St. Margarethen: Die Woche nach der Flutkatastrophe. In St. Margarethen war es das größte Drama seit über 60 Jahren. Firma von Hafnermeister Kummer aus Groß Sierning wurde das zweite Mal zerstört.

Von Bernhard Burmetler und Gerhard Weber. Erstellt am 02. September 2020 (03:59)

Eine Woche nach den verheerenden Überschwemmungen durch Sierning innerhalb von wenigen Stunden hörte sich die NÖN in St. Margarethen bei Betroffenen um.

Viel erinnert nicht mehr an das Wasser, außer ein Container und defekte Haushaltsgeräte in einem Garten. Schlimm hat es das Gemeindeamt, das Heimatmuseum und das Kulturcafé erwischt. „Das Gemeindeamt ist für die nächsten sechs bis acht Monaten im Bauhof unterbracht“, schildert Bürgermeisterin Brigitte Thallauer zwischen den Geräuschen der Trockenlegungsmaschinen.

„Die Situation war unbeschreiblich.“ Brigitte Thallauer über das Hochwasser in St. Margarethen an der Sierning

Das Heimatmuseum im Keller war bis zur Decke voll. Dank vieler freiwilliger Helfer konnte viel gerettet werden. Dazu Thallauer: „Viele Bücher und Schriften müssen nun in tagelanger Arbeit gewaschen und getrocknet werden. Der Schaden im Museum ist wirklich schmerzhaft. Die Situation war unbeschreiblich.“

Die Aufräumarbeiten sind seit Dienstag beendet, nun haben die Trockenlegungsarbeiten begonnen. 35 Haushalte im Ortskern waren massiv betroffen, fast die gleiche Menge hatte kleinere Schäden.

In der Landwirtschaft wird man erst sehen, wie sich das Hochwasser ausgewirkt hat. „Es ist eine wirkliche Katastrophe. Sehr viele Häuser sind unbewohnbar, auf vielen Feldern stand tagelang das Wasser, dadurch ist die Frucht tot. Viele Maisfelder wurden von den Fluten umgeknickt“, weiß Bauernbundobmann Franz Lechner.

Sehr viele Maschinenhallen standen unter Wasser, ungefähr 20 Autos sind kaputt.

Landtagsabgeordnete Doris Schmidl hatte bei ihrer Landwirtschaft ebenfalls Schäden zu beklagen. „Unsere Maschinenhalle stand unter Wasser, sodass für den Traktor eine Reparatur nötig ist. Zum Glück blieb dem Wohnbereich das Wasser fern“, erzählt Schmidl. Die Landwirtin erklärt sich dieses Hochwasser folgendermaßen: „Das viele Wasser kam durch die Sierning und vor allem aus Bischofstetten. Außerdem zog sich die Gewitterzelle im Kreis.“

Mit einem blauen Auge davon gekommen ist das „Frischeeck“ von Monika Fraunbaum. „Draußen stand zu Dreiviertel das Wasser. Jedoch hielt die alte Eingangstür, weil sie nach außen aufgeht, das meiste Wasser auf“, schildert die Geschäftsfrau. Im Verkaufsladen gab es zwar Matsch, einige Aufsteller und Kartons sind kaputt, außerdem gab es einen Stromausfall. Aber es ging kein Kühlaggregat kaputt. Am Montag gab es im Geschäft ein Notprogramm, aber dank der vielen Helfer konnte rasch wieder Normalität herrschen.

Schlimm hat es Renate Heiß vom Kulturcafé betroffen: „Mein gesamtes Kellerinventar, vom Kühlschrank über den Eiswürfel-Maker bis zur Deko ist alles kaputt.“ Nach über fünf Tagen Arbeit konnte das Café am Freitag den Betrieb wieder aufnehmen.

Feuerwehrkommandant Walter Diesmayr berichtet ebenfalls von erheblichen Schäden im Feuerwehrhaus: „1,10 Meter stand im Gebäude das Wasser hoch. Derzeit sind wir noch mit Reinigungsarbeiten beschäftigt.

Auf Anfrage, ob es nun Hochwassermaßnahmen in der Gemeinde geben wird, meint Bürgermeisterin Thallauer: „Wir können nicht mitten im Ort ein Auffangbecken errichten. Ich hoffe, dass es nicht mehr so extrem kommt. Falls doch, sollte die Organisation besser abgestimmt sein.“

Trotzdem ist die Ortschefin von der Hilfsbereitschaft aus der Umgebung fasziniert: „Ich bin begeistert von der hilfsbereiten Gesellschaft, die uns bei den Aufräumarbeiten geholfen hat. Seien es die Feuerwehren aus der Umgebung oder auch die vielen freiwilligen Helfer aus der Region.“

Da das Feuerwehrhaus in St. Margarethen schwer getroffen wurde und für die langjährige Zusammenarbeit übergab die Landjugend Ober-Grafendorf eine Spende in Höhe von 500 Euro an die Feuerwehr St. Margarethen.

Hafnermeister Martin Kummer aus Groß Sierning erlebte nach achtzehn Jahren ein Déjà-vu-Erlebnis: Seine Firma stand erneut unter Wasser. Auf der einen Seite die Donau – ein mächtiger Fluss. Auf der anderen die Sierning – ein kleines, dahinplätscherndes Bächlein. „Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, die beiden zu vergleichen“, sagt Hafnermeister Martin Kummer. Dabei haben die beiden etwas gemein: Sie zerstörten seine Firma – 2002 verwüstete Donau-Hochwasser den Hafner-Betrieb. Grund genug, sich einen neuen Standort zu suchen. Den fand man in Groß Sierning. „Wir haben geschaut, dass nicht viel Wasser in der Nähe ist“, erzählt Kummer, „den kleinen Bach habe ich natürlich wahrgenommen, als Gefahr habe ich ihn allerdings nicht gesehen.“

Eine Fehleinschätzung: Aus dem Bach wurde ein reißender Fluss. Und der zerstörte nicht nur Kummers Betrieb, sondern auch den seines Nachbarn Herbert Sieder, der seine Einrichtungsfirma erst vor wenigen Wochen an seine Söhne über geben hat. „Wir wollten das mit einer Hausmesse feiern“, so Sieder.

Jetzt ist aber erst einmal aufräumen angesagt. So gibt’s am kommenden Wochenende sogar die geplante Hausmesse. „Nur eben ein wenig anders geplant“, so die beiden Firmenchefs. „Wir haben Container organisiert, wir wollen unseren Kunden einfach zeigen, dass es weiter geht, wir uns nicht aus der Bahn werfen lassen.“