Ober-Grafendorfer sorgt für Erinnerungen ans Sternenbaby

Erstellt am 17. August 2022 | 05:08
Lesezeit: 3 Min
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Damit die Sternenkinder nicht nur in Windeln eingewickelt fotografiert werden, spendet beispielsweise der Verein Pusteblume von Simone Strobl Kleidung und Seelentröster an Sternenkindfotografen, die sie dann den Eltern überlassen.
Foto: Jürgen Durl
Das erste und das letzte Bild von ihrem Kind schenkt der Ober-Grafendorfer Fotograf Jürgen Durl den Eltern.
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Als wir Jürgen Durl zum ersten Mal anrufen, ist er gerade in der ersten von zwei Zwölf-Stunden-Schichten im Krankenhaus. Er verspricht zurückzurufen, damit wir mit ihm über seinen 30. Einsatz als Sternenkind-Fotograf reden können.

Als er sich dann meldet, ist es Samstagmittag, die meisten sind längst im langen Wochenende. Aber nicht Durl, er sitzt im Auto nach Linz. Ein Kind ist verstorben, er wird es fotografieren. Auf eigene Kosten fährt er hin, um der trauerenden Familie Erinnerungen an ihr Sternenkind zu schenken.

„Meistens wissen die Eltern nicht, dass das Kind nicht lebend zur Welt kommen wird. Oder es verstirbt kurz nach der Geburt.“

„Es gibt eine Plattform für Sternenkindfotografen in Deutschland und Österreich. Gut 650 sind dabei“, erzählt der Fotograf. Die Stiftung wurde 2013 von Kai Gebel ins Leben gerufen. Damals wäre das Tabu um Sternenkinder noch viel größer gewesen, meint Durl.

Mittlerweile würde ihm das Klinikpersonal fast schon um den Hals fallen, wenn er kommt. „Meistens wissen die Eltern nicht, dass das Kind nicht lebend zur Welt kommen wird. Oder es verstirbt kurz nach der Geburt.“

In dieser Situation bricht so viel auf sie herein, wer soll da noch daran denken, einen Fotografen zu rufen. Zum Glück haben sich die Dienste der Sternenkind-Fotografen schon in den Kliniken herumgesprochen und sie informieren die Eltern. „Aber es gibt immer noch Ärzte, die das nicht verstehen, die fragen, wozu es das braucht.“

„Manche fragen mich, ob ich verrückt bin“

Durl bekommt den Alarm wie seine ungefähr 30 Kolleginnen und Kollegen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland aufs Handy. Dort machen sie sich aus, wer den Einsatz übernimmt. „Viele fragen mich, ob ich verrückt bin, wenn ich das umsonst mache. Aber was ich von den Eltern an Dankbarkeit zurückbekomme, das ist nicht zu bezahlen.“ Denn Durl schenkt ihnen die ersten und die einzigen Fotos ihrer Kinder. „Es geht darum, den Eltern etwas von ihrem Kind zu geben. Eine Erinnerung.“

Die Hinterbliebenen haben auf unbegrenzte Zeit Zugriff auf die Fotos, denn „es ist auch schon vorgekommen, dass es jemand erst nach fünf Jahren übers Herz gebracht hat, die Bilder herunterzuladen.“ Eine Familie verbrannte die Ausdrucke, ihre Art der Bestattung und des Abschiednehmens.

Bei den Fotos selbst konzentrieren sich die Fotografen auf Details, die kleinen Füße, Köpfchen, Hände. Genauso werden Aufnahmen mit den Eltern gemacht. Kleidung für die Eltern spendet etwa der Verein Pusteblume. „Das sind dann zum Beispiel ganz kleine Sachen für Babys in der 15. Woche“. 

Bei seinem ersten Einsatz ist Durl für eine Kollegin eingesprungen. Davor hatte er schon länger mit dem Gedanken gespielt, als Sternenkind-Fotograf aktiv zu werden. „Als ich dann nach Hause gekommen bin, habe ich mich sofort vor den Computer gesetzt und registriert.“

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