„Jene unterstützen, die auf Zukunft schauen“. Sommergespräch | Peter Kalteis erklärt, warum monetäre Förderung besonders wichtig ist und wieso man als Bürgermeister nicht nur Freunde hat.

Erstellt am 15. Juli 2013 (08:50)
NOEN, Markus Glück
Von Martin Gruber und Markus Glück

NÖN: Ist es ein Vorteil für Weinburg, dass der neue Landeschef der SPÖ so nahe sitzt?
Kalteis: Ich bin mit Matthias Stadler seit Jahren in gutem Gespräch, ob es uns hilft oder nicht, sei dahingestellt, denn es hängt von guten Projekten und Ideen ab. Dass man im gemeinsamen Gespräch versucht, Dinge umzusetzen, war vorher so und wird auch jetzt so sein.

Ihnen wurde vonseiten des Landes empfohlen, bei den Förderungen einzusparen. Wo soll der Weg bei den Subventionen hingehen?
Kalteis: Ich gestehe, dass das Einsparungspotenzial, das wir gemeinsam im Gemeindevorstand erarbeitet und im Gemeinderat beschlossen haben, kein überbordendes ist. Es ist uns darum gegangen, dass die soziale Treffsicherheit gewährleistet bleibt. Wir haben auch darauf geachtet, dass die Gehaltslimits relativ hoch angesetzt sind. Wir werden versuchen, dass wir Familien verstärkt unterstützen. So steigt der Wohnbauförderungsbeitrag für Familien mit Kindern, um auch mehr Kinder in die Gemeinde zu bekommen.

Was entgegnen Sie der Kritik, dass in Weinburg zu viel gefördert wird?
Kalteis: Es ist wesentlich, dass man jene, die auf die Zukunft schauen und Kinder in die Welt setzen, unterstützt. Es ist klar, dass ein Alleinverdiener oder ein Single mehr Geld hat, als „Zweiverdiener“ mit Kindern. Kinder kosten Geld und ich weiß, wie Familien finanziell aufgestellt sind. Daher ist es ganz wesentlich, Familien so gut wie möglich zu unterstützen. Für unser Budget ist es eine Kleinigkeit, wenn ein Kind zum Schulbeginn 150 Euro bekommt, aber für das Familienbudget ist es elementar.

Die Förderungen zahlen sich aber noch nicht in der demografischen Entwicklung aus. Woran liegt das?
Kalteis: Eine Unterstützung der Kinder und Familien ist immer eine Förderung für die Zukunft. Bei uns hat der Rücklauf in letzter Zeit nichts damit zu tun, sondern damit, dass wir überhaupt keine Baugründe hatten und uns auf Mehrfamilienwohnhäuser fokussiert haben. Jetzt hat sich diese Situation durch eine kleine Maßnahme der Raumordnung geändert, wodurch auch manche Landwirte angeregt wurden, Flächen umzuwidmen und sie aufzuschließen. Die Gemeinde hat auch Grundstücke angekauft, um für die Zukunft ausreichend Bauflächen zur Verfügung zu haben und somit auch einen Aufschwung erleben zu können.

Wo sehen Sie sich in drei Jahren?
Kalteis: Hoffentlich bin ich noch in demselben Sessel. Was die Entwicklung der Gemeinde betrifft, bin ich positiv gestimmt. Ich habe eine Freude mit der Entwicklung des Gemeindeteams und wir sind in diesem Bereich sehr gut aufgestellt. Dabei ziehe ich aber auch meine Vizebürgermeisterin mit ein, die mit ihrer Mütterlichkeit, mit ihrem Miteinander und dem Vertrauen, das sie in der Bevölkerung genießt, sowie ihrer sozialen Kompetenz eine ganz wichtige Stütze für mich ist. Ebenso können wir mit unserer Leistungsbilanz mit gutem Gewissen in die Gemeinderatswahl gehen.

Was sind Projekte, die noch in dieser Legislaturperiode abgeschlossen werden und was sind die Erwartungen für die nächste Gemeinderatswahl?
Kalteis: Ich bin überzeugt, dass auch die FPÖ oder das Team Stronach antreten werden. Die FP-Kandidaten haben gesehen, dass es in der Öffentlichkeit nicht positiv aufgenommen wurde. Sie werden dann unter Stronach antreten, oder es werden neue Kandidaten zum Vorschein kommen, die bis jetzt im Hintergrund agitiert haben. Wenn man in der Gemeinde offensiv unterwegs ist, macht man sich natürlich nicht nur Freunde. Es ist leider so, daher erwarte ich mir eine Kandidatur. Bei den Projekten sind es vor allem die Gesellschaftsformenden. So betrachte ich die Zertifizierung für eine familienfreundliche Gemeinde nicht nur als Qualitätsauszeichnung, sondern auch als politischen Auftrag.

Wie zufrieden ist man mit der öffentlichen Anbindung, etwa mit der Mariazellerbahn oder dem Nachtbus? Gibt es hier noch Potenzial?
Kalteis: Es gibt natürlich Ansätze, den St. Pöltner Bus auf die Randgemeinden auszudehnen, das ist allerdings eine finanzielle Frage. Ein Gesamtkonzept wird zwar angedacht, aber die Kosten entscheiden über die Durchführung. Die Erhaltung der Mariazellerbahn empfinde ich als Segen für das gesamte Tal und als Riesenchance für die Region, wozu ich auch die Landesausstellung zähle. Mein Wunsch wäre, dass die Wirtschaft auch versteht, dass es Chancen gibt, wenn man selbst bereit ist, etwas zu investieren.

Wie geht die Entwicklung am Bahnhofsgelände weiter?
Kalteis: Durch die Errichtung der Umformeranlage sind viele Straßen in Mitleidenschaft gezogen worden, was unsere Gemeinde nicht schöner macht. Wir werden die Schäden aber ausbessern. Was den Bahnhof selbst betrifft, gibt es von der NÖVOG Vorstellungen, die mir am Rande präsentiert worden sind – aber wenn man daran denkt, welche Substanz der Bahnhof hat und in welchem Zustand die angrenzenden Flächen sind, denke ich schon, dass die NÖVOG ihre Ansprüche zurückschrauben sollte. Es muss für unsere Gemeinde leistbar sein, es soll danach einladend sein und das kostet eine Menge Geld.

Wie geht es mit dem örtlichen Nahversorger weiter?
Kalteis: Der Markt schließt Ende Dezember nicht. Ich ziele darauf ab, dass es bereits davor eine Lösung gibt. Im Notfall gibt es eine Übernahme. Eine Schließung schließe ich aus.

Es gibt immer wieder die Gerüchte über einen Rücktritt als Landespräsident der Naturfreunde, aber auch die Wahl zum Bundesobmann steht im Raum. Wie geht es in Zukunft weiter?
Kalteis: Wenn man mich offen fragt, werde ich immer offen antworten. Es ist so, dass ich seit 15 Jahren Landesvorsitzender und Vizepräsident der Naturfreunde Österreichs bin. Es gibt Interessen meinerseits, die nicht unbedingt für eine Verlängerung sprechen. Findet man einen geeigneten Nachfolger, bin ich bereit, das Amt abzugeben. Von vielen Seiten wurde aber auch das Interesse an mich herangetragen, den Bundesvorsitz zu übernehmen. Das wäre zwar eine spannende und fordernde Aufgabe, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ich als - und das ist nicht abwertend zu verstehen - Dorfbürgermeister den Stellenwert und die Kraft habe, gewisse Anliegen umzusetzen.