Neues Leben für altes Papierwerk in Rennersdorf

Hannes Harm möchte das alte Gebäude sanieren und Lagerräume zum Vermieten errichten.

Erstellt am 04. September 2020 | 05:18
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Johannes Kral, Hannes Harm, Veronika Harm und Rainer Handlfinger (von links) beim Besichtigen der Papierfabrik.
Foto: Burmetler

 Die NÖN traf sich mit Besitzer Hannes Harm, Liegenschaftsverwalter Johannes Kral und Bürgermeister Rainer Handlfinger am Gelände der Papierfabrik in Rennersdorf und fragte genauer nach, was nun konkret mit der Liegenschaft geschieht.

„Ich möchte das Gebäude vom Charakter her in der derzeitigen Form belassen und keine baulichen Veränderungen durchführen und ich bin sehr bemüht, dass in etwa zwei bis drei Jahren das Gebäude wieder etwas gleich schaut“, erzählt der Ober-Grafendorfer Harm.

Das Erdgeschoß umfasst 2.000 Quadratmeter Nutzfläche. Zur Nutzung äußert Harm: „Neben privaten Lagerräumen, sind auch einige Lager für Gewerbebetriebe entstanden.“ Wie bereits berichtet, wird auch der Schießstand kommen.

Eine kleine Änderung wird es jedoch geben. Dazu erklärt der Besitzer: „Vom Rauchfang werde ich, aufgrund seines derzeitigen Zustandes und weil es zu aufwendig wäre zu sanieren, zwei bis drei Ringe entfernen.“

„Bisher habe ich alles mit Kalkzement und Schotter verputzt und dabei rund 100 Tonnen Sand verwendet"

Einen Einblick gab es auch in ein Lagerabteil, das mit OSB-Platten verkleidet ist. Dazu erklärte Liegenschaftsverwalter Johannes Kral: „Es gibt 90 bis 100 Quadrameter große Räume, der größte hat eine Fläche von 350 Quadratmeter. Alles besteht aus massiven Wänden. Die Abteile haben einen Stromanschluss und einen eigenen Zähler. Der Boden wurde, wo es möglich war, original übernommen.“

Bürgermeister Rainer Handlfinger freut sich ebenfalls, dass es neues Leben für die Fabrik gibt: „Für die Gemeinde ist es ein gutes Projekt in Rennersdorf und wir sind froh, dass sich jemand gefunden hat, der damit etwas macht. Außerdem bin ich überzeugt, dass es ein Aushängeschild wird und kein Schandfleck mehr bleibt.

Auf Nachfrage warum Hannes Harm in den Besitz der Fabrik gekommen ist, meint er: „Es hat mir schon immer gefallen und ich möchte etwas schaffen, was ich später der Jugend übergeben kann.“

Spannend bleibt das „Wannengrundstück“ vor der Liegenschaft. „Der 3.500 Quadratmeter große Betriebsbereich wird derzeit auf eine ebene Fläche angeschüttet“, erklärt Kral.

Man wird sehen, wie die Fläche in Zukunft genutzt wird. „Auf jeden Fall ist es eine Fläche für Firmen, die eine hohe Frequenz benötigen. Jeder, der etwas damit anfangen kann, ist willkommen“, sind sich Harm, Kral und Handlfinger einig.

Das Gebäude ist geschichtsträchtig: Die Papierfabrikation wurde in Rennersdorf 1828 aufgenommen. 1837 fertigte die Fabrik vorwiegend Packpapiere für die Kaufleute in und um St. Pölten an. 1894 kauften die Brüder Siegmund und Adolf Mahler die Mühle. 1938 wurde der Betrieb, den zu dieser Zeit Adolf Mahler leitete, von den Nationalsozialisten „arisiert“. Der Ariseur der Fabrik hieß Viktor Piatnik, welcher bis Ende 1961 Geschäftsführer blieb.

Erhard Hadwiger aus Wien hatte im Jänner 1962 einen Ausgleich durchzuführen, musste dann aber das Werk stilllegen. Zuletzt waren 88 Arbeiter beschäftigt. Danach wurde es still um das Werk. Bis vor einigen Jahren Hannes Harm die Liegenschaft erwarb.

Hannes Harm ruft abschließend die Leser auf, sich zu melden, falls jemand historische Bilder vom damaligen Fabriksbetrieb oder der Außenansicht hat.