Leichtes Bevölkerungswachstum im Pielachtal. Wenige Reserven bei Bauland, zum Teil Probleme mit Anlegern und größeres Interesse durch Corona.

Von Gerhard Hackner, Gila Wohlmann und Nadja Straubinger. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:27)
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Die Landflucht ist seit vielen Jahren ein Thema, mit Corona habe jedoch eine Stadtflucht eingesetzt, heißt es von Experten. Die NÖN hat sich angesehen, wie sich die Einwohnerzahl in den letzten zehn Jahren entwickelt hat. Den größten Zuwachs verzeichnete Weinburg und auch die drei Gemeinden im Mittleren Pielachtal — Hofstetten-Grünau, Rabenstein und Kirchberg — legten weiter zu. Ober-Grafendorf, St. Margarethen, Loich und Schwarzenbach blieben auf ähnlichem Niveau; aufgrund der geringen Einwohnerzahl kommt es in Loich und Schwarzenbach jedoch zu einem prozentuell höheren Verlust. Frankenfels verlor 127 Einwohner und damit die meisten im Pielachtal.

Ober-Grafendorf: „Unser Ziel ist es, langfristig 5.000 Einwohner zu haben“, sagt Bürgermeister Rainer Handlfinger. Er bemerkt Wegzüge aus den Katastralgemeinden. Handlfinger führt das auf den starken Wohnbau in St. Pölten zurück. „Je weniger man bieten kann, umso weniger wollen bleiben, wenn etwa die Anbindung an den öffentlichen Verkehr nicht passt oder die Internetgeschwindigkeit nicht ausreicht“, weiß er. Im Rahmen der Zentrumsentwicklung entstehen 32 Wohnungen, außerdem werden 160 Wohneinheiten in Ebersdorf gebaut. In der Gemeinde liegen weitere 90 Grundstücke ungenützt, als Wertanlage.

St. Margarethen: „Wir haben keine Baulandreserven, weil niemand sein Grundstück verkauft“, bedauert Bürgermeisterin Brigitte Thallauer. Die erst vor wenigen Jahren aufgeschlossenen Baugrundstücke nach dem Kauf des Grundes von der Diözese wurden mit Bauzwang vergeben. Dort werden 17 neue Häuser entstehen. „Der Bedarf nach weiteren Bauflächen ist da, es gibt immer wieder Anfragen“, so Thallauer. Die Anzahl der Zweitwohnsitzer sei durch Corona gestiegen.

Weinburg: „Wir haben uns in den letzten Jahren besonders auf die Jungfamilien gestürzt“, betont Bürgermeister Peter Kalteis. Die Kinderbetreuung sei verbessert worden, leistbarer Wohnraum wurde geschaffen und einiges für die Freizeitgestaltung im Ort gemacht. Zwei kleinere Wohnprojekte sind derzeit noch in Planung. Ziel ist es in Weinburg, die Infrastruktur zu erhalten und nicht zu überlasten. „Wir müssen den Babyboom abwarten und dann neu aufschließen“, weiß Kalteis.

Hofstetten-Grünau: „Ich sehe die Einwohnerentwicklung sehr positiv, betont Bürgermeister Arthur Rasch, der sich im Speckgürtel von St. Pölten sieht. Es sei schon Land, aber doch noch in einer guten Nähe zur Stadt. Außerdem passe der Mix in Hofstetten-Grünau: Ärzte, Bildungseinrichtungen und Geschäfte. Für die Zukunft wünscht sich Rasch ein gemäßigtes Wachstum. Als sinnvoll würde er eine Wohnraumverdichtung ansehen. Einige Parzellen sind frei und werden nur als Wertanlage genutzt. In Hofstetten-Grünau wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Nebenwohnsitzer aus. Viele, die sonst nur im Sommer da sind, bleiben derzeit in der Gemeinde.

„Ich sehe die Einwohnerentwicklung sehr positiv"

Rabenstein: „2019 hatten wir einen Höchststand mit 2.566 Einwohnern; derzeit sind es wieder etwas weniger, je nachdem wie viele Todesfälle es gibt“, erklärt Bürgermeister Kurt Wittmann. Die Nebenwohnsitzer haben zugenommen. Das Wachstum führt er auf das steigende Angebot am Wohnungsmarkt zurück, „außerdem merke man, dass junge Familien gerne wieder aufs Land ziehen, sobald sie Kinder haben“. Seit Corona gab es vermehrt Anfragen zum Kauf von Wohnungen und Häusern. Anleger blockieren indes die Bebauung von aufgeschlossenen Flächen.

Kirchberg: „Es gab bei den Einwohnerzahlen eine leichte und kontinuierliche Aufwärtsentwicklung bei den Haupt- und Zweitwohnsitzen“, weiß Bürgermeister Franz Singer. Es sei gelungen, den sozialen Wohnbau zu forcieren und neue Baugründe aufzuschließen. „Geachtet wurde auf eine bodensparende Bauweise wie kleinere Bauparzellen, großvolumigen Wohnbau, mehr Reihenhausanlagen, eine verdichtete Bauweise und das Schließen von Baulandlücken“, so Singer.

Loich: Die relativ stabile Einwohnerzahl führt Loichs Bürgermeister Anton Grubner darauf zurück, dass nur kaum neues Bauland vermarktet wurde. Die Erschließung der Kirchensiedlung mit 17 Bauparzellen hat 2015 begonnen. Noch nicht alle davon sind bebaut. Für die Auslastung von Schule, Kindergarten und Einkaufsmarkt wünscht sich Grubner ein leichtes Wachstum. „Seit Corona merken aber wir eine größere Nachfrage bei den Baugründen“, sagt Grubner. Derzeit gibt es fünf freie Bauparzellen.

„Seit Corona merken aber wir eine größere Nachfrage bei den Baugründen“

Schwarzenbach: „Die Einwohnerzahlen bei uns sind gleichbleibend“, sagt Bürgermeister Andreas Ganaus. Wachstum gebe es durch den Ankauf von Immobilien, Rückgang durch Todesfälle. Für die Zukunft wünscht sich Ganaus ein leichtes Wachstum. „Durch Corona, verspüren wir einen leichten Anstieg von Zweitwohnsitzern, da sich einige bei ihren Eltern anmelden“, so Ganaus.

Frankenfels: Den leichten Rückgang der Bevölkerung führt Bürgermeister Heinrich Putzenlechner darauf zurück, dass es keine qualitativen Arbeitsplätze für höher ausgebildete Bewohner im Ort gebe: „Junge Menschen wohnen lieber in der Nähe des Arbeitsplatzes.“ Künftig will Frankenfels als Wohngemeinde stärker auftreten und das Kleingewerbe fördern.