Josef Enne: Der Schulweg in Kirchberg war ein Abenteuer. Josef Enne (65) vom Thalhof gab der NÖN Einblicke, wie das Leben eines „Bauernbua“ in Kirchberg Anfang der Sechziger war. Heute ist er Bauer aus Leidenschaft.

Von Gerhard Hackner und Gila Wohlmann. Erstellt am 07. Oktober 2020 (03:29)
Josef Ennewollte von Kindheit an Landwirt werden. Noch heute hilft er am Hof unermüdlich mit.
Hackner

Josef Enne hatte eine glückliche Kindheit am Thalhof. Dass er aber in der Landwirtschaft, auch an Schultagen, fleißig mithelfen musste, war für ihn selbstverständlich.
Enne

Die NÖN gibt ab dieser Woche Einblick in die Kindheit der Pielachtaler. Den Auftakt zur neuen Serie macht der Kirchberger Landwirt Josef Enne.

Der 65-Jährige, heute in Pension, wuchs am Thalhof auf. Dieser liegt auf rund 640 Meter Seehöhe. Gerne erinnert er sich an seine Kindheit zurück. Der Schulweg, ein Karrenweg, der ihn über Wiesen und Felder auf den Ramsaukogel und in den Schleichgraben führte, nahm rund eine Stunde in Anspruch. „Manchmal auch länger, wenn ich mit meinen Freunden im Wald herumgegeistert bin“, schmunzelt er. Am Schulweg trafen sich mehrere Kinder der umliegenden Bauernhöfe, auch seine Geschwister waren oft dabei. Die Ältesten gingen voraus. „Im Winter war es in der Früh noch finster und es gab oft große Schneeverwehungen. Wir mussten teilweise am Bauch über die Schneehaufen robben“, erzählt er, dass er so ein gutes Immunsystem aufgebaut habe. Die Rodel war dann beliebtes Gefährt.

„Ich gehe sicher nicht zur Schule. Ich werde sowieso ein Bauer.“ Josef Enne als Kind zu seiner Mutter

Dass er einmal Landwirt wird, war für ihn klar. „Ich gehe sicher nicht zur Schule. Ich werde sowieso ein Bauer.“ Das sagte er zu seiner Mutter im Volksschulalter. „Erspart geblieben, ist mir der Schulbesuch aber nicht“, lacht er.

Die Eltern wurden respektiert, ohne Wenn und Aber. „Da wurde nicht viel herumdiskutiert, wenn etwas nicht gepasst hat. Es war eben so und wir haben es akzeptiert.“ Auch beim Essen, wenn es nicht die Leibspeise war. „Dann wurde uns die Mahlzeit eben am Abend noch einmal hingestellt“, sagt er. So wie Beuschel. Das mag Enne bis heute nicht.

Am Hof mitzuhelfen, war für Bauernkinder von einst keine Frage der Lust und Laune. Es war kein Muss, aber selbstverständlich. Zur Erntezeit halfen die Kinder ab 6 Uhr morgens mit. Dann war keine Pause angesagt. Das Werkzeug wurde zur Seite gelegt, mit dem Schulranzen getauscht. Und ab in die Schule!

Mit dem Ochsengespann ging es auch immer wieder in den Ort, um das selbst angebaute Getreide mahlen zu lassen. „Heute wird in Kirchberg kaum noch Getreide angebaut“, weiß er.

Am elterlichen Hof gab es Milchkühe, Schweine, Schafe und Hühner, in erster Linie für den Eigenbedarf. Dienstleistungen wie Handwerkertätigkeiten wurden oft in Naturalien bezahlt. „Da gab es dann ein halbes Schwein für den Helfer“, berichtet Enne.

Als jüngstes Kind bekam er meist die Sachen der größeren Geschwister. Ein persönliches Weihnachtsgeschenk wie neue Schuhe war etwas Besonderes. „Lass‘ meine Schuhe, die hab‘ ich vom Christkinderl bekommen!“, sind Sätze, die ihm noch heute im Gedächtnis sind. Am Thalhof hat es Tradition, Zwetschken und Birnen zu dörren. Auch hier unterstützte Enne seine Eltern und hat so dieses Handwerk gelernt. Das alte Dörrhaus gibt es noch immer. Enne ist auch Spezialist für Schnapsbrennen. Schon als kleiner Bub hat er auch hier mitgeholfen, „Aber nicht getrunken“, wie er betont.

Am Thalhof war es üblich, dass vor dem Essen gebetet wurde. „Das ist auch heute noch so“, betont Enne, dass man Gott dankbar sein soll.

Die Jugendzeit in den Sechzigern fand Enne im Pielachtal toll. „Mit den Mopeds war man auf Tour oder ging auch mal ins Wirtshaus. Man war gemeinsam unterwegs“, lässt er die Zeit Revue passieren. Ein Unterschied zur „Social-Media-Kultur“ von heute. „Wenn man eine Freundin hatte, hat man das lange geheim gehalten“, schmunzelt er.

Apropos „Social Media“: Internet hat Josef Enne am Thalhof bis heute nicht.