeit: 3 Min
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Wirtschafts-Landesrat Jochen Danninger stand Katharina und Harald Aufreiter (links unten), Erich Hohl (darüber), Werner Scheidl, Julian Schuh und Stefan Schrenk (oben rechts) Rede und Antwort. Moderiert hat das Gespräch NÖN-Chefredakteur Daniel Lohninger (unten rechts).
Foto: NÖN

Die NÖN lud zum Waldviertler Wirtschaftsstammtisch mit Landesrat Jochen Danninger (ÖVP). Wegen der Corona-Lage ging der Stammtisch wieder digital-hybrid über die Bühne. „Wir haben schwierige drei Wochen hinter uns“, begrüßt Danninger die Runde mit Bezug auf den vierten Lockdown für Handel, Tourismus und Co. Aufgrund der relativ hohen Belegungszahlen in den NÖ-Kliniken wäre ein früheres Öffnen nicht möglich gewesen. Die letzten „Sperrtage“ hätten auch das prognostizierte NÖ-Wirtschaftswachstum gedämpft: Statt 4,8 werden nun 4,4 Prozent für heuer erwartet. 2022 sollen es wieder 4,8 Prozent werden und damit das stärkte Wirtschaftswachstum seit mehr als 16 Jahren.

Omikron birgt viele Unsicherheiten

Auch die dreimal infektiösere Virusvariante Omikron sorgt für Unsicherheit: Es sei noch nicht klar, ob sie mildere oder schwerere Verläufe verursache. „Es kommen weiterhin schwierige Monate auf uns zu“, glaubt Danninger. Dennoch blicke er mit Zuversicht in die Zukunft.

Mühsam ist und war Corona auch für Katharina und Harald Aufreiter von Lillis Marillengarten in Krems. „Es gab keine Planungssicherheit durch die Lockdowns. Bus- und Schiffsgruppen, Gäste aus der ganzen Welt, sind nicht gekommen“, erzählen sie. Dafür boomte der Absatz von regionalen Produkten als ihr zweites Standbein.

Bürokratie: Acht Jahre für Bewilligungsprozess

Als mühsam erwiesen sich für die Marillenbauern auch die bürokratischen Wege für eine neue 60.000 Quadratmeter große Marillenerlebniswelt auf dem Areal einer ehemaligen Sandgrube. „Fünf Seiten Auflagen für den Bergbau standen 50 Seiten zur Beseitigung des Lochs gegenüber“, sagt Harald Aufreiter. Er wünscht sich schnellere, kürzere Amtswege und weniger „Prügel zwischen die Füße werfen“-Aktionen. Im März 2023 soll die Erlebniswelt eröffnet werden. Danninger zeigt Verständnis für den Ärger, will mit der zuständigen Abteilung beim Land sprechen.

Julian Schuh von Yupitaze Fischleder in Litschau will wissen, ob es bessere Mobilitäts lösungen für Touristen vor Ort im Waldviertel geben wird. „Ein Bus muss öfter als alle drei Stunden fahren, sonst ist das aus touristischer Sicht unattraktiv“, sagt Schuh und spricht sich für eine höhere Öffi-Taktung in der Hauptsaison und eine Routenführung entlang von Wanderrouten aus. „Es gibt ein Programm für den Öffi-Ausbau“, sagt Danninger. Der neue Tourismus-Manager Peter Sigmund werde sich der Sache annehmen. In Zukunft wird ein Mix von Digitalisierung, Linienverkehr und On-Demand-Lösungen zu einem totalen Systemwandel in der Mobilität führen. „Auch mit künstlicher Intelligenz. Da werden wir Sachen erleben, die wir uns jetzt noch nicht vorstellen können“.

„Nicht mein Verständnis von Digitalisierung“

„Einreichungen beim Land NÖ achtfach auf Papier und dann noch als PDF auf USB-Stick: Das ist nicht mein Verständnis von Digitalisierung“, sagt Stefan Schrenk von der gleichnamigen Vitiser Tischlerei und dem Start-up Wood Rocks. Danninger pflichtet ihm bei. Den jüngsten Verkauf eines Teils der Wohnbaudarlehen-Forderungen des Landes NÖ an einen Investor findet Schrenk problematisch: „Das Familiensilber zu verkaufen, finde ich nicht gut.“ Danninger kontert, dass das intensiv diskutiert worden sei und die Forderungen über dem im Landtag vereinbarten Verkaufspreis gewinnbringend veräußert worden seien.

„In den nächsten zehn Jahren gehen 13.000 Personen in Pension. Wien rekrutiert Pflegekräfte im Ausland. Was macht Niederösterreich?“, fragt Geschäftsleiter Werner Scheidl von der Raiffeisenbank Region Waldviertel Mitte. Es brauche neben mehr Digitalisierung gezieltes Anwerben von Schlüsselarbeitskräften auch aus dem Ausland und eine Imagepolitur der Lehre. „Hier müssen wir die Eltern gewinnen“, so Danninger.

Sorgen bereitet Scheidl auch die Raumordnungsnovelle, die im Waldviertel sowohl Wohnbau als auch Firmenansiedlungen unter Umständen blockiert. „Ich habe null Interesse, Betriebsansiedlungen zu erschweren. Wir werden das beobachten“, sagt Danninger.

Erich Hohl von EH Kickoff in Allentsteig wünscht sich als Inhaber eines Reisebüros für Profi- und Amateurfußball-Mannschaften mit Blick auf Leogang in Salzburg Förderinstrumente vom Land NÖ, um geeignete Hotels und Trainingsmöglichkeiten aufbauen und anbieten zu können.

Außerdem müssten jetzt Mannschaften aus östlichen Ländern besonders unterstützt werden, findet Hohl. Danninger verweist auf Toni Pfeffer bei Sportland NÖ und will Ideen zu Verbesserungen gerne mitnehmen.