Region Pielachtal: Einlagern für die Kunden. Werkstoffe sind knapp und werden teurer. Baubranche-Unternehmen haben vorausschauend Material geordert.

Von Nadja Straubinger, Michael Fusko und Beate Steiner. Erstellt am 28. April 2021 (04:00)
In Kirchberg entsteht derzeit das Betreubare Wohnen. Ausgeführt wird es von der Firma Anzenberger in Kirchberg, der auch der Baustoffmangel zu schaffen macht.
Anzenberger, Anzenberger

„Die Baustoffknappheit und die damit verbundenen Preissteigerungen sind nicht nur Ergebnis der Pandemie, sie sind auch hausgemacht“, analysiert Matthias Marchart. Der Geschäftsführer von Wildburger Installationen sieht die Entwicklung in der Baubranche damit etwas anders als Innungsmeister Robert Jägersberger (siehe Seite 2): „Alle Handwerker, die es sich leisten konnten, haben gegengesteuert und Baustoffe noch zu günstigen Preisen geordert. Die großen und liquiden sind die Gewinner, die kleinen die Verlierer“, sagt Matthias Marchart.

Baumeister Harald Schrittwieser, Geschäftsführer bei Kickinger Bau in Böheimkirchen, pflichtet dem Installateur bei, dass die Probleme bei Materiallieferungen in den letzten Monaten zu einem großen Teil hausgemacht sind. „Unkontrollierte Einkäufe haben zu Engpässen geführt. Von einer Krise sind wir aber weit entfernt.“ Speziell bei Schaumstoffen, Dämmmaterial und Glasschaumgranulaten, aber auch bei Baueisen gebe es Lücken, die nach den Hamsterkäufen nur schwer zu schließen sind. Das Rohmaterial sei zwar da, aber die Hersteller kämen mit der Produktion nicht nach. Absagen von Baustellen sind für die Firma Kickinger aber kein Thema.

„Die Vorräte an Eisen und Schaumstoffen reichen bis mindestens Ende August. Wir haben von den Herstellern Lieferzusagen bis Ende des Jahres, womit jeder Auftrag von uns bearbeitet werden kann“, betont Schrittwieser.

„Fast im dreimonatigen Rhythmus werden die Preislisten angehoben.“ Christian Bacher, Anzenberger GmbH

Dass die Lage momentan sehr angespannt ist, hebt der Geschäftsführer Christian Bacher der Anzberger GmbH in Kirchberg hervor. „Begonnen hat es mit Styropor und Styrodur, mittlerweile sind Eisen, Ziegel und Kanal- sowie Wasserleitungsprodukte hinzugekommen.“ Durch die Lieferengpässe steige der Preis kontinuierlich an. „Fast im dreimonatigen Rhythmus werden die Preislisten angehoben“, sagt Bacher. Dadurch sei eine Kalkulation nicht mehr möglich. „Es stellt sich die Frage, wie lange wir die Baustellen noch aufrecht erhalten können. Wenn wir keine Baustoffe haben, werden wir früher oder später die Baustellen einstellen müssen, so wie beim Mitbewerb schon teilweise geschehen“, gibt Bacher zu bedenken. So kann nur lange vor Projektbeginn bestellt und gehofft werden, dass alles zeitgerecht eintrifft.

„Wir haben auch in den letzten Wochen unsere Lagerbestände erhöht. Dadurch kommt es aber auch zu dieser künstlichen Verknappung“, analysiert Geschäftsführer Georg Wieder von der Alfred Trepka GmbH in Ober-Grafendorf. Fast täglich kommen Mails mit Lieferverzögerungen oder Preiserhöhungen aufgrund der Verknappung bei Wieder an. „Alles, was wir verbauen, ist betroffen. Vom Bauholz über Kunststoff bis hin zum Dämmmaterial“, sagt Wieder. Die Erhöhungen müssen von den Baufirmen oft geschluckt werden. „Wir haben oft Fixpreisverträge, bei denen wir an den Baupreis gebunden sind“, erklärt Wieder. Einfacher sei es bei Verträgen, die indexiert sind, auch wenn in den Indizes nicht die vollen Preiserhöhungen abgebildet sind. „Eine Lösung wäre daher, dass man bei neuen Verträgen in die Indexierung kommt“, sagt Wieder.

„Wir haben auch in den letzten Wochen unsere Lagerbestände erhöht."

Auch der Gemeindebauhof in Frankenfels sieht sich fast täglich Preiserhöhungsinfos konfrontiert. „Wir stehen beim Feuerwehrhausbau im Finale und haben andere große Gemeindebauprojekte wie den Hochbehälterbau ohne größere Materialprobleme abgeschlossen“, so Arthur Vorderbrunner.

Bei der Wohnungsgenossenschaft Alpenland sind akut keine Vorhaben gefährdet, bestätigt Alpenland-Obmann Norbert Steiner: „Sowohl im Neubaubereich als auch bei Umbauten und Sanierungen können wir unsere laufenden Projekte derzeit wie geplant umsetzen.“ Indirekt ist die Wohnungsgenossenschaft aber sehr wohl von der Verknappung der Rohstoffe betroffen. „Die Baukosten sind in letzter Zeit rasant gestiegen.“ Die aktuelle Situation treibe die Preise weiter in die Höhe. „Wir merken das vor allem bei den eingehenden Angeboten zu unseren Bauvorhaben“, so Steiner. Als gemeinnütziger Wohnbauträger sei Alpenland verpflichtet, leistbaren und qualitätsvollen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Deshalb werde derzeit intensiv an Lösungen gearbeitet, um die Teuerung für die Kunden bestmöglich abzufedern. Die Lösungsansätze reichen von einem Tausch der Materialien bis zu einer zeitlichen Verschiebung einzelner Projekte. „Es lässt sich im Moment aber schwer einschätzen, wo und wann es dazu kommt. Das hängt von der weiteren Entwicklung des Marktes ab“, erklärt der Alpenland-Obmann.

Vom Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei Baustoffen und den daraus resultierenden Preissteigerungen sind auch Baustoffhändler betroffen. „Wir haben uns im Sinne unserer Kunden bemüht, uns schon frühzeitig bestmöglich einzudecken, und zwar mit den Produkten, bei denen sich Lieferengpässe abzeichnen“, erklärt Felix Jöchl, Juniorchef vom Baumarkt Nadlinger. Für ihn als Händler gebe es wenig Schlimmeres, als einen Kundenwunsch wegen mangelnder Verfügbarkeit nicht erfüllen zu können. „Das gilt sowohl für unsere Einzelhandelskunden als auch für unsere Gewerbekunden.“

Selbiges passiere im Baugewerbe. Auch hier decke man sich bestmöglich mit Material ein – auch zu höheren Preisen. „Weil höhere Materialkosten allemal günstiger sind als ein ungewollter Baustopp“, so Jöchl, dem die Grenzen für Großhändler, Händler und dem verarbeitenden Gewerbe bewusst sind: „Es handelt sich leider auch um ein globales Phänomen.“

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