Bahnhofsmuseum zeigt spannende Ausstellung

1920 gaben viele Gemeinden Notgeld aus. Doch das blieb nicht lange als Währung, sondern wurde zum Sammlerstück. Jetzt gibt es dazu eine spannende Ausstellung im Bahnhofsmuseum Hofstetten-Grünau.

Maria Prchal
Maria Prchal Erstellt am 17. September 2021 | 04:05
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Carolina und Julia schauten sich schon einmal an, was es ab Oktober alles zu bestaunen gibt.
Foto: Gerhard Hager

Es ist das Jahr 1920, der Erste Weltkrieg ist vorbei und es fehlt an allem, selbst an Metall, um Kleingeld herzustellen. Also machen Gemeinden das, was so oft zu Krisenzeiten passiert ist: Sie produzieren Notgeld. Die Geschichte dieses Währungssystems nach dem Ersten Weltkrieg bringt das Bahnhofsmuseum Hofstetten-Grünau ab Sonntag, 3. Oktober.

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So sah etwa in Kirchberg ein 50 Heller-Schein aus. Er konnte nur in Kirchberg ausgegeben werden.
Bahnhofsmuseum

Die Scheine waren nur im jeweiligen Ort gültig. Alle damaligen Gemeinden im Pielachtal außer Schwarzenbach und Weinburg gaben Notgeld aus. Gültig waren die Scheine eigentlich nur bis Anfang 1920, aber: „Es gab schon ziemlich bald einen extremen Sammelboom“, sagt Gerhard Hager vom Bahnhofsmuseum. Selbst während das Geld noch im Umlauf war, begannen die Leute, die bunten Scheine zu sammeln.

Gefangenenlager mit eigenem Geld

Die Gemeinden erkannten: Wirklich nötig waren nur drei Scheine, 10, 20 und 50 Heller, wobei auch die mit der hohen Inflation bald überflüssig wurden. Alleine Loich produzierte jedoch 120 verschiedene Drucke – nur für die Sammler. Oft wurden die Notgeldscheine sogar von bekannten Künstlern gestaltet. Dieses Phänomen gab es in ganz Österreich: Ungefähr 80.000 Scheine dürfte es bundesweit geben. Es etablierten sich sogar eigene Notgeldfirmen, die den Orten ihre Bestände abkauften und an Sammler weitervermittelten.

Über 100 Jahre später gibt es immer noch Sammler – wie Hager selbst. Zahlreiche Scheine aus Österreich und dem Pielachtal sind deswegen jetzt im Bahnhofsmuseum gelandet. Dazu gibt es Broschüren, Kataloge und mehr. Außerdem zeigt das Museum eine weitere Notwährung: „Das ist eigentlich kein Notgeld, aber wir haben Scheine aus dem Kriegsgefangenen-Lager Steinklamm von 1918.“