„Wir haben massive Mitarbeiterprobleme“

Erstellt am 09. Februar 2022 | 10:54
Lesezeit: 4 Min
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Landesrat Jochen Danninger und NÖN-Chefredakteur Walter Fahrnberger als Moderator diskutierten mit Ingrid Pruckner, René Reinmüller, Silvia Taubinger (oben, von links), Hans Batsch (Mitte, rechts), Ernst und Karin Rosenberger, Bernd Radinger sowie Stefanie Appesbacher (unten, von links) beim NÖN-Wirtschaftsstammtisch.
 
Foto: NÖN
Sieben Mostviertler Unternehmer sprachen mit Landesrat Jochen Danninger über fehlende Mitarbeiter, das Imageproblem der Lehre und Aktionen für regionale Produkte.
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„Schenken Sie mir reinen Wein ein. Ich halte es aus“, forderte Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger (ÖVP) sieben Mostviertler Unternehmer am NÖN-Wirtschaftsstammtisch auf, sich online kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Ein Thema beschäftigt alle: der Mitarbeitermangel. „Wir haben seit dem ersten Lockdown massive Mitarbeiterprobleme“, erzählt René Reinmüller, Betreiber des Rathauskellers in Melk: „Ich kann die Dienstzeiten mit meinen Mitarbeitern nicht mehr abdecken, jetzt muss ich einen Tag zusperren“, so Reinmüller. Karin Rosenberger, Eigentümerin der Donau Lodge Ybbs, schlägt in dieselbe Kerbe: „Ich habe die Sorge, dass wir die Qualität, die die Leute von uns gewohnt sind, nicht aufrechterhalten können, weil wir einfach zu wenige Mitarbeiter haben.“

„Müssen an mehreren Stellschrauben drehen“

Danninger verwies auf eine Initiative des Tourismusministeriums, die auch das Mitarbeiterthema angehe, und betonte: „Der Mitarbeitermangel ist eine Mega-Herausforderung für die gesamte Wirtschaft. Das lässt sich leider nicht mit der einen Maßnahme beheben, wir müssen alle an vielen Stellschrauben drehen. Ich glaube, man muss auch einfach die Vorteile der Gastro-Branche wieder in den Vordergrund rücken.“ Das müsse eine gemeinsame Kraftanstrengung von allen werden.

Lehre hat noch immer ein großes Imageproblem

Nicht nur die Gastronomie, auch die Technikbranche kämpft mit dem Problem: „Es ist total schwierig für uns, Techniker zu finden“, sagt Silvia Taubinger von Ultimate Europe Transport Equipment in Amstetten. Denn man könne mit den hohen Gehältern vieler großer Betriebe nicht mithalten.

Hans Batsch, Gründer von Dynaweigh in Loosdorf, klagt, dass 60-jährige Mitarbeiter finanzielle Verluste hätten, wenn sie weiterarbeiten und nicht in Pension gehen. Danninger spricht sich für „positive Anreize aus, damit ältere Menschen länger im Erwerbsleben bleiben können“.

Auch große Konzerne rittern um jeden Lehrling, wie Stefanie Appesbacher von ZKW Lichtsysteme in Wieselburg erklärt. Von 23 Lehrstellen, die bis zum Herbst 2022 zu besetzen wären, konnte man aktuell nur fünf besetzen. Den Grund sieht sie auch in einer Höherschätzung der Matura: „Den Schülern mit halbwegs guten Noten hat man immer gesagt: Mach unbedingt die Matura. Das ist leider noch in den Köpfen der Menschen verankert“, meinte Appesbacher.

Prokurist Bernd Radinger berichtet, dass Hopferwieser & Steinmayr in Amstetten 2021 sechs Lehrlinge aufnehmen konnte. „Aber wir mussten aggressiv an die Situation herangehen, um junge Leute zu motivieren.“

Zum Imageproblem der Lehre meint Danninger, dass man verstärkt die Eltern bei dieser Entscheidung miteinbeziehen müsse: „Viele Lehrberufe sind mittlerweile deutlich zukunftsträchtiger und lukrativer als so manches Studium. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu betonen, wie wichtig die Lehre in Österreich ist.“

Wunsch nach Aktionen für regionale Produkte

Ingrid Pruckner, Eigentümerin des Schmankerlladens in Wieselburg, wünscht sich mehr Aktionen für Betriebe, die regionale Produkte verkaufen. „Die Leute sind willig in heimischen Betrieben einzukaufen, aber sie werden immer wieder von Internet-Aktionen verführt“, so Pruckner.

Landesrat Jochen Danninger meint, dass sich der Online-Shopping-Trend sicher nicht aufhalten lasse. Aber man müsse sich überlegen, regionale Produkte auch im Internet anzubieten. „Wir versuchen das bestmöglich zu unterstützen, weil wir in Europa nichts davon haben, wenn die Leute nur Produkte aus Asien bei Online-Giganten einkaufen.“