Ortschef sagt nach 34 Jahren adé. Ernst Kulovits ist seit 1. Juli nicht mehr Bürgermeister von Schwarzenbach. Interimistisch übernimmt Vize Andreas Ganaus.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 02. Juli 2019 (04:36)
Straubinger
Der langjährige Bürgermeister von Schwarzenbach Ernst Kulovits zieht sich aus der Gemeindepolitik zurück. Seit 1. Juli ist er nicht mehr Ortschef, nächster Schritt ist die Übergabe der Ortspartei-Spitze.

Spätestens seit dem NÖN-Sommergespräch im Vorjahr war absehbar, dass der Schwarzenbacher Bürgermeister Ernst Kulovits die aktuelle Amtsperiode nicht beenden wird. Sein Schritt kam jetzt dennoch für viele überraschend. Seit 1. Juli ist Kulovits nicht mehr Bürgermeister. Mit 34 Jahren im Amt war er der längstdienende Ortschef im Bezirk.

„Ich wollte schon einmal aufhören. 2015 war es schon zu 90 Prozent fix“, erzählt Kulovits. Aber die Errichtung des Kanals stand an und er habe sich bereit erklärt, diese Aufgabe noch zu übernehmen. Der Kanal ist seit dem Vorjahr fertig, dann aber gab es Veränderungen beim Personal im Bürgerservice, und so wollte er noch bei der Einschulung mitwirken und alles geregelt übergeben.

„Das Bürgerservice ist gut aufgestellt. Jetzt habe ich mich entschlossen, mit 1. Juli aufzuhören“

„Das Bürgerservice ist gut aufgestellt. Jetzt habe ich mich entschlossen, mit 1. Juli aufzuhören“, erklärt Kulovits. Auch aus dem Gemeinderat scheidet er aus. Nächster Schritt sei die Übergabe der VP-Ortsparteiobmannschaft.

„Einen Rekord aufzustellen, war nie mein Ziel“, betont Kulovits. Das erste Mal ans Aufhören dachte er bereits im Jahr 2000.

„Einen Rekord aufzustellen, war nie mein Ziel“

Nach der Wahl 2005 sollte Martin Sperr übernehmen. Er bekam aber gesundheitliche Probleme und lehnte ab. „Ich beklage mich nicht, ich hätte es ja nicht machen müssen. Und es war eine interessante Zeit – verantwortungsvoll, aber schön“, fasst Kulovits zusammen.

Als Zugezogener an die Spitze der Gemeinde

Ernst Kulovits, der heuer seinen 73. Geburtstag feiert, stammt aus Laa an der Thaya und kam 1968 nach Schwarzenbach. 1985 kandidierte er auf Listenplatz vier und strebte eigentlich nicht das Amt des Bürgermeisters an. Aber schon damals gab es bei der VP einen Vorzugsstimmen-Wahlkampf, der ihn an die Spitze brachte: „Ich bin zugezogen und hatte eigentlich keine Lobby. Das Ergebnis hat mich sehr überrascht“, schmunzelt Kulovits. Gemeinsam mit seiner Gattin Erna entschied er: „Probieren wir’s“.

Trotz Gedanken ans Aufhören war der ehemalige Bürgermeister immer mit viel Engagement bei der Sache. Gute Wahlergebnisse bestätigten das noch mehr, als er sich gedacht hätte. Vor der Wahl 2015 hatte Kulovits seine Mitstreiter vorbereitet, dass ein Ergebnis von knapp 80 Prozent kaum zu wiederholen sei.

Das Gegenteil war der Fall: Die VP Schwarzenbach legte noch 5,3 Prozent zu. „Da hätte ich jede Wette verloren. Ich freue mich bis heute riesig über dieses Ergebnis. Das war wirklich ein besonderes Highlight“, hebt Kulovits hervor. Schließlich bedeute das, dass er und sein Team nicht alles falsch gemacht hätten und die Bürger Anstrengungen für die Gemeinde honorieren.

„Ohne ihre Unterstützung hätte ich es nicht so lange gemacht. Aber ich glaube, jetzt ist sie froh, dass es vorbei ist“

All die Jahre war Gattin Erna an seiner Seite. „Ohne ihre Unterstützung hätte ich es nicht so lange gemacht. Aber ich glaube, jetzt ist sie froh, dass es vorbei ist“, meint Kulovits. Jetzt möchte er mehr Zeit für Bewegung haben. In der Gemeindestube war dafür wenig Gelegenheit, und wenn doch Zeit war, habe häufig das Wetter nicht gepasst.

„Jetzt können wir spontan entscheiden, wann wir wandern oder Rad fahren“, freut sich Kulovits. Auch fürs Lesen will er mehr Zeit haben, genauso für die Enkelkinder und den Garten.

In ein Loch fallen werde er nicht, aber umstellen müsse er sich schon: „Das hat beim Übertritt in den beruflichen Ruhestand auch länger gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte“, erinnert sich der langjährige Bürgermeister. Er will aber weiterhin in der Gemeinde unterwegs sein und Kontakt mit den Bürgern halten.

Bis zum 14. Juli muss Sitzung stattfinden

Die Funktion des Bürgermeisters übernimmt interimistisch Vize Andreas Ganaus. Bis zum 14. Juli muss die nächste Gemeinderatssitzung abgehalten werden, bei der dann der künftige Bürgermeister von den Gemeinderäten gewählt wird. Auch die Nachbesetzung im Gemeindevorstand und im Gemeinderat werden dort beschlossen. Die ersten Weichen stellt die VP heute, Dienstag, bei der Fraktionssitzung.