Überfall vor 32 Jahren: Kauffrau blickt zurück. Wilhelmsburger Hilfsarbeiter hielt in Rabenstein der damaligen Kauffrau Leopoldine Reidies am 13. Jänner 1988 eine Pistole vors Gesicht. Dieser Tag bleibt ihr bis heute im Gedächtnis.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 17. Januar 2020 (05:11)
In diesem Greißler in Warth erbeutete der Hilfsarbeiter von Leopoldine Reidies (Bild) damals 3.500 Schilling (heute: 254 Euro).
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13. Jänner 1988. Fast genau 32 Jahre sind vergangen und doch weiß Leopoldine Reidies den Tag noch ganz genau. Damals wurde sie Opfer eines Überfalls. Der NÖN erzählte sie exklusiv, wie sie die Schreckensminuten in Erinnerung hat.

„Plötzlich zog er eine Pistole“

Die damals 42-Jährige führte in Warth das dortige Lebensmittelgeschäft. „Es war 9.30 Uhr vormittags und ich war alleine im Geschäft. Das weiß ich noch ganz genau“, schildert die Kirchbergerin. Plötzlich betrat ein junger Mann das Geschäft. Er verhielt sich völlig unauffällig und ließ sich ein paar Scheiben Wurst herunterschneiden“, erzählt sie.

Wie jeder andere Kunde auch marschierte er zur Kassa, um offensichtlich zu bezahlen. „Plötzlich zog er eine Pistole“, sagt sie, die damals völlig überrascht war. Und: „Er forderte Geld. Im ersten Moment war ich wie erstarrt, aber ich händigte ihm dann das Geld aus der Kassa aus.“

3.500 Schilling (heute rund 254 Euro) erbeutete der Mann. Waren nahm er nicht mit. „Er wollte mich einsperren, aber ich gab vor, keinen Schlüssel zu haben, da ich abgeholt würde“, schildert Leopoldine Reidies, wie sie den Täter an der Nase herumführte. Dann verließ er das Geschäft und ging zu seinem Auto, das er ein Stück oberhalb geparkt hatte.

Die Dame reagierte völlig richtig und notierte sich das Kennzeichen des Fluchtfahrzeugs. Im ersten Schock rief sie aber nicht die Polizei, sondern ihren Mann an. Dieser verständigte sofort die Exekutive. Mit Erfolg: Kurz darauf konnte der Täter im Zuge einer Alarmfahndung festgenommen werden.

Der Räuber, ein 25-jähriger Hilfsarbeiter aus Wilhelmsburg, wurde in das Gefangenenhaus St. Pölten überstellt. Die Frage, ob sie aufgrund des Vorfalls Kunden hinterher kritischer unter die Lupe genommen habe, verneint Reidies lächelnd: „Das hätte mich nur wahnsinnig gemacht.“ Der Vorfall bleibt ihr natürlich im Gedächtnis, „aber nicht so, dass er mich belastet“, resümiert sie.