Rainer Handlfinger: „Arbeiten im Ort mit Hausverstand“ . Um nicht Bürger an St. Pölten zu verlieren, setzt Ober-Grafendorf viele Maßnahmen, vom Wohnbau bis zum Freizeitangebot.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 16. September 2020 (03:33)
Stolz der Gemeinde ist die alte Mariazellerbahn-Lok aus dem Jahre 1906, die vom Eisenbahnclub Mh.6 im Ober-Grafendorfer Heizhaus liebevoll restauriert wurde. Vor dieser fand das NÖN-Himmelstreppen-Gespräch zwischen NÖN-Pielachtal-Redaktionsleiterin Gila Wohlmann und Bürgermeister Raner Handlfinger statt.
NÖN

Mit knapp über 4.550 Einwohnern ist Ober-Grafendorf die größte Gemeinde des Pielachtals. Ortschef Rainer Handlfinger stellte der NÖN seinen Heimatort vor.

NÖN: In Ober-Grafendorf hat die Bevölkerungszahl leicht abgenommen. Warum?
Rainer Handlfinger: Die Landeshauptstadt wächst stark, es gibt dort viele Wohnbauprojekte. Bei uns sind derzeit kaum Wohnungen frei, aber auch wir reagieren ebenso mit Wohnbau. Es entstehen 160 Wohneinheiten am Ebersdorfer Feld. 2018 wurden 35 Wohnungen in der Maurergasse übergeben. 30 Einheiten folgen noch am Hauptplatz.

Apropos Hauptplatz. Wird man diesen in fünf Jahren noch erkennen?
Der Hauptplatz ist das Herz der Gemeinde. Dieser soll belebt werden, eine neue Aufenthaltsqualität geschaffen werden. Wichtig ist die Neugestaltung des barrierefreien Kirchenplatzes mit der Verbreiterung des Durchgangs zur Manker Straße, damit es keine Verkehrsverzögerungen bei Begräbnissen mehr gibt.

Hauptplatz ist das Herz der Gemeinde

Im Ortskern entsteht ein neues Gebäude. Was bietet es?
Im Erdgeschoß finden sich Geschäftsflächen, die Volksbank wird hier ihre Filiale einrichten. Für den geplanten Gastrobetrieb gibt es schon Interessenten, die Post soll auch hier herkommen. Im ersten Stock entsteht ein top modernes Ärztezentrum. Nicht zu vergessen sind eben die 30 Wohneinheiten. Bis 2022 soll das Projekt vollendet sein.

Es wird über die Einrichtung einer Stocksporthalle im Ort gemunkelt. Wird die gebaut werden?
Dazu finden Gespräche statt. Ich denke, diese ist eine attraktive Einrichtung für unsere erfolgreichen Stocksportler. Ich stehe Aktivitäten unserer Vereine positiv gegenüber.

Welches Projekt war für Sie heuer noch vorrangig?
Der Ausbau des Radwegenetzes im Gemeindegebiet. Hier konnten wir Lückenschlüsse erledigen. Der Radweg wird unglaublich stark genutzt. Die Planung nach Rennersdorf und in die Landeshauptstadt läuft.

Corona-Verschärfungen sind in Kraft getreten. Wie lebt man im Ort mit der Pandemie?
Wir hatten neun Fälle, davon einen schweren Verlauf, bei dem sich die Person in künstlichem Tiefschlaf befand. Wir dürfen das Virus nicht unterschätzen. Wir arbeiten im Ort mit Hausverstand, um die fehlende Gesetzeslage zu kompensieren. Ich danke Schulen, Kindergärten, Wirtschaftstreibenden und Vereinen, die die Maßnahmen gut umsetzen.

Wir sitzen hier beim Heizhaus der Mariazellerbahn. Welche Bedeutung hat diese Strecke für Sie?
Wir haben im Ort rund 1.600 Auspendler, 1.000 davon alleine nach St. Pölten. Der öffentliche Verkehr ist für diese immens wichtig. Wenn das 1,2,3-Ticket kommt, hoffe ich, dass das Zweitauto bei uns an Bedeutung verliert.