Gedenkstein gesetzt: Zeichen gegen das Vergessen. 14 KZ-Gefangene wurden in Frankenfels getötet. Schule, Gemeinde und Pfarre errichteten Andenken am Friedhof.

Von Gerhard Groiss und Nadja Straubinger. Erstellt am 06. November 2018 (04:16)
Schüler und Organisatoren bei der Gedenkfeier und Setzung eines Gedenksteines am Friedhof: Hannah Günay, Katja Dorrer, Sebastian Pfeiffer, Gerald Hofegger, Patrick Gedl, Bernhard Gamsjäger, Franz Größbacher, Reinhard Wilhelm, Lisa Rottensteiner, Heinrich Putzenlechner, Samuel Datzreiter.
Gerhard Groiss

14 KZ-Häftlinge wurden am Weg zurück nach Mauthausen in Frankenfels durch die Nationalsozialisten ermordet. Mit einem Gedenkstein setzten Gemeinde, Schule und Pfarre nun ein Zeichen gegen das Vergessen.

In der Endphase des Zweiten Weltkrieges setzten die Nationalsozialisten KZ-Gefangene in Industriebtrieben ein. So mussten sie etwa Abwehrstellungen errichten. „Vor dem Eintreffen der Roten Armee sollten die KZ-Häftlinge aus dem Raum Wiener Neustadt nach Mauthausen zurückgeführt werden“, berichtet Historiker Ernst Langthaler. Wer unterwegs nicht mehr weiter konnte, wurde ermordet, durch einen Schuss ins Genick. „Der Volkssturm wurde damals damit beauftragt, die Leichen direkt an Ort und Stelle, neben der Straße zu vergraben“, so Langthaler. Die aus Polen, der ehemaligen Sowjetunion und Italien stammenden Mordopfer wurden 1946 exhumiert und am 1. Dezember 1946 im Beisein der Öffentlichkeit am Friedhof Frankenfels in einem anonymen Massengrab bestattet.

„Auf den Spuren der vergessenen Opfer“

1995 erforschte Langthaler, damals noch Lehrer an der Hauptschule Frankenfels, mit den Schülern in den Projekten „Frankenfels 1945“ und „Auf den Spuren der vergessenen Opfer“ die Geschichte des Ortes. Mit Schreibblock und Aufnahmegerät ging es damals zu Zeitzeugen, die das Kriegsende 1945 miterlebt hatten. Insbesondere das Schicksal von 14 am sogenannten „Todesmarsch“ von der KZ-Außenstelle Hinterbrühl ins KZ Mauthausen im Frankenfelser Gemeindegebiet von der SS ermordeten Zwangsarbeiter, beschäftigte die Schüler immer wieder aufs Neue. „Wir haben damals ein papierenes Denkmal geschaffen, jetzt gibt es auch ein steinernes Denkmal“, freut sich Langthaler.

Vorfall wieder ins Gedächtnis gerufen

Im Laufe der Jahrzehnte gerieten dieser Vorfall und die Grabstelle nach mehreren Friedhofserweiterungen und Friedhofsumbauten langsam in Vergessenheit. Kein Grabstein erinnerte an die unschuldigen Opfer, jüngere Generationen erfuhren kaum mehr von diesem Kapitel Zeitgeschichte. Mittelschule, Gemeinde und Pfarre riefen nun diesen Vorfall wieder ins kollektive Gedächtnis zurück. In einer Gedenkfeier lasen Mittelschüler aus damaligen Protokollen.

Der Historiker Bernhard Gamsjäger gab einen Überblick über die Geschehnisse vom 4. April 1945 und las die Namen der von der SS ermordeten Menschen vor. Die Namen hatte er zuvor in Archiven des KZ Mauthausen recherchiert. Im Anschluss segnete Pfarrer Alois Brunner am Ortsfriedhof den Gedenkstein, der von der Firma Hofegger gespendet, von der Gemeinde gesetzt und der Blumenwelt Anita Hollaus bepflanzt wurde. Zur Freude der Organisatoren aus Schule, Gemeinde und Pfarre wohnten viele Menschen dem Festakt und der Segnung des Steines am Friedhof bei.