Pielachtal: Impfstoff reicht nicht. Apotheker bekommen gewünschte Menge nicht. Zum Teil sind dort Reservierungen möglich. Ärzte erwarten, dass sich heuer mehr impfen lassen möchten.

Von Nadja Straubinger und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 23. September 2020 (03:42)
Christoph Stelzer von der Marienapotheke in Ober-Grafendorf bekommt viel weniger Impfstoff, als er bestellt hat.
Straubinger

Die Corona-Pandemie hält noch immer die ganze Welt in Atem. Auswirkungen hat diese auch auf die bevorstehende Grippezeit. Das Interesse an der Grippeimpfung ist heuer wesentlich größer als in den letzten Jahren, da sind sich Mediziner und Apotheker einig. Lieferengpässe könnten das Resultat sein.

„Ob es genügend Impfstoffe gibt, kann derzeit noch nicht beurteilt werden, da die Lieferung durch die Großhändler noch nicht erfolgt ist“, erklärt Ärztevertreter für den Bezirk St. Pölten-Land, Andreas Barnath. Vorab sei ihm aber mitgeteilt worden, dass er nicht die volle Lieferung bekommen werde.

„Ich habe etwa die doppelte Menge der Vorjahre bestellt. Bekommen werde ich aber nur rund zwei Drittel. Damit werde ich auskommen müssen“, führt Barnath aus. Er empfiehlt die Impfung für alle Personengruppen, da die Influenza im klinischen Verlauf da keine großen Unterschiede mache. Dennoch sind Ältere und chronisch Kranke die Hauptzielgruppe für die Grippeimpfung. Wie das Interesse daran aussieht, kann Barnath noch nicht beurteilen. „Angemeldet sind und reserviert haben den Impfstoff bisher nur die ,üblichen Verdächtigen‘, die auch schon in den letzten Jahren geimpft wurden“, berichtet der Bezirksärztevertreter. Er geht aber davon aus, dass die Durchimpfungsrate im Vergleich zu den Vorjahren etwas steigen wird.

„Ich habe ein Kontingent von 100 Impfdosen, betreue aber rund 2.000 Menschen. Das geht sich nicht einmal allein mit den Risikopatienten aus.“ Michael Stolz, Gemeindearzt von Rabenstein

Einen Engpass an Impfdosen sieht der Rabensteiner Allgemeinmediziner Michael Stolz kommen. „Ich habe ein Kontingent von 100 Impfdosen zur Verfügung, betreue aber rund 2.000 Menschen. Das geht sich nicht einmal allein mit den Risikopatienten aus“, gibt er zu bedenken. Gerade in Zeiten einer Pandemie solle aber mehr geimpft werden als nur ein so geringer Prozentsatz, ist Stolz überzeugt.

Fünffache Menge bestellt, nicht lieferbar

Ärger herrscht bei den Apothekern. „Die Organisation ist ein Chaos“, betont

Christoph Stelzer von der Marienapotheke in Ober-Grafendorf. Schon spätestens Anfang Mai musste er bestellen. Obwohl er die fünffache Menge geordert hat, hat er nur die Doppelte zugesagt bekommen. Er hält es für problematisch, dass das Land Wien etwa 400.000 Dosen aufgekauft hat, denn: „Die Gesamtmenge an Impfstoffen ist begrenzt, wenn dann jeder sein eigenes Süppchen kocht, wird es schwierig.“ Viel mehr hätten sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und besprechen sollen, wo die Impfdosen am sinnvollsten eingesetzt werden können. „Da hat meiner Meinung nach die Politik versagt“, kritisiert Stelzer. In der Marienapotheke sind bereits 300 Impfdosen vor Interessenten reserviert. „Man muss schon honorieren, wenn sich jemand frühzeitig Gedanken macht“, meint der Apotheker, der hofft, dass er doch noch mehr Impfstoff bekommen wird.

„Ich habe viel bestellt, werde aber nur einen Bruchteil bekommen“, sagt auch Mahmoodzadeh Abdul Nasser von der Herz-Jesu-Apotheke Kirchberg. In letzten Jahren sei die Nachfrage nicht so groß gewesen. Maximal 100 Impfdosen hat er jährlich verkauft. Vorbestellungen für den Impfstoff hat auch er schon, jedoch nur 20.

Seitens des Ministeriums wurde eine Gratis-Impfung für Lehrer versprochen. Auch für Kinder und Jugendliche soll die Impfung heuer kostenlos sein. „Die kommende Schutzaktion mit den Gratis-Impfungen finde ich sehr gut und werde ich künftig auf jeden Fall weiter unterstützen“, erklärt Michaela Kronawetter, Schulärztin im BORGL St. Pölten. Bisher haben sich die Schüler eher weniger impfen lassen, da sie in der Oberstufe aus dem kostenlosen Impfprogramm herausfallen.

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