NÖN-Stammtisch mit Wirtschaftslandesrat Danninger. Mit Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger diskutierten Unternehmer aus dem Weinviertel über die S8, Teststraßen, Öffnungsschritte und Bürokratie.

Erstellt am 03. März 2021 (10:43)
Mit dabei (im Bild von links oben): Erich und Birgit Jirku (Autohaus Jirku-Aderklaa), Erik Reijnders (Autoreparatur Reijnders), Katharina Brier (Möbel Karner), Peter Mischek (LernQuadrat-Korneuburg), Marketing-Leiter Esteban Leonhard (Therme Laa), Erika Geier (Bäckerei Geier), Funda Caglar(G3 Shopping Resort Gerasdorf) und Reinhold Hofmann (Therme Laa). Moderiert wurde der vierte NÖN-Wirtschaftsstammtisch von Chefredakteur Walter Fahrnberger.
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Den Dialog zwischen Unternehmern und Politik besonders in Krisenzeiten fördern. Dafür organisierte die NÖN zum vierten Mal einen digitalen Wirtschaftsstammtisch. Diesmal diskutierten Unternehmer aus dem Weinviertel mit Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger (ÖVP) über ihre Anliegen, Sorgen und Wünsche.

Die Zukunft der S8

Der Bau der Marchfeld-Schnellstraße S8 ist für betroffene Gemeinden, Anrainer und auch viele Weinviertler Unternehmen ein Schlüsselfaktor. Katharina Brier, Geschäftsführerin von Möbel Karner in Gänserndorf, und Erika Geier von der gleichnamigen Bäckerei aus Strasshof an der Nordbahn fragen nach, wie es im Rechtsstreit um die S8 bestellt ist. „Viele Kunden kommen auch aus Wien zu uns. Auch die Ortskerne müssen gestärkt werden“, so Brier, die zudem vermehrt in den Online-Verkauf investieren wolle.

Landesrat Danninger beteuert, dass das Land NÖ zu „1.000 Prozent“ hinter dem Straßenbauprojekt stehe und alles Mögliche für das Vorhaben getan wurde. „Wir warten mittlerweile sehr ungeduldig auf die Entscheidung des Gerichts. Denn die S8 ist eine Lebensader für die ganze Region.“ Nachdem dem Projekt schon einmal das Aus gedroht hatte, weitete das Land das Vogelschutzgebiet für den Vogel Triel aus. Sollte das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gegen die S8 negativ ausfallen, müsste die Schnellstraße komplett neu geplant werden.

Der Trend zum Online-Shopping, der sich in der Krise noch mal verschärft hat, bereite dem Landesrat Sorgen, er sei aber auch eine Chance. „Unser großes Asset ist die Beratung im stationären Handel, da kann Amazon und Co nicht mithalten“, so Danninger. Viele Betriebe investieren in die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse. Das fördern ecoplus und das Land über das Programm Digi4Wirtschaft mit bis zu 53.300 Euro. 700 Betriebe hätten sich so bereits zwölf Millionen Euro abgeholt. „Die Betriebe, die sich mit Innovation und Digitalisierung auseinandersetzen, kommen leichter durch die Krise“, glaubt Danninger.

Teststraßen im Weinviertel

Funda Caglar, Geschäftsführerin des G3 Gerasdorf, will seit Wochen eine Teststraße im Shopping Center aufbauen, um ihren Kunden Testmöglichkeiten zu bieten. Caglar fragt, ob es Förderungen dafür gibt? Reinhold Hofmann von der Therme Laa in Laa an der Thaya will wissen, ob weitere Teststraßen im Weinviertel geplant sind. „Der Bund fördert in Betrieben mit mehr als 50 Mitarbeitern jeden Test mit zehn Euro“, sagt Danninger. „Wir wollen alle, dass sich möglichst viele testen lassen.“ Bis die Durchimpfungsrate steige, müsse ,„soviel es geht“, getestet werden. „Leute treffen sich trotz der Einschränkungen. Wir müssen sie wieder in die Legalität holen. Mir ist lieber, die Leute treffen sich getestet beim Wirten als ungetestet irgendwo im Hinterhof oder in der Garage“, so Danninger.

Probleme bei Wirtschaftshilfen

Erik Reijnders mit einer Autoreparatur-Werkstatt in Leitzersdorf beklagt die umständliche Antragstellung für die Covid-19- Investitionsprämie des Bundes. Für ein geplantes Bauvorhaben, das er an regionale Dienstleister gerne vergeben will, müsse er je Dienstleiter einen eigenen Antrag einbringen. „Das ist absurd und nicht unternehmerfreundlich.“ Danninger kenne die Probleme, die ihm schon etliche Unternehmen zugetragen hätten. „Es ist schade, weil die Prämie ein sinnvolles Instrument darstellt und konjunkturbelebend wirkt.“ Über drei Milliarden Euro seien bereits verteilt worden. „Das löst über 30 Milliarden Euro an Investitionen aus“, sagt Danninger. In dem Fall sei aber der Bund zuständig. Dass dies an der Bürokratie scheitert, gehe für ihn gar nicht.

Planungssicherheit und Öffnung

Es brauche Planungssicherheit und einen „guten Fahrplan“ für eine Öffnung. „Lieber erst zu Ostern öffnen als ein Reinlaufen in den nächsten Lockdown“, meint Hofmann. Danninger betont, dass die Betriebe die Hygiene-Bestimmungen sehr ernst nehmen. In dieser Woche sollen Öffnungsschritte im Bund und Land konkretisiert werden. Es gelte jetzt, den Impfplan abzuarbeiten und nicht nur an den Infektionszahlen haften zu bleiben; entscheidend sei die Lage in den Spitälern. „Die Behandlungsmethoden haben sich geändert, Testmöglichkeiten wurden massiv ausgebaut. Dennoch ist die Lage nicht absehbar.“