Schlägerung ärgert Bürger in Weinburg. Gutsverwaltung begründet mit Eschentriebsterben und Borkenkäfer.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 31. März 2021 (04:35)
NÖN

Aufruhr herrscht derzeit in Weinburg. Der Grund dafür sind die Holzarbeiten auf Flächen der Gutsverwaltung Fridau. „Die Au schaut fürchterlich aus. Ich war richtig geschockt“, berichtet ein NÖN-Leser. Von „Rodungen“ ist da die Rede und von einem „Naturfrevel gerade zur Brutzeit der Vögel“. Auch Vizebürgermeister Michael Strasser sieht die Schlägerungen kritisch, vor allem, weil er von Kindern, die vom Anblick richtig entsetzt waren, erfuhr. Er merkt dennoch an: „Damit der Wald gefahrlos betreten werden kann, muss auf die Gesundheit der Bäume geachtet werden.“

Auch zu Ludovico Tacoli von der Gutsverwaltung Fridau sind die diversen Vorwürfe bereits vorgedrungen. Er betont sofort: „Eine Rodung ist genehmigungspflichtig. Wir haben auf keiner der Flächen Rodungen durchgeführt.“ Eine Rodung liegt nur dann vor, wenn die Waldfläche verringert wird und die Wurzelstöcke entfernt werden. In Weinburg handelt es sich um Fällungen, „die aufgrund des Eschentriebsterbens nötig waren“, erklärt Tacoli. Oft kommen in seinen Wäldern Pferde zum Einsatz, in diesem Fall wäre die Fläche aber zu groß gewesen. „Mit dem Pony schaffen wir etwa 50 Meter in der Woche. Das wäre ein Jahr Arbeit gewesen“, führt Tacoli aus.

„Es haftet immer der Grundeigentümer. Selbst wenn der Grund verpachtet wäre.“ Ludovico Tacoli

Unumgehbar waren die Holzarbeiten aufgrund der Haftungslage, weil daneben der Radweg verläuft. „Es haftet immer der Grundeigentümer. Selbst wenn der Grund verpachtet wäre; da dem Pächter auch die forstliche Ausbildung fehlt“, so Tacoli. Ihm ist klar, dass es nach den Arbeiten wild aussehe, jedoch ist der Einsatz des Harvesters mit seinen riesigen Ballonreifen schonender als der Einsatz eines normalen Traktors. „Die 70 Tonnen Gewicht verteilen sich beim Harvester auf sechs bis acht Quadratmeter. Beim Traktor hingegen vier Tonnen auf einem halben Quadratmeter.“ Dadurch sei die Bodenverdichtung wesentlich höher.

Im Bereich Waasen oberhalb des Bauhofs waren ebenfalls große Eingriffe in den Baumbestand nötig. „Wir mussten das Areal von 5.000 m² räumen, weil die Bäume vom Borkenkäfer befallen waren“, berichtet Tacoli. Die Arbeiten in der Gemeinde Weinburg waren mit der Forstabteilung der Bezirkshauptmannschaft abgesprochen. „Es handelt sich im Grunde um eine freie Fällung, die der Gründeigentümer machen kann und die keine Bewilligung braucht. Allerdings muss der Wald wieder aufgeforstet werden“, erklärt Bezirkshauptmann Josef Kronister.