Pielachtalerin und NÖ sind 100: „Bin ich echt schon so alt?“

Hedwig Pilger aus Frankenfels feierte vor wenigen Tagen den 100er. Der NÖN gab sie Einblicke in ihr Leben im Pielachtal von einst und jetzt.

Erstellt am 05. Januar 2022 | 05:34
Lesezeit: 3 Min
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Die 100-jährige Hedwig Pilger genießt die Zeit mit ihren Urenkerln, im Bild mit Theodora (5). Dafür reist sie mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter gerne nach Graz. F
Foto: Pilger

100 Jahre. So alt ist Niederösterreich. Hedwig Pilger aus Frankenfels ebenso. Wie die gelernte Schneiderin und einst unverzichtbare Mitarbeiterin in der St. Pöltner Rechtsanwaltskanzlei ihres Mannes diese Zeit erlebt hat, erzählt sie im NÖN-Gespräch.

NÖN: 100 Jahre, ein gesegnetes Alter. Wie fühlen Sie sich?

Hedwig Pilger: Ich freue mich einfach, dass ich gesund bin.

Und was sagen Sie dazu, dass Sie genauso jung wie das Land Niederösterreich sind?

Bin ich echt so schon so alt? Ich glaube es nicht, dass ich so alt bin. Ich habe an diesem Land mitgearbeitet. Wir fahren noch heute in viele Orte zu Besuch. Ich gehe dort gerne essen oder spende. Die gute Luft der heimischen Berge genieße ich. Ich reise aber auch gerne ins Ausland. Da lerne ich neue Landschaften und Menschen kennen.

„Als Baby wäre ich fast an der Spanischen Grippe gestorben“

Geboren wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, Kindheit in der Zwischenkriegszeit, Jugend im Zweiten Weltkrieg: Wie haben Sie diese Zeiten erlebt?

Als Baby wäre ich fast an der Spanischen Grippe gestorben. Meine Mama hat mich nur mit Ziegenmilch gefüttert. Meine Jugend war eigentlich eine schöne Zeit, aber nicht nur. Ich erinnere mich an Rabenstein. Da sind die hungrigen arbeitslosen Leute vorbeigegangen und haben Geld und Essen bekommen. Ich war auch im Waldviertel und habe Bauern geholfen. Wie die Russen im Zweiten Weltkrieg gekommen sind, da hatte ich Angst, auch Kurt, mein Mann. Sie waren auch ein paar Mal in der Villa in Frankenfels, in der wir lebten. Dort haben sie aber nichts gemacht. In unserer Wohnung in Wien indes fehlte die Hälfte des Zimmers durch Bombenangriffe. Von der Tür sah man ohne Wände ins Freie. Später haben wir im Holzkasten Eisensplitter von den Angriffen entdeckt. Nach Kriegsende haben wir nicht gewusst, wie es weitergehen könnte. Das möchte ich nicht nochmals erleben.

Das Wirtschaftswunder – die Zeit ab den 1950er-Jahren. Wie haben sich das Pielachtal und Ihr Leben verändert?

Die Leute fassten wieder Mut. Auch wir haben 1951 begonnen, ein Haus zu bauen. In Frankenfels ist in dieser Zeit eine ganze Siedlung entstanden.

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Hedwig Pilger genießt trotz hohen Alters das Reisen. Hier besuchte sie mit ihrer Familie, im Bild Schwiegertochter Lucja, Gran Canaria.
Foto: Pilger

Was sagen Sie zur Wohlstandsgesellschaft von heute?

Heute geht es uns weit besser als damals. Wir brauchen nicht um das tägliche Essen in Sorge sein. Noch heute bringe ich es nicht übers Herz, Essen übrig zu lassen. Ich bitte, dass es mir zum Mitnehmen eingepackt wird. Essen lässt man nicht einfach verderben. Was mich fürchterlich trifft, ist, wenn Nahrungsmittel achtlos weggeworfen werden.

Was finden Sie heute viel bequemer als damals?

Das Reisen mit der Mariazellerbahn. Man fuhr aber schon damals mit der Bahn viel sicherer als mit dem Auto. Verspätungen gab es öfter, an einen Unfall mit dem Zug erinnere ich mich nicht. Früher lag oft im Winter Schnee auf den Fensterbänken im Waggon, die Sitze waren damals hart. Heute fahre ich mit der „Himmelstreppe“ unvergleichlich bequemer. Es gibt eine Heizung, die im Winter wärmt und eine Klimaanlage, die im Sommer schön kühlt.

„Essen lässt man nicht einfach verderben. Was mich fürchterlich trifft, ist, wenn Nahrungsmittel achtlos weggeworfen werden.“

Durch die Corona-Pandemie hat sich das Leben verändert. Erschüttert Sie das?

Angst habe ich keine. Ich habe sie ja schon gehabt, diese gefährliche Grippe. Heute setze ich eben eine Maske auf, wenn es sein muss. Wenn die anderen sie auch aufsetzen, ist es gut, damit sie andere nicht anstecken. Mein Sohn und seine Frau haben gesagt, ich soll mich impfen lassen. Jetzt bin ich halt geimpft.

Welche Epoche würde Sie gerne nochmals erleben?

Ich lebe gerade in dieser Zeit. Im bequemen, gut beheizten Wohnzimmer habe ich gerade ein Windringerl vom Christbaum gegessen. Möge es so bleiben für mich!

Was würden Sie gerne noch ändern?

Was es zu ändern gäbe, müssen Sie die Jungen fragen!

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