Hitzige Debatte um Hochwasserschutz. Aggschussgraben ÖVP-Gemeinderäte lehnten Dringlichkeitsantrag der SPÖ ab, nach Bürger-Initiativantrag wird Ökologe hinzugezogen.

Von Marlene Groihofer. Erstellt am 17. Dezember 2019 (04:40)
Ein Hochwasser-Rückhaltebecken soll erbaut werden und den Groß-Aggschussgraben hochwassersicher machen. Pläne dazu arbeitete die Wildbach- und Lawinenverbauung aus.
WLV

Für mitunter hitzige Debatten sorgte in der letzten Gemeinderatssitzung das Thema Hochwasserschutz. Etwa 100 Wohngebäude wurden 2016 vom Hochwasser im Einzugsgebiet des Groß-Aggschussgrabens in Mitleidenschaft gezogen. Um künftigen Gefahren vorzubeugen, ersuchte die Gemeinde die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) um Ausarbeitung eines Schutzprojektes. „Es ist so weit fortgeschritten, dass es der BH St. Pölten zur Bewilligung vorgelegt werden kann“, so Stephan Vollsinger von der WLV.

Schlüsselbauwerk soll ein Hochwasser-Rückhaltebecken sein, das ein Rückhaltevolumen von 18.000 Kubikmetern Wasser aufweist. Die zwei bereits bestehenden Becken will man zum Herausfiltern von Geschiebe und Wildholz nutzen. Abgeleitet werden soll das Wasser via Konvalinastraße in die Pielach. Die für die Neuerrichtung der Maßnahmen notwendigen Grundankäufe seien bereits in die Wege geleitet, so Bürgermeister Arthur Rasch.

„Bin sehr zuversichtlich, dass wir auf einem guten Weg sind.“ Regina Kolar, Initiativ-Antragsstellerin

Machbarkeitsstudien zum Projekt wurden ausgearbeitet, miteinbezogen hat man auch eine Hangwasserstudie des Pielach-Wasserverbands. „So nachhaltig und wirtschaftlich wie möglich“ wolle man vorgehen, so Bürgermeister Arthur Rasch.

Kritik an den Plänen kommt von der Opposition. SPÖ-Jugendgemeinderat Herbert Hollaus brachte einen Dringlichkeitsantrag ein, in dem er neben der Betrachtung von Alternativen fordert, eine nachhaltige Lösung zu überprüfen und umzusetzen: „Es kann nicht sein, dass man die bestehenden Rückhaltebecken auflässt und eine dritte überdimensionale fünf Meter hohe Schutzwand plant, statt Alternativen zu prüfen, die bestehenden Becken zu erweitern.“ Die ÖVP lehnte nach anfänglich zustimmender Überlegung im Anschluss an eine Sitzungsunterbrechung den Dringlichkeitsantrag ab: „Parteipolitisches Kalkül“, so Hollaus.

Es sei bautechnisch nicht möglich, die bestehenden Becken zu erweitern, kontert Bürgermeister Arthur Rasch. Eine Zustimmung hätte das Projekt um ein weiteres Jahr verzögert. „Am Anfang gab es von der SPÖ noch keine Einwände – dass diese nun vor der Wahl kommen, ist Parteipolemik“. SPÖ-Vorwürfen, der Gemeinderat und die Bürger wären nicht ausreichend eingebunden worden, setzt Rasch entgegen: „Schon 2016 haben wir uns mit den Anrainern für erste Besprechungen zusammengesetzt. Von der SPÖ kam damals niemand.“

Behandelt wurde im Gemeinderat auch ein von 100 Bürgern unterschriebener Initiativ-Antrag, den Regina Kolar ins Leben rief, die sich auch Unterstützung durch die NÖ Grünen holte. „Wir wollen, dass man auch auf die Natur achtet“, so Regina Kolar. Beschlossen wurde nun, dass ein Ökologe das Projekt begleiten soll – aussuchen werden ihn die Vertreter des Initiativ-Antrags: „Ich bin nun sehr zuversichtlich, dass wir auf einem guten Weg sind“, so Regina Kolar, „wir haben auch einen sehr guten Konsens mit Vizebürgermeister Wolfgang Grünbichler und Herbert Hollaus“.

Viele Bürger fürchten, dass ein „bedrohliches Betonbauwerk“ hinter der Siedlung entsteht, so Stephan Vollsinger von der WLV – so werde das Becken aber nicht aussehen: „Es wird humusiert und begrünt.“ Dass das Becken siedlungsnah stehe, sei wichtig: „So erwischt man alles an Niederschlags-Wässern.“ Plan sei es, nach der Bewilligung im Sommer 2020 mit dem Bau zu starten, so Ortschef Rasch.