Anton Gonaus: Mit dem Zug zur Schule. Eingesperrt in der Mariazellerbahn, Sturz von der Brücke, Pfitschigogerl- Manager und Landwirtschaftsbundessieger: Viele Erlebnisse sind Anton Gonaus unvergessen.

Von Gerhard Hackner und Gila Wohlmann. Erstellt am 30. Dezember 2020 (03:11)
Anton Gonaus ist bis heute, wenn auch mittlerweile in Pension, Bauer mit Leib und Seele.
Hackner

Im Februar 1951 erblickte Anton Gonaus, Alt-Bürgermeister von Kirchberg, als Sohn der Landwirte Anton und Maria Gonaus das Licht der Welt. Das elterliche Anwesen, den Losbachhof in Schwerbachgegend an der B 39, gibt es noch heute.

Damals war der Verkehr weit weniger, die Bundesstraße noch geschottert. „Unser Mostkeller lag auf der gegenüberliegenden Seite der Straße. Ich musste immer Most holen. Beim Überqueren der Straße hat sich der Schotter in die Fußsohlen gedrückt“, erinnert er sich. Mithelfen als Kind am Hof war für ihn selbstverständlich. Schafe holen, Körndl schneiden, Getreideernte einholen oder diverse Stallarbeiten zählten da dazu.

„Unser Mostkeller lag auf der gegenüberliegenden Seite der Straße. Ich musste immer Most holen. Beim Überqueren der Straße hat sich der Schotter in die Fußsohlen gedrückt“ 

Die Volks- und Hauptschule besuchte er in Kirchberg; die Anreise mit der Mariazellerbahn erfolgte vom Bahnhof Loich/Dobersnigg, der nur 900 Meter vom Bauernhof entfernt ist. „Wenn wir zum Zug gegangen sind, haben wir die vollen Milchkannen für unsere Milchkundschaften nach Dobersnigg mitgetragen. Am Nachhauseweg nahmen wir die leeren Kannen wieder mit“, erzählt er.

Eine Zugfahrt ist ihm unvergessen. Taferlklassler Anton absolvierte seine ersten Fahrten auf der Mariazellerbahn, wo er auf sich allein gestellt war. „Nach der Einfahrt in den Bahnhof Loich konnte ich den schweren Eisenriegel an der Zugtür nicht öffnen. Ich war verzweifelt. Mir sind die Tränen gekommen. Im letzten Moment vor der Abfahrt hat mich der Schaffner gesehen. Ich war gerettet.“ Die Wartezeit an den Bahnhöfen verkürzten sich die Kinder mit „Pfitschigogerln“, ein Kinderspiel damaliger Zeit mit Münzen, ähnlich dem heutigen Tischfußball. Gonaus: „Die Schultasche wurde umgedreht und schon ging das Spiel los.“ In der zweiten und dritten Hauptschule wurde sogar eine „Pfitschigogerl“-Meisterschaft organisiert. „Ich war der Manager und Josef Braunsteiner der Obmann der Liga.“

Anton Gonaus als 7-jähriger Bub mit seiner Schwester Gertrude (5) auf der damals geschotterten B 39 in Schwerbach beim Milchaustragen.
Gonaus

Prägend für Gonaus war seine Tätigkeit bei der Landjugend. Mit 17 Jahren wurde er Sprengelleiter-Stellvertreter in Kirchberg, mit 20 Jahren Bezirksobmann des Landjugend-Bezirks Kirchberg. Bei einer Bewertung wurde die Landjugend unter ihm zur Besten in Niederösterreich aufgrund der Anzahl der Mitglieder und der Fülle an Projekten gekürt. „Da war ich schon sehr stolz“, sagt er. Mit 20 Jahren wurde er auch beim landwirtschaftlichen Berufsbewerb Bundessieger und durfte an der Europameisterschaft teilnehmen.

Ein Lieblingsplatzerl von Gonaus bis heute ist die hölzerne Brücke, die neben dem Bauernhof über die Pielach führt, auch wenn er damit ein gefährliches Ereignis verbindet: Mit vier Jahren spielte er am Holzgeländer, rutschte aus und stürzte vier Meter in die Tiefe. Er hatte Glück. Er landete nicht auf dem spitzen Stein im Wasser, sondern daneben und blieb unversehrt. „Später habe ich zu meinen Kindern gesagt; und jetzt warne ich immer meine Enkelkinder: „Bitte passt auf dieser Brücke auf!“