Waldviertler Unternehmer diskutierten mit LR Danninger. Waldviertler Unternehmer diskutierten mit Landesrat Jochen Danninger über negative Corona-Szenarien, zerstörte Holzexistenzen und Arbeitskräftemangel.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 21. April 2021 (08:59)
Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger und NÖN-Chefredakteur Daniel Lohninger (oben rechts) diskutierten mit Karl Trojan (Schremser Bier), Erwin Hauer (Hauer Gas-Wasser-Heizung-Elektro, Litschau), Johannes Zwickl (Säge- und Hobelwerk Zwickl, Schrems), Erich Longin (Holzbau Longin, Dobersberg), Doris Ploner („Die Käsemacher“, Vitis) und Michael Trcka (WEB Windenergie, Pfaffenschlag).
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Die Idee zum Stammtisch zwischen Wirtschaft und Politik, vor eineinhalb Jahren geboren, geht bislang Corona-bedingt im digitalen Raum über die Bühne. Unternehmer aus dem Waldviertel diskutierten zum zweiten Mal in dem NÖN-Format mit Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger (ÖVP) über ihre Anliegen und Herausforderungen.

Pandemie: Worst-Case-Szenario

Dritte Welle, vierter Lockdown und erneut Einschränkungen: Die Pandemie entpuppt sich als zäher als gedacht. „Was plant die Politik für den schlimmsten Fall, das Worst-Case-Szenario, wenn wir nicht Monate, sondern noch Jahre in der Corona-Spirale feststecken?“, fragt Karl Trojan, der die 600 Jahre alte Traditionsbrauerei Schremser Bier führt. Alle möglichen Szenarien mitzudenken, sei für ihn selbstverständlich: „Als Familienbetrieb in sechster Generation denken und planen wir ähnlich wie die Kirche langfristig.“

Die Negativ-Szenarien gebe es in der Politik natürlich, sagt Danninger. „Auch im Herbst wird es Infektionen und neue Mutationen geben.“ Die Zeichen stehen aber auf Aufschwung: Laut Prognosen wächst die NÖ-Wirtschaft heuer noch um 2,8 Prozent, 2022 um 4,1 Prozent. Es brauche jetzt Optimismus, um durchstarten zu können. „Der Impfstoff wird weiterentwickelt, neue Medikamente werden schwere Verläufe verhindern“, ist der Landesrat überzeugt und warnt, sich in einen „Negativstrudel“ zu reden. Mit der Impfung werde die Pandemie überwunden. „Wir stehen am Scheidepunkt – das sagen uns alle Experten.“

Zeitaufwand Schnelltests

Über 100.000 Beschäftigte werden regelmäßig in Niederösterreich in betrieblichen Teststraßen getestet. Ein enormer Zeit- und Personalaufwand für Unternehmer, der sich durch die Ausweitung der Testpflicht auf 72 Stunden für Grenzpendler aus Tschechien noch verschärft hat. „Allein in unserem Betrieb testen wir zwei Stunden pro Tag. Wir verlieren dadurch viel Arbeitszeit. Wird es Test-Erleichterungen geben?“, will Doris Ploner, Geschäftsführerin von „Die Käsemacher“ wissen.

Das Land arbeite daran, dass Nasenbohrer-Tests im Eigentest, überwacht durch geschultes Personal, auch als Eintrittstests gelten. „Von Ex-Gesundheitsminister Anschober haben wir dafür eine Abfuhr erhalten, beim neuen Minister werden wir einen erneuten Vorstoß machen.“ Ein wichtiger Schlüssel für die Wiederöffnung von Freizeitbetrieben sei definitiv deren Onlinebuchbarkeit, sagt Danninger. „So wie wir es beim Skifahren im Winter hingekriegt haben.“

Akuter (Fach-)Arbeitermangel

„Wir erleben durch den Bauboom eine Hochkonjunktur, können aber aufgrund des Facharbeitermangels nicht mehr arbeiten“, sagt Erwin Hauer, der mit seinem Installationsbetrieb in Litschau auch PV- und Biomasse-Anlagen aufbaut. Es mangle im Waldviertel akut an Lehrlingen, Facharbeitern – egal ob Elektriker, Installateure oder Techniker – und ganz generell an Arbeitskräften. „Was tut das Land, um die Wirtschaft im nördlichen Waldviertel anzukurbeln?“, fragt Hauer.

Millionen fließen in Qualifizierungsmaßnahmen. Arbeitslose bekämen Schulungen und auch Betriebe müssten natürlich Lehrstellen anbieten, sagt Danninger. „Das ist die einzige Chance, den Fachkräftemangel hinzukriegen.“ Darüber hinaus laufen Gespräche rund um eine stärkere Kooperation der Holzverarbeiteten Betriebe im Waldviertel.

Borkenkäfer zerstört Existenzen

30.000 Hektar Wald, drei Millionen Festmeter Schadholz innerhalb von drei Jahren: Damals wurde viel Käferholz zum Schleuderpreis ins Ausland verkauft. „Das war wie eine Hochwasser-Situation: Das Wasser ist abgeflossen, jetzt ist alles weg“, sagt Säge- und Hobelwerk-Betreiber Johannes Zwickl aus Schrems.

Waldviertler Forstbetriebe stehen vor dem Ruin und haben ihre Existenzgrundlage auf die nächsten 50 Jahren verloren. „Wir haben dadurch einen eklatanten Rohstoffmangel und sind auf Importe angewiesen.“ Eine Wiederaufforstung durch die Wertschöpfung von neuen Windrädern sei „überhaupt kein Problem“, sagt Michael Trcka von WEB Windenergie.

Holzbau-Pionier Erich Longin beklagt trotz Vollauslastung die akute Importabhängigkeit und die mittlerweile 30 Prozent Preissteigerung bei Holz, die nicht an den Kunden weitergereicht werden könne. Bei solchen zyklischen Schwankungen könnte die Politik die Bundesforste verpflichten, ihr Rundholz an heimische Säger und nicht hochpreisig nach Amerika oder China zu verkaufen, schlägt Longin vor.

Danninger versteht die Not, sieht die Politik bei diesen Fragen aber in keiner direkten Verantwortung: „Das ist ein Thema von Angebot und Nachfrage.“ Danninger spricht sich gegen Import- noch Exportbeschränkungen aus. „Niederösterreich ist ein Exportland, jeder vierte Arbeitsplatz hängt am Export, daher müssen wir auch in schwierigen Fragen konsistent bleiben. Da stellen sich meine marktwirtschaftlichen Haare auf. Das brächte uns im Nu massiv in eine Zwickmühle.“