Singer und Gödel rittern um das Bürgermeisteramt. ÖVP-Listensechster Herbert Gödel rückt vor Spitzenkandidat Franz Singer und strebt nun Bürgermeisteramt in Kirchberg an der Pielach an.

Von Marlene Groihofer. Erstellt am 04. Februar 2020 (04:37)
Herbert Gödel holte 334 Vorzugsstimmen: „Meine Wahlwerbung war parteikonform.“ (links). Vizebürgermeister Franz Singer ging für die ÖVP als Spitzenkandidat ins Rennen (rechts)
zVg

Die Gemeinderatswahl ist geschlagen, die ÖVP Kirchberg nach dem Ausbau der Absoluten nun mit neuen Fragen konfrontiert. 70 Prozent der Wählerstimmen konnte sie am Wahlsonntag verbuchen, bei den Vorzugsstimmen gab es eine Überraschung: Spitzenkandidat Franz Singer wurde vom Listensechsten Herbert Gödel überholt – letzterer erhielt insgesamt 334 Vorzugsstimmen: „Das sind mehr als doppelt so viele wie Franz Singer bekam“, sagt Herbert Gödel. In der offiziell bestätigten Liste liegt Gödel jedenfalls mit 12.923 Wahlpunkten vor Singer mit 12.793 Punkten.

Ursprünglich, so Herbert Gödel, habe die Kirchberger Wirtschaft den Wunsch gehegt, ihn als zweiten Spitzenkandidaten ins Rennen zu schicken. Der ÖVP-Gemeindeparteivorstand habe jedoch beschlossen, dass es nur einen Spitzenkandidaten, nämlich Franz Singer, geben soll. „Nun aber ist ein eindeutiger Auftrag der Bevölkerung vorhanden“, sagt Gödel, der jetzt das Bürgermeisteramt anstrebt. Seit dem Ergebnis habe er noch keinen Kontakt mit den Parteikollegen gehabt: „Es herrscht momentan absolutes Stillschweigen.“

„Herbert Gödel erreichte ein beachtliches Wahlergebnis“, kommentiert Bürgermeister Anton Gonaus. Allerdings sei in der ÖVP intern ein Teamwahlkampf vereinbart gewesen, erklärt der Ortschef: „Herbert Gödel aber hat einen Persönlichkeitswahlkampf durchgeführt.“

„Wollten keinen Antritt Mann gegen Mann“

Er gratuliere seinem Parteikollegen zu den Vorzugsstimmen, reagiert Vizebürgermeister Franz Singer. Sicher sei Herbert Gödels Wahlkampf der Partei auch zuträglich gewesen: „Moralisch aber kann man diesen Einzelwahlkampf hinterfragen. Wir hatten abgestimmt, dass wir keinen ‚Mann gegen Mann‘-Wahlkampf führen“, so der ursprünglich Listenerste. Sein Zugang sei demnach ein anderer gewesen: „Ich habe nicht mich, sondern die Themen und die Teamarbeit in den Vordergrund gestellt, so wie es auch im Vorfeld abgestimmt worden war.“ Von der Partei fühle er sich gestärkt: „Die Vertrauensbasis, die nach wie vor in der Partei für mich herrscht, ist immer noch eine Bestätigung.“

Er sei kein Einzelkämpfer, sagt wiederum Herbert Gödel, der vor allem durch seine aktive Online-Wahlwerbung Stimmen gewonnen haben dürfte: „Alles, was ich im Wahlkampf gemacht habe, war parteikonform.“

Die endgültige Entscheidung, wer Bürgermeister und wer Vizebürgermeister werden wird, fällt bei der konstituierenden Gemeinderatssitzung, die in den nächsten Wochen stattfindet. „Es wird abgestimmt und dann wird es eine Entscheidung geben“, so Franz Singer.

Wie auch immer sie ausgehe, er werde sie respektieren: „Es geht ums Ganze und nicht um persönliche Befindlichkeiten. Es geht um Kirchberg.“