Biber sorgt für Ärger in Ober-Grafendorf. In den Gewässern im Gemeindegebiet machen rund 40 Nager massive Probleme. Hochwasserschutz und Freizeitanlage sind besonders gefährdet. Nach Lösungen wird gesucht.

Von Bernhard Burmetler und Nadja Straubinger. Erstellt am 06. Januar 2021 (04:39)
Vom Biber beschädigte Bäume führen zu Problemen und können Menschen gefährden.
Gemeinde Ober-Grafendorf

Der Lebensraum des Bibers sind fließende und stehende Gewässer. Weil er diesen selbst gestaltet, etwa durch Bauten und Dämme, kommt er immer wieder in Konflikt mit dem Menschen. Derzeit auch in Ober-Grafendorf: Betroffen sind Grubbach, Krickelbach, die Pielach und der Ebersdorfer See. Regelmäßig beseitigen Bauhofmitarbeiter die Materialansammlung der Biber. Erst letzte Woche gab es beim Grubbach einen Einsatz. Die Anrainer beim Grubbach oder beim Krickelbach fürchten Überflutungen durch die aufgestauten Bäche.

Doch nicht immer stellt sich die Beseitigung der Bauwerke einfach dar. Viele Biberbauten sind nur über Fremdgrundstücke erreichbar. Oft wird die Zufahrt durch die Grundstückseigentümer verweigert. Dazu kommen arbeitsaufwendige und kostenintensive Flurschäden und die Gefahr durch angenagte Bäume am Areal des Ebersdorfer Sees. „Soll man erst handeln, wenn jemand von einem Baum getroffen oder gar erschlagen wurde?“, sorgt sich Amtsleiter Gottfried Berndl um haftungsrechtliche Fragen. Sämtliche Bäume auf der Insel im Ebersdorfer See seien bereits dem Biber zum Opfer gefallen. Auch Bürgermeister Rainer Handlfinger sieht die Biberpopulation als Problem: „Wir können am See nicht alle Bäume mit einem Gitter umzingeln.“

„Der Biber vermehrt sich nur solange es Nahrungsangebot und Revier zulassen.“ Martin Tschulik, Leiter der Naturschutzabteilung

Berndl führt den Grund für die massiven Probleme auf den starken Anstieg der Biberpopulation nach der Wiederansiedlung zurück – vor über 100 Jahren wurde er in Europa fast ausgerottet. Aktuellen Zählungen zufolge sind im Ober-Grafendorfer Gemeindegebiet 40 Tiere aktiv.

„Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, werden es in zwei Jahren 80 Biber sein“, vermutet Berndl. Weil der Biber keine natürlichen Feinde habe, könne er sich immer weiter vermehren. Die Sorge über eine unkontrollierte Vermehrung kann jedoch der Leiter der Naturschutzabteilung des Landes Niederösterreich Martin Tschulik entkräften: „Der Biber vermehrt sich nur solange es Nahrungsangebot und Revier zulassen.“ Eine natürliche Regulation der Population erfolge außerdem durch Hochwasserereignisse. Aktuell liegen dem Land zu den Problemen in Ober-Grafendorf noch keine Unterlagen vor. „Wir werden den Sachverhalt genau prüfen und dann eine sinnvolle Lösung und Maßnahmen finden“, heißt es von der zuständigen Abteilung.

„Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, werden es in zwei Jahren 80 Biber sein“,

Mit einem Schreiben will sich die Gemeinde nun an das Land Niederösterreich wenden. „Wir möchten gerne die Hälfte der Biber entnehmen, schließlich würde im Gemeindegebiet die Hälfte an Bibern reichen“, ist Berndl überzeugt. Er fürchtet, dass die Biber immer weiter in die Siedlungsgebiete vordringen: „Irgendwann sucht er in den Häusern nach Nahrung. Dann ist die Situation bedrohlich.“ Dass die Gemeinde den Tieren nichts Schlechtes antun will, betont hingegen der Bürgermeister, aber: „Es sollte eine gewisse Sicherheit für die Bevölkerung gegeben sein.“

Im Gespräch sind auch die Mithilfe aus der Bevölkerung und der Jägerschaft. So könnte bald auf der Gemeinde ein Formular aufliegen, mit dem man Sichtungen, Vorkommen und Schäden dokumentieren kann. Hilfreich sind auch Fotos. Damit könne man sich einen besseren Überblick verschaffen. Die Jägerschaft könnte mit Wildkameras oder Nachtsichtgeräten ebenfalls zur Datengewinnung einen Beitrag leisten. „Es ist total frustrierend. Immer wieder gibt es behördliche Auflagen und die ganze Bibersache verursacht sehr hohe Kosten“, betont Berndl.

Biber baut entlang der gesamten Pielach

Auch in anderen Gemeinden sorgte der Nager schon für Aufsehen, etwa in der Pielachtaler Sehnsucht in Hofstetten-Grünau, wo wegen ihm ein Badeverbot verhängt wurde. Das beste aus der Situation hingegen macht Johann Weiß vom Steinschaler Hof, er will etwa mit seinem Bibersteig Wissen über das Nagetier verbreiten. Infos gibt es auch bei der Wildtierinfohotline des Landes, etwa welche Maßnahmen die Biberverordnung zulässt. Präventionstipps finden sich auf der Webseite.

Umfrage beendet

  • Sollten die Biber in Ober-Grafendorf dezimiert werden?