Pielachtal: Regen als Fluch und Segen. Land- und Forstwirte begrüßen Regenfälle nach langer Trockenheit, der Starkregen war jedoch zu viel des Guten.

Von Gila Wohlmann, Gerhard Hackner und Birgit Kindler. Erstellt am 01. Juli 2020 (03:43)
Ob als Grünfutter, Silage oder Heu verfüttert: Ein ordentliches Wiesenwachstum ist am Milchbetrieb der Familie Braunsteiner essenziell. Im Bild, v. l.: Anna, Maria, Elisa und Christina Braunsteiner.
Braunsteiner

Milder Winter. Lang anhaltende Trockenheit im Frühjahr und zuletzt der Starkregen: Es ist ein ständiges Zittern der Landwirte, die von der Feld- und Forstwirtschaft leben oder auch aus dem Ernteertrag Vieh versorgen müssen.

„Der Starkregen hat vor allem kleinregional Schäden angerichtet, so auch in Wimpassing und Sierning“, führt Bezirksbauernkammer-Obmann Anton Kaiblinger aus. Eine Betroffene ist Doris Schmidl aus St. Margarethen. Neben ihrer Polit-Tätigkeit als VP-Landtagsabgeordnete führt sie einen Schweinezuchtbetrieb. Für ihr Vieh benötigt sie Getreide als Futter. „Die Wiesen entlang der Sierning wurden an einigen Stellen überflutet“, erzählt sie. Sie hofft aber, dass der Winterweizen, der im Frühjahr unter der Trockenheit litt, den Starkregen gut überstanden hat. Wenn Getreide durch zu hohe Feuchtigkeit verpilzt, kann das zu gesundheitlichen Folgen für das Vieh führen. „Das reicht von Fruchtbarkeitsproblemen bei Schweinen bis hin zu Verdauungs- und Gelenkproblemen bei Rindern“, erklärt sie. Die Wintergerste hätte das Wetter gut verkraftet, auch Soja entwickelt sich bislang erfreulich.

„Die Wiesen entlang der Sierning wurden an einigen Stellen überflutet“

Glücklich über den Regen für das Wachstum der Wiesen nach der Trockenheit zeigt man sich am Milchbetrieb der Familie Braunsteiner in Rabenstein. Der Starkregen war jedoch zu viel des Guten. „Auf unserem Grund neben der Pielach kam es durch das Hochwasser zu Verunreinigungen durch Erde. Das wirkt sich negativ auf die Futterqualität aus“, weiß Gebietsbäuerin Maria Braunsteiner. Und: „Wiesen in Hanglage waren zu rutschig, um sie zu bewirtschaften.“ Wenn zu spät gemäht wird, kann es sein, dass auch das Gras am Halm verpilzt. „Das Wetter zeigt uns immer wieder, wie sehr wir von der Natur abhängig sind“, erinnert sie.

Das bestätigt auch der Kirchberger Landwirt Josef Daxböck: „Im April war es für die Ernte fast zu trocken. Die längere und intensive Regenperiode hat der Natur sehr gut getan, doch einbringen konnten wir da nichts.“ Die kurzen Schönwetterphasen werden daher genutzt, rasch die Ernte zu erledigen. „Bei Flächen mit Staunässe verzögert sich das aber“, erklärt er.

Melanie Fuxsteiner hofft auf eine gute Dirndlernte.
Badegruber

Laut Bezirksbauernkammerchef Kaiblinger kam es im Obstbau heuer schon zu Problemen. „Die Wilddirndl ist als witterungsbeständige Frucht nicht so betroffen“, führt Melanie Fuxsteiner von der 1. Dirndlmanufaktur Dirndltal aus, dass sie noch Glück hatte. Trockenheit sei nicht zwingend nachteilig. Die Frucht entwickelt mehr Fruchtzucker. Regen, so lange er nicht zum Dauerregen wird, sei ebenso wichtig. Geerntet wird die Dirndl aber erst im August.

Vor allem dem Wald hat der Niederschlag aber gutgetan. Das bestätigt Ludovico Tacoli von der Gutsverwaltung Fridau. „Ausgetrocknete Quellen sind immer ein großes Problem“, berichtet er. Denn trockene Hitze lässt Borkenkäfer gedeihen, die dann den Fichtenbestand massiv gefährden. Auch Buche und Eiche zeigen, so Tacoli, bei extremer Hitze Stressreaktionen: „Diese äußern sich in weniger Blattmasse.“ Wenn der Klimawandel anhält, prognostiziert er, könnte der asiatische Laubholzbockkäfer ein Problem werden.

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