Schule des Zuhörens. Wer zuhört, schafft sich seine eigene Welt und ist konzentriert: Das lehrt Folke Tegetthoff in der „Schule des Zuhörens“.

Erstellt am 28. März 2011 (08:17)
VON SANDRA SAGMEISTER

Es ist eine fabelhafte Schule, die des Folke Tegetthoff, der in einem Monat mit seiner „Schule des Zuhörens“ 50 Schulen in Niederösterreich besucht. Vorigen Freitag machte er Station in Baden und faszinierte die Schüler der Neuen Mittelschule und des Gymnasiums Frauengasse mit seinen fabelhaften Geschichten. Er beherrscht die Kunst des Erzählens und bannt die Schüler für gut 90 Minuten. Kein Gemurmel, kein Gequatsche, kein Unkonzentriertsein – die Schüler lauschen seiner Geschichte.

„Wer zuhört, ist konzentriert, schafft sich seine eigenen Bilder“, weiß Tegetthoff, für den die Kombination von Erzählen und Zuhören eine äußerst wichtige und kreative Tätigkeit ist: „Ihr seid die Wichtigsten in diesem Spiel“, sagt er, denn nicht der, der was zu sagen hat, ist zwangsläufig der Wichtigste – auch, wenn das in unserer Welt immer so propagiert werde. In Wahrheit ist der, der zuhören kann, der Wichtige, nur „meist meint man, wenn man sagt, dass einer gut zuhören kann, dass er ruhig ist und nichts zu sagen hat“. Aber das stimme so nicht, denn die Kunst des Zuhörens ist die wahre Kunst und gehört mehr geschätzt und gepflegt. 3 bis 5 Minuten braucht Tegetthoff, bis er die volle Aufmerksamkeit aller Schüler hat, deshalb spricht er zu Beginn nur über belanglose Dinge. Aber dann steigt die Spannung, und die Schüler sind voll bei ihm. Das Entscheidende beim Erzählen: „Das Gegenüber im Auge zu behalten“, verrät Tegetthoff, um zu sehen, ob derjenige auch noch zuhört.

Und noch einen Tipp hat der Erzähl-Meister für seine Zuhörer: „Wer mit offenem Herzen und Auge durch die Welt geht, wird nur auf Menschen treffen, die ebenfalls mit offenem Herzen und Auge sehen.“