Pielachtaler Kulturbranche steht in den Startlöchern. Mehr Zeit für eigene Werke haben Künstler aus dem Tal. Organisatoren stehen derzeit aber noch auf der Bremse.

Von Nadja Straubinger und Gila Wohlmann. Erstellt am 24. Februar 2021 (03:00)
Auf den Kulturgenuss wie Ende 2019 bei einem Konzert aus der Reihe „Pielachtal Classic Concerts“ muss vorerst noch verzichtet werden. Komponist und Organisator Gerhard Habl (3. v. r) sowie der Obmann des Kulturnetzes Rabenstein (r.) hoffen aber auf erste Veranstaltungen im Frühjahr.
Andreas Daxböck

"Ohne Kultur wird’s still“: Diesen Slogan hatten in den vergangenen Monaten viele auf ihrem Facebook-Profil. Und es ist auch noch auflagenbedingt am Kultursektor absolute Stille im Pielachtal; ruhig wird es auch in den kommenden Monaten bleiben, so wie es aufgrund der derzeitigen Pandemie-Lage aussieht.

Kurt Wittmann, Obmann des Kulturnetzes Rabenstein, sieht derzeit keine großen Chancen, dass es noch in der ersten Jahreshälfte Konzerte, Kabaretts oder auch Vereinsfeste im Gemeinde- oder Kulturzentrum Rabenstein geben wird. Das Interesse der Künstler, nach Rabenstein zu kommen, ist aber hoch. „Es gibt zahlreiche Anfragen“, sagt Wittmann. Anmeldungen entgegenzunehmen ist aber noch zu früh: „Wir können ja nichts vorausplanen. Wir müssen jetzt einfach abwarten und flexibel sein“, meint er. Künstler bekäme man aber jetzt problemlos kurzfristig. Er hofft auf den Sommer, wo man wieder unter Einhaltung durchführbarer Auflagen mitunter Feste im Freien abhalten kann.

Streaming ersetzt nicht reales Konzerterlebnis

Auch Komponist und Organisator der Pielachtal Classic Concerts Gerhard Habl steht noch auf der Bremse. „Es ist lustig, dass alle immer von Planungssicherheit sprechen. Die gibt es nicht, es wird immer wieder alles umgestoßen.“

Vor Ostern sieht er keine Chance, eine Veranstaltung umzusetzen, es werde eher Juni. „Sobald das Aufführungsverbot gelockert wird, ein großer Teil geimpft ist, können wir vermutlich Veranstaltungen mit Tests durchführen“, hofft Habl, denn ins „Blitzblaue“ möchte er nicht planen, weil das auch Geld koste. Streamingkonzerte kann er sich nicht vorstellen. „Es geht um das gemeinsame Konzerterlebnis, das kann man online nicht bieten“, ist er überzeugt. Die Corona-Zeit habe aber auch ihr Gutes, denn es bleibe mehr Zeit zum Komponieren, zum Gestalten seiner eigenen Website und auch für das Familienleben. So verbrachten seine jüngere Tochter mit seinen beiden Enkelkindern viel Zeit im Pielachtal.

Obwohl es den Verein „Kunstbahnhof Klangen“ nicht mehr gibt, steht noch eine Veranstaltung an. „Wir konnten im Vorjahr zwar das Symposium durchführen, aber das Festival nicht mehr. Das wollen wir mit einer Finissage nachholen“ sagt Jürgen Grazzi. Sollte das nicht möglich sein, will er das Festival mit einer Kunstaktion feierlich begraben. Grazzi nutzt die Zeit zum Malen und zum Herstellen von Figuren. Auch um öffentliche Aufträge will sich der Künstler umsehen.

„Wir konnten im Vorjahr zwar das Symposium durchführen, aber das Festival nicht mehr."

Surrealist Heinz Trutschnig fehlt die Kultur in Form von Ausstellungen, Konzerten, Kabarett und mehr. „Unglaublich ist aber, dass ich sehe, wie viele Künstler und Galerien bereits ihre Existenz verlieren und versprochene Unterstützungen einfach nicht ankommen.“ Es müsse rasch etwas geändert werden, damit die Kunstschaffenden wieder eine Perspektive haben. Trutschnigs Arbeit profitiert aber auch von der Situation. Er verbringt viel Zeit mit Malen und hat viele Ideen.

„Ich habe nicht das Gefühl, dass ich Freiheit verliere, sondern ich gewinne auf künstlerischer Ebene an Freiheit dazu.“ Wunderschön findet er die vermehrten Spaziergänge, die neuen Seelentiefen die sich dabei ergeben und sich in den Werken widerspiegeln. Diese verkaufen sich auch in Zeiten wie diesen. Für seine Veranstaltung im Herbst ist er zuversichtlich. „Die Vorbereitungen laufen bereits und wir werden auch bis zur Veranstaltungseröffnung mit einer Kundgebung zum Thema Corona die Menschen zum Nachdenken bringen“, betont Trutschnig.