Pielachtaler Kritik an Schul-Schließungen. Österreichs Schulen sind bis auf Weiteres geschlossen. Die Pielachtaler Direktoren sind vorbereitet, hätten sich aber lieber eine andere Lösung gewünscht.

Von Caroline Böhm. Erstellt am 18. November 2020 (04:00)
Vor der Schulschließung haben Lehrkräfte der Volksschule Ober-Grafendorf Aktivitäten, wie hier den Musikunterricht der Klasse 1B, ins Freie verlegt. Das wollen sie während der Betreuung fortsetzen.
Melanie Strasser

Am letzten Schultag hat Schulleiterin Anna Fuchs alle Hände voll zu tun. Sie hat Eltern informiert, was auf sie zukommt, und die Betreuung organisiert. Die Vor- und Sonderschulklassen der Volksschule Ober-Grafendorf haben weiterhin Präsenzunterricht, in den anderen Schulstufen werden fünf bis sieben Kinder pro Klasse betreut. „Mir ist dieses Angebot wichtig, auch um Eltern den Druck zu nehmen. Für viele ist das eine massive Herausforderung. Die sollen im Homeoffice konzentriert arbeiten und vielleicht auch noch zwei Kinder im ,Home Schooling‘ betreuen.“ Die Schulschließung habe sich an ihrer Schule niemand gewünscht. Sie hätte schulautonome Lösungen bevorzugt, etwa Schichtbetrieb und Stundenreduktion in manchen Fächern.

Auch Renate Aigelsreiter, neue Direktorin der Volks- und Mittelschule in Frankenfels , sieht die Schulschließung kritisch: „In der Schule können Kinder viel mehr mitnehmen und Lehrer können face-to-face besser auf sie eingehen.“ Beim ersten Lockdown war sie selbst Lehrerin. Damals beobachtete sie, dass einige Schüler wegen fehlender Technik und fehlender Unterstützung durch ihre Eltern benachteiligt waren. Jetzt wurden Schüler und Lehrer auf das „Distance Learning“ vorbereitet und sie hofft, dass es funktionieren wird.

Das „Distance Learning“ sei kein Problem, erzählt Andreas Dengler, Schulleiter der Neuen Mittelschule Grünau-Rabenstein . Ein Großteil seiner Lehrer habe Fortbildungen zu diesem Thema besucht. Eine schlecht ausgebildete Generation befürchtet er deswegen nicht: „Bildungslücken hat es vorher gegeben, wird es nachher geben und gibt es jetzt.“ Trotzdem hält er die Schulschließung nicht für sinnvoll: „Nicht jedes Kind hat einen Laptop und bei uns gibt es Orte, wo das Internet nicht besonders toll ist.“ Es bringe weniger Probleme, wenn die Kinder in die Schule gehen.

„Ob die Schulschließung eine gute oder schlechte Idee ist, kann ich nicht beurteilen. Dafür haben wir Experten“, sagt Emanuel Fahrngruber, Obmann des Elternvereins der Volksschule und Neuen Mittelschule in Kirchberg . Allerdings bezweifelt er, dass Eltern denselben Lerneffekt erzielen können wie Lehrpersonen. Als Elektriker wird er weiterarbeiten, seine Frau kümmert sich um die beiden Kinder. Andere Eltern hätten diese Möglichkeit nicht. Daher befürwortet er, dass Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, weiterhin in der Schule betreut werden. „Sonst würde überhaupt nichts mehr gehen.“

Umfrage beendet

  • Ist Home Schooling den Eltern auf Dauer zumutbar?