Party trotz Corona: 22 Anzeigen in Hofstetten-Grünau. Muntere Zusammmenkünfte bei einem Getränkeautomaten und in einem Vereinslokal waren Bürger ein Dorn im Auge.

Von Gila Wohlmann und Renate Hinterndorfer. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:34)
Gemeinsam im Lockdown mit Bekannten Bier zu trinken, brachte einigen Bürgern Anzeigen ein.
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Einigen Bürgern schmeckt das Bier jetzt wohl nicht mehr so gut. Der Grund: Sie wurden angezeigt. Aber nicht, weil sie das kühle Helle genossen haben, sondern, weil bei ihnen sichtlich Hopfen und Malz verloren ist. Munter trafen sie sich zum gemeinsamen Genuss. Und das mitten im dritten Lockdown, bei streng geltender Auflage des Verbots von Treffen.

Eine anonyme Anzeige brachte den Fall ins Rollen. Die Polizei kontrollierte – und wirklich: Im Bereich des öffentlich zugänglichen Aufenthaltsraums einer Firma, wo ein Getränkeautomat aufgestellt ist, und bei einem Vereinslokal wurden jeweils mehrere Personen angetroffen und sogleich nach dem Epidemiegesetz angezeigt. „Bei einer erneuten Überprüfung am Folgetag sah die Exekutive im Außenbereich des Unternehmens wieder vier Leute, die gerade Bier konsumierten“, bestätigt Polizeisprecher Heinz Holub. Auch für sie hat der Biergenuss nun einen bitteren Beigeschmack; sie wurden der Behörde gemeldet. Insgesamt verhängte die Polizei in nur zwei Tagen in Hofstetten-Grünau insgesamt 22 Anzeigen.

Bürgermeister Arthur Rasch (VP) meint auf NÖN-Anfrage zu den Vorfällen nur kurz, „dass jeder für sich selbst verantwortlich sei.“ Und Vizeortschef Wolfang Grünbichler (VP) schließt sich dieser Ansicht an und betont aber, „dass man eben nur an die Eigenverantwortung der Bürger appellieren könne.“ Dass es im Bereich des dortigen Areals des Öfteren zu Treffen kommt, blieb im Ort nicht unbemerkt.

„Wenn sich Vereine oder Firmen bewusst über geltende Regelungen hinweg setze, haben sie die Konsequenzen zu tragen"

Kritisch, aufgrund der geltenden Corona-Maßnahmen-Verordnung, dazu äußert sich SP-Fraktionsvorsitzender Herbert Hollaus junior: „Wenn sich Vereine oder Firmen bewusst über geltende Regelungen hinweg setze, haben sie die Konsequenzen zu tragen. Ich habe kein Verständnis dafür, wenn Verantwortungsträger hier auch noch regelmäßig dabei sind. Die negative Vorbildwirkung darf nicht unterschätzt werden.“

Die NÖN hat bei der betroffenen Firma angefragt, ob man aufgrund der aktuellen Vorfälle und der geltenden Corona-Auflagen in Erwägung ziehe, den Aufenthaltsraum vorübergehend zu sperren. Der Firmenchef wollte dazu aber keine Stellung nehmen.

Auf die Frage, wie sich die Menschen generell im Bezirk an die Corona-Schutzmaßnahmen halten, antwortet Bezirkshauptmann Josef Kronister: „Bedingt.“ Die Verlängerung des Lockdown sei nicht nur auf das Virus zurückzuführen, sondern auch auf unvernünftiges Verhalten: „Einige Leute müssen sich da schon an der Nase nehmen.“

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