Pakete aus der Vergangenheit. Buchvorstellungen und Interviews mit Zeitzeugen präsentierten Mittelschüler im Bahnhof.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 09. April 2019 (04:19)
Straubinger
Die Schüler Elias Steinmetz, Martin Enne, Magdalena Steigenberger, Lena Patscheider, Katharina Patscheider, Sidonie Scholze-Simmel, Kristina Zeuner, Kristina Enne (hinten) sowie Lena Brocza und Anna Heindl (vorne) präsentierten im Bahnhofsmuseum ihre „Pakete der Vergangenheit“, die sie mit Pädagogin Karin Schweinzer (l.) erarbeitet hatten. Auch die Zeitzeugen Ida Gruber und Anton Tiefenbacher mit denen die Schüler Interviews geführt hatten, ließen sich das Ereignis nicht entgehen.

„Wir hatten zu wenig Geld und zu wenig zum Essen.“ Magdalena Steigenberger spielte bei der Präsentation von „Pakete aus der Vergangenheit“ mit Lena Patscheider das Interview mit ihrem Opa Anton Tiefenbacher nach. Dieser berichtete von der Angst der Mutter im Zweiten Weltkrieg. Tiefenbacher war nicht eingerückt und hob deshalb hervor: „Man kann alles vergessen, wenn man keine Menschenleben auf dem Gewissen hat.“

„Man kann alles vergessen, wenn man keine Menschenleben auf dem Gewissen hat.“

Das zweite Interview mit Ida Gruber hatten die Schülerinnen aufgenommen und präsentierten das Video im Bahnhofsmuseum. Gruber wurde 1940 mit ihrer Familie aus Südtirol nach Österreich ausgesiedelt und kam so auf einen Hof in Plambach in Hofstetten-Grünau.

Beim Aufbau des Hofes bekam sie Hilfe von der Gemeinde und von den Nachbarn. „Die Mutter hatte wahnsinnige Angst, als in der Nacht wenige Meter vom Hof ein Flugzeug abgestürzt ist. Sie dachte, es fällt auf den Hof“, berichtet Gruber, die ihre Erinnerungen im Buch „Meine zweite Heimat“ festgehalten hat.

Die Schüler der Mittelschule Grünau/Rabenstein beschäftigten sich im Deutschunterricht mit Büchern rund um den Zweiten Weltkrieg. „Wir machen jedes Jahr Buchvorstellungen. Jetzt hatte ich die Idee, dass wir das auch öffentlich machen könnten“, erklärt Pädagogin Karin Schweinzer. Zwei Monate waren die Schüler mit Lesen und Vorbereiten beschäftigt. Schweinzer unterstütze beim Erarbeiten der Präsentation. Dabei kam ihr die theaterpädagogische Zusatzausbildung zugute. „Die Schüler waren mit Eifer dabei und ich wusste schon bei der Generalprobe: Da kann nichts schiefgehen.“

„Die Schüler waren mit Eifer dabei und ich wusste schon bei der Generalprobe: Da kann nichts schiefgehen.“

In vier Gruppen stellten die Schüler ihre Bücher vor. In einer Doppelconference präsentierten Elias Steinmetz und Martin Enne ihre Bücher. Und auch die Requisiten wie eine Dynamitstange zur Veranschaulichung des Stauffenberg-Attentats auf Hitler wurden selbst gebaut. Für die Vorstellung von „Sadako will leben“ von Lena Brocza und Anna Heindl drechselte Elias Steinmetz eine Atombombe. Sidonie Scholze-Simmel, Kristina Zeuner und Kristina Enne beschäftigten sich mit dem Spiegelgrund und ließen in ihre Performance auch Zitate von Spiegl-grund-Überlebenden einfließen.

Das Publikum lauschte den Ausführungen der Schüler gespannt und zollte den Schülern Respekt mit viel Applaus auch beim abschließenden Lied.