Dirndln heuer früher dran. Nach Rekord-Ausbeute im Vorjahr wird es heuer wieder weniger Früchte geben. Menge wird durchschnittlich eingeschätzt, Qualität soll im ganzen Tal unterschiedlich sein.

Von Sophie Seeböck. Erstellt am 21. August 2018 (05:27)
Sophie Seeböck
Josef, Samuel und Benjamin Fuxsteiner sind täglich unterwegs, um die runtergefallenen Früchte einzusammeln.
 

Rund 60.000 Dirndlstauden gibt es im Tal. Bis Ende September oder Mitte Oktober sind die Wildfrüchte, die Namensgeber und Marke der Region sind, zu ernten. Heuer begannen die ersten Dirndln schon um zwei Wochen früher vom Baum zu fallen als gewöhnlich. Somit ließen sich von den Netzen, die ähnlich der Olivenernte unter den Stauden ausgelegt werden, schon Anfang des Monats erste Früchte sammeln.

„Die Dirndl hat in unserer Region eine sehr lange Tradition.“, erzählt Hans Weiß, Inhaber des Steinschalerhofs und der dazugehörigen Naturgärten in Warth. Schon vor Jahrtausenden sei sie genutzt worden, was durch Ausgrabungen Keltenzeit belegt sei. Der Großteil der Pflanzen im Pielachtal ist wild aufgegangen. Durch natürliche Vermehrung haben sich die Dirndlstauden über die Jahre an das Klima und die Bedingungen im Tal angepasst.

„Es haben sich viele verschiedene Sorten der robusten, urigen, knorrigen, vitalen und kräftigen Wildpflanzen entwickelt“, erklären Melanie und Josef Fuxsteiner, die Betreiber der ersten Dirndlmanufaktur im Tal. Die Wildfrüchte können Färbungen von zartem hellrot über korallenrot bis zu tief dunkelrot annehmen. Vereinzelt sind auch gelbe Früchten zu finden.

„Durch die fehlende Flüssigkeit haben die Dirndln heuer weniger Fruchtanteil und sind etwas kleiner.“Gerhard Gatterer

Die Ernte fällt in diesem Jahr schlechter aus, da sind sich Gerhard Gatterer, die Familie Fuxsteiner und Elfriede König von der Dirndl-, Edelbrand- und Dörrobstgemeinschaft Pielachtal einig. „Vielleicht war die Blüte zu lang oder die Trockenheit hat den Stauden zugesetzt“, mutmaßt König. Es sei aber trotzdem ein durchschnittliches Erntejahr. „Das Jahr 2017 war aber auch ein Spitzenjahr, an denen soll man sich ja bekanntlich nicht messen“, schildert Gatterer, der einen Hofladen in Ober-Grafendorf betreibt.

Die Qualität der Früchte ist unterschiedlich. Teilweise seien die Früchte von der Sonne verbrannt worden, wie König berichtet. Gatterer hatte mit Wasserknappheit und den Folgen der Trockenheit zu kämpfen. „Durch die fehlende Flüssigkeit haben die Früchte heuer weniger Fruchtanteil und sind etwas kleiner. Einige Stauden sind sogar vertrocknet“, so Gatterer. Besser schaut es bei Familie Fuxsteiner aus.

„Aufgrund der frühen warmen Temperaturen im April und der vielen Sonnenstunden haben die Wildfrüchte mehr Fruchtzucker bilden können“, erklären die Fuxsteiners. „Je nach Farbe, Fruchtzuckergehalt und Geschmack, werden unsere Dirndln zu edlen Bränden, Likören, Marmeladen, Sirup wie auch Essig und vielem mehr veredelt.“

Die Dirndl als Superfood

Durch ihren hohen Vitamin C –Gehalt kann die Dirndl als Superfood bezeichnet werden und kann sich so mit exotischen Beeren wie der Goji-Beere messen. „Die Dirndl ist auch als rohe Frucht köstlich“, erklärt Hans Weiß. „Bei uns wird sie meist weiterverarbeitet, in anderen Ländern wird ein Drittel der Ernte roh verzehrt.“

Die Ernte ist aufwendig. Mindestens jeden zweiten Tag müssen die Netze unter den Stauden geleert werden. Danach werden die Früchte händisch sortiert, gewaschen und weiterverarbeitet. Die schönsten Exemplare der süß-säuerlichen Frucht werden zu Marmeladen oder Chutney verkocht, nicht ganz so schöne zu Schnaps verarbeitet. „Die Ausbeute beträgt zwei Prozent. Aus hundert Liter Maische entstehen zwei Liter Hochprozentiger“, erklärt König.