Piealchtaler Wirte: 2G-Regel schlecht fürs Geschäft. Die Gastronomen kämpfen sich durch den Maßnahmen-Dschungel. Aber ohne Getestete würden noch mehr Gäste wegfallen.

Von Maria Prchal und Gerhard Hackner. Erstellt am 15. September 2021 (04:00)
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Impfpass und Kontaktdatenblatt, diese Dokumente gehören für Gastwirt Franz Mahrer jetzt schon genauso dazu wie die Speisekarte.
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„Zehn Prozent meiner alten Kundschaft kommen eigentlich gar nicht mehr“, erzählt Renate Heiß vom Kulturcafé St. Margarethen: „Und wenn jetzt nur mehr Geimpfte oder Getestete rein dürfen, habe ich sicher 20 bis 30 Prozent mehr Einbußen.“

Die neuen Covid-Maßnahmen wirken sich zwar noch nicht unmittelbar auf die Gastronomie aus, lediglich die Gültigkeit der Antigen-Tests schrumpft auf 24 Stunden. Darauf muss bei Kontrollen geachtet werden. Aber bei Stufe 3, nach sieben Tagen Überschreitung von 400 belegten Intensivbetten, dürfen nur noch Genesene und Geimpfte überall dorthin, wo aktuell 3G gilt. Und dieser Grenzwert könnte laut Experten schnell erreicht sein.

„Mir ist klar, wenn sich die Lage so weiter entwickelt, werden schärfere Regelungen kommen müssen.“ Franz Mahrer, Wirt in Kirchberg

„Bei 2G fallen uns die Gäste weg“, erzählt Petra Hofegger vom Voralpenhof in Frankenfels, „es kommen doch immer wieder Personen, die nur getestet sind“. Manchmal seien sie nicht einmal das. Entweder sie müssen dann gehen oder einen Antigen-Schnelltest vor Ort machen: „Aber ob das noch lange möglich ist, müssen wir schauen“, so die Wirtin. Die Gäste seien sehr kooperativ, stellt Hofegger fest. Die meisten würden schon beim Hineinkommen ihren 3G-Nachweis herzeigen. Das kann Heiß so nicht bestätigen: „Es zeigen schon einige von sich aus den Nachweis her, aber andere meinen auch ,Ich habs eh dabei.‘ Das reicht nicht.“ Das Kontrollieren beanspruche viel Zeit und Personal, betonen die Wirte unisono.

Der Kirchberger Wirt Franz Mahrer meint: „Kontrolle der 3G-Regeln und Kontaktdaten-Erfassung sind für uns Gastronomen jetzt schon zeitaufwendig und halten uns bei den anderen Arbeiten zur Gästebetreuung auf.“

Mahrer will bei jetzigen Maßnahmen bleiben

Deswegen blickt er den neuen Maßnahmen abwartend entgegen: „Die kommende Lösung ist auf den ersten Blick schon ein wenig verwirrend. Mir ist klar, wenn sich die Lage so weiter entwickelt, werden schärfere Regelungen kommen müssen.“

Lieber wäre es ihm, die jetzigen Maßnahmen aufrecht zu erhalten und den Mehraufwand für die Wirte nicht noch höher zu gestalten. Unterschiedliche Erfahrungen haben die Gastronomen bei der Personalsuche gemacht. Sogar eine Mitarbeiterin dazubekommen, hat der Voralpenhof. Das neu eröffnete „Kaffeehaus“ in Hofstetten-Grünau startet ebenfalls mit genug Personal: „Es hat mich überrascht, aber es haben sich viele gemeldet, auch Gelernte“, sagt Besitzerin Angelika Carrara-Zöchbauer. Auf der Suche sind die Betreiber des Cafés M&M, das Ende November in Ober-Grafendorf eröffnen will. Köche seien schwierig zu finden. Sollten die Maßnahmen strenger werden, wollen viele Lokalitäten auf Abhol- und teils Lieferservice setzen. Das habe sich bisher als Alternative etabliert.

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