NÖN-Stammtisch mit Wirtschaftslandesrat Danninger. Mit Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger diskutierten Unternehmer aus dem Zentralraum über Lockerungen, Wertschätzung, Bürokratie und das Billigstbieter-Prinzip.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 22. Februar 2021 (11:54)
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Den Dialog zwischen Unternehmern und Politik besonders in Krisenzeiten fördern. Dafür organisierte die NÖN zum dritten Mal einen digitalen Wirtschaftsstammtisch. Diesmal diskutierten Unternehmer aus dem Zentralraum mit Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger (ÖVP) über ihre Anliegen, Sorgen und Wünsche. Mit dabei (im Bild von links oben): Monika Landsiedl (actual-berger), Michael Wammerl (Heimdall Alarmsysteme), Wolfgang Ziegler (Happyland Klosterneuburg), Wolfgang Stix (Styx Naturcosmetik), Hans-Peter Obermayr (Star Movie Tulln), Georg Loichtl (Flieger Gastro) und Dominik Mesner (Vermessung Schubert; im Bild rechts unten). Moderiert wurde der dritte NÖN-Wirtschaftsstammtisch von Chefredakteur Daniel Lohninger.

Impfung als Gamechanger

Die Pandemie werde uns noch Wochen und Monate begleiten und verlange der Wirtschaft in Niederösterreich leider einen sehr langen Atem ab, sagt Landesrat Danninger zu Beginn des Austausches. Die Lockerungen und Öffnung des Handels, der körpernahen Dienstleister und der Schulen seien zwar ein wichtiges Signal, aber letztendlich sei die Impfung der breiten Masse der „Gamechanger“. Bis dahin müssten die wirtschaftlichen Corona-Folgen mit Geld von Bund und Land möglichst gebremst werden. So werde die drei Milliarden Euro hohe Investitionsprämie des Bundes sehr stark nachgefragt, betont Danninger: „Ich habe mit vielen tollen Unternehmern gesprochen, die diese Zeit nutzen, um sich neu aufzustellen, um zu digitalisieren und um Innovationen voranzutreiben.“ Er sei daher zuversichtlich, dass der Wirtschaftsstandort Niederösterreich sogar gestärkt aus der schweren Wirtschaftskrise hervorgehe: „Wir haben das Ziel, dass viele Unternehmen digitaler und innovativer aus dieser Krise herauskommen, als sie hineingegangen sind.“

Rolle des Zentralraums

Die Wirtschaftshilfen kommen bei ihm an – „danke dafür“, streicht Dominik Mesner, Chef des größten Vermessungsbüros Österreichs in St. Pölten, hervor. Ihm ist wichtig, dass das Land die Landeshauptstadt-Region stärkt. „Folgt die Wirtschaft der Kultur, sprich wird der Zentralraum in der Wirtschaftsstrategie des Landes eine noch größere Rolle spielen?“ Danninger sieht enormes Potenzial im Zentralraum für weitere Betriebsansiedlungen und für Firmenerweiterungen – „nicht nur wegen der A1-Nähe. Das müssen wir unbedingt nutzen. Potenzialanalysen von ecoplus haben das unterstrichen.“ Ein Technopol-Standort in St. Pölten sei zwar nicht geplant, die Förderung eines Branchen-Schwerpunktes sei hingegen möglich.

Sportarten und Öffnungsschritte

Wolfgang Ziegler von Happyland will weiter öffnen. „Wir haben letztes Jahr 40 Prozent Umsatzeinbußen gehabt. Das war sehr hart. Sehen Sie die Möglichkeit für Öffnungsschritte bei einzelnen Sportarten wie Tennis?“ Danninger verweist auf die derzeit inaktive Corona-Ampel. Diese Ampel und eine regionale Differenzierung nach Corona-Inzidenz würde, gerade was den Sport anbelangt, Sinn machen. Da die Auswirkungen der Öffnungsschritte erst in etwa 14 Tagen feststehen, müsse man „sehr behutsam“ vorgehen. Eintrittstests seien auf Sicht die einzige Chance, gewisse Sportarten wieder ermöglichen zu können.

Kritik: Billigst- statt Bestbieter

Monika Landsiedl vom Kunststofffenster-Hersteller actual-berger mit rund 30 Mitarbeitern hat das Gefühl, dass „kleine Gewerbebetriebe und Familienunternehmen nicht so richtig ernst genommen werden. Die Wirtschaftskammer richtet sich sehr nach den Großen.“ Landsiedl ortet bei Vergaben von öffentlicher Hand einen Fokus auf dem Billigstbieter-Prinzip, obwohl seit Jahren Nachhaltigkeit und Bestbieter-Prinzip propagiert werden. Für Danninger sind KMU das „Herzstück und Rückgrat unserer Wirtschaft“ und der Grund, warum Niederösterreich relativ gut durch die Krise kommt. „Gerade Familienunternehmen gehen nicht auf den kurzfristigen Profit, sondern denken in Generationen. Das ist etwas Wertvolles.“ In der ecoplus-Wirtschaftsagentur würden Ausschreibungen nach dem Bestbieter-Prinzip erfolgen, versichert Danninger. Denn es sei wichtig, die Stärkung des Wirtschaftsstandortes und heimischer Arbeitsplätze zu berücksichtigen. Danninger geht davon aus, dass das Bestbieter-Prinzip das übliche Modell ist. Er versichert aber, konkreten Billigst-Bieter-Entscheidungen nachzugehen.

DSGVO und Co.: Bürokratie

Seit Jahren steckt Landsiedl „extrem viel“ Zeit in Themen wie DSGVO, Registrierkassa, Qualitätssiegel und Prüfungen. Das sei für Kleinere viel schwieriger umzusetzen als für Große und „fresse Ressourcen“. Danninger zeigt Verständnis dafür: „Die EU-Kommission hat bei der Datenschutzgrundverordnung übers Ziel hinausgeschossen und den Betrieben große bürokratische Belastungen auferlegt, während in den USA und Asien der Datenschutz einen deutlich geringeren Stellenwert hat. Da ist oft der Nutzen für den Konsumenten nur schwer erkennbar, die Regeln schwächen jedenfalls unsere Betriebe im internationalen Wettbewerb.“ Danninger will sich auf europäischer Ebene für einen Bürokratieabbau einsetzen.